Auch Berichte über verlustreiche Immobilieninvestitionen der Bayerischen Versorgungskammer (BVK) haben zuletzt für Verunsicherung gesorgt. Die BVK fungiert als Dachorganisation und zentrale Kapitalanlageeinheit für mehrere berufsständische Versorgungswerke, darunter auch die Bayerische Ärzteversorgung (BÄV). Investitionen und Verluste auf Ebene der BVK können daher grundsätzlich Auswirkungen auf die angeschlossenen Versorgungseinrichtungen haben. Zwischen 2018 und 2020 investierte die BVK rund 1,8 Milliarden Euro in US-Immobilien. Der bislang bekannte Wertberichtigungsbedarf beläuft sich auf rund 160 Millionen Euro. Weitere Abschreibungen können nach aktuellem Kenntnisstand nicht ausgeschlossen werden.
Vor diesem Hintergrund gewinnt eine differenzierte Betrachtung der einzelnen Versorgungswerke an Bedeutung. Trotz gemeinsamer Kapitalanlage unterscheiden sich diese Einrichtungen teils erheblich hinsichtlich Finanzierungsstruktur, Leistungszusagen, Risikotragfähigkeit, Governance und Transparenz. Diese Unterschiede sind maßgeblich für die langfristige Stabilität und Leistungsfähigkeit der jeweiligen Versorgungseinrichtung.
In diesem Zusammenhang erscheinen die Ausführungen zur Bayerischen Ärzteversorgung (BÄV) von Dr. Wittek und André Schmitt im Bayerischen Ärzteblatt (Ausgabe 12/2025) besonders relevant. Berufsständische Versorgungswerke wie die BÄV unterliegen – anders als Lebensversicherungsunternehmen – nicht der Aufsicht der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), sondern werden durch die zuständigen Behörden der Bundesländer überwacht.
Die Bayerische Ärzteversorgung ist im sogenannten offenen Deckungsplanverfahren finanziert. Dieses kombiniert Kapitalanlagen mit laufenden Beitragsanteilen und sorgt so für eine höhere Flexibilität sowie eine geringere Abhängigkeit von internationalen Kapitalmärkten.
Die Autoren betonen zudem die Bedeutung einer breiten Kapitalstreuung und einer langfristig ausgerichteten Anlagestrategie. Trotz bestehender Risiken – insbesondere im Bereich der Beitragsentwicklung – zeigt sich das Modell insgesamt als robust und nachvollziehbar.
Der Ökonom und Praxisbewerter Dr. rer. pol. Rudolph Meindl sieht in der BÄV ein funktionierendes Beispiel für verantwortungsvolle Altersvorsorge im ärztlichen Bereich. Aufgrund seiner jahrzehntelangen Erfahrung und seiner früheren Tätigkeit als Vorstandsvorsitzender einer deutschen Lebensversicherungsgesellschaft bewertet er die Kapitalanlagepolitik der BÄV als umsichtig, professionell und langfristig tragfähig.
Unabhängig von grundsätzlichen Modellen zeigt sich, dass eine transparente Governance, nachvollziehbare Anlagestrategien und eine klare Kommunikation zentrale Faktoren für das Vertrauen der Mitglieder in ihre Versorgungseinrichtung sind. Angesichts aktueller Entwicklungen empfiehlt Dr. Meindl Ärzten außerhalb Bayerns, die Strukturen sowie die Leistungsfähigkeit ihres jeweiligen Versorgungswerks kritisch zu prüfen und den Dialog mit den zuständigen Einrichtungen zu suchen. Transparenz, klare Anlagestrategien und verantwortungsbewusstes Risikomanagement seien zentrale Voraussetzungen für eine verlässliche Altersversorgung der Ärzteschaft.
Über den Autor
Dr. rer. pol. Rudolph Meindl ist Diplomkaufmann und öffentlich bestellter Sachverständiger für die Bewertung von Arzt- und Zahnarztpraxen. Er ist seit über 58 Jahren im Dienste der Ärzteschaft tätig und wurde zu einem versicherungswissenschaftlichen Thema an der Freien Universität (FU) Berlin promoviert.
Den vollständigen Artikel zur Bayerischen Ärzteversorgung, Kapitalanlage und Altersversorgung von Ärzten finden Sie unter:
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