Vorschlag eines einheitlichen Ruhetages in den USA: Stellungnahme der adventistischen Kirchenleitung

Die konservative US-amerikanische Denkfabrik Heritage Foundation veröffentlichte am 8. Januar ein Dokument mit dem Titel „Saving America by Saving the Family” (Amerika retten, indem man die Familie rettet) in der sie vorgeschlagen hat, den Sonntag als „einheitlichen Ruhetag“ gesetzlich festzulegen. Bundesstaaten und Kommunen werden aufgefordert, kommerzielle Aktivitäten am Sonntag einzuschränken, um religiöse Aktivitäten und das geistliche Engagement zu fördern und den amerikanischen Arbeitnehmern einen regelmäßigen Tag der Erholung zu ermöglichen. In den USA gibt es keinen gesetzlich festgelegten Ruhetag, gleichwohl schränken so genannte „Blue Laws“ in manchen US-Bundesstaaten Öffnungszeiten von Geschäften oder Arbeitszeiten am Sonntag ein.

Kritische Stellungnahme der adventistischen Kirchenleitung

Während der Vorschlag der Heritage Foundation als familienfreundliche und gemeinschaftsfördernde Maßnahme erscheint, haben adventistische Kirchenleiter darauf hingewiesen, dass die Empfehlung, den Sonntag durch staatliche Maßnahmen zu schützen, den Sonntagsgesetzen ähnelt, gegen die sich die Kirche seit langem ausspricht. Am 18. Januar veröffentlichte die nordamerikanische Kirchenleitung der Siebenten-Tags-Adventisten (umfasst die Länder USA und Kanada) eine kritische Stellungnahme zum Vorschlag der Heritage Foundation. Darin heißt es: „Siebenten-Tags-Adventisten glauben, dass alle Menschen nach dem Bild Gottes geschaffen wurden und die Freiheit haben, nach ihrem Gewissen zu glauben. Seit mehr als 160 Jahren setzt sich die Kirche nachdrücklich gegen jede Form von Sonntagsgesetzen ein. Adventisten haben diese Gesetze – ob auf lokaler, gesamtstaatlicher oder föderaler Ebene – stets als Versuche verstanden, das Gewissen zu zwingen, selbst wenn sie unter dem Vorwand säkularer Gründe wie der Förderung der Gesundheit von Gemeinschaften und Familien verteidigt werden. Dieser neue Vorschlag für einen ‚einheitlichen Ruhetag‘ ist unvereinbar mit dem reichen Erbe Amerikas, die Religionsfreiheit aller Bürger zu schützen, unabhängig von ihrem religiösen Glauben oder ihrer Weltanschauung. Er steht für den gefährlichen Wunsch, staatliche Macht zur Durchsetzung religiöser Ziele einzusetzen. Die Einschränkung kommerzieller Aktivitäten am Sonntag wirft auch ernsthafte praktische Bedenken für Mitglieder jener Glaubensgemeinschaften auf, die nicht am Sonntag Gottesdienst feiern, darunter Siebenten-Tags-Adventisten und Juden. Sonntagsgesetze stehen im Widerspruch zum ersten Zusatzartikel der Verfassung der Vereinigten Staaten, der die Religionsfreiheit für alle Amerikaner gewährleistet, indem er von der Regierung verlangt, gegenüber verschiedenen Religionen neutral zu bleiben…“ Das Statement im Original: www.nadadventist.org/news/sunday-rest-proposal-raises-troubling-religious-liberty-concerns/

Der Vorschlag der Heritage Foundation hat in den USA bereits zu einer größeren nationalen Debatte über Religion, Familienpolitik und die Rolle des Glaubens im öffentlichen Leben geführt. Die Washington Post berichtete kürzlich über die vielfältigen Empfehlungen des Heritage-Dokuments und wies darauf hin, dass dieses eine Diskussion unter Politikern und Kommentatoren aller politischen Lager hervorgerufen hat.

Die Situation in Deutschland

In Deutschland gibt es seit 1891 Gesetze zum Schutz der Sonntagsruhe. Seit 1919 wird der Sonntag sogar von der Verfassung geschützt. Der entsprechende Passus der Verfassung der Weimarer Republik wurde 1949 in das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland übernommen. Geschäfte sind (bis auf Ausnahmen) sonntags geschlossen, es darf kein Lärm gemacht werden und Arbeitnehmer dürfen nur in Ausnahmefällen beschäftigt werden (z. B. für soziale Dienste). In der Vergangenheit hat dies für Angehörige von Kirchen und Religionen mit anderen, religiös verbindlichen Ruhetagen (wie Adventisten und Juden) zu Problemen geführt. Sie waren in ihrer beruflichen Tätigkeit häufig eingeschränkt und vom Wohlwollen ihrer Arbeitgeber abhängig. Mit der schrittweisen Einführung der Fünf-Tage-Woche seit den 1960er-Jahren wurde die berufliche Situation für diese Menschen weitgehend entschärft.

In vielen europäischen Ländern gibt es ebenfalls Gesetze zum Schutz der Sonntagsruhe, die jedoch oft weniger streng sind als in Deutschland und auch keinen Verfassungsrang haben.

Heritage Foundation

Die 1973 gegründete Heritage Foundation beschreibt sich selbst als Forschungs- und Bildungseinrichtung, deren Aufgabe es ist, „öffentliche Politik auf der Grundlage der Prinzipien der freien Marktwirtschaft, einer begrenzten Staatsgewalt, der individuellen Freiheit, traditioneller amerikanischer Werte und einer starken Landesverteidigung zu formulieren und zu fördern“. Die Organisation mit Sitz in Washington, D.C., bezeichnet sich als „konservative Interessenvertretung“ und gibt an, dass sie sich für die Entwicklung von politischen Vorschlägen einsetzt und diese an Gesetzgeber, die Exekutive und die Öffentlichkeit weitergibt. Sie veröffentlichte außerdem das Dokument Projekt 2025, in dem viele der politischen Ziele dargelegt wurden, die die gesetzgeberischen Prioritäten der aktuellen US-Regierung geprägt haben. In der Einleitung des 900 Seiten starken Projekts 2025 heißt es auf Seite xiv: „Unser Ziel ist es, ein Heer von gleichgesinnten, geprüften, ausgebildeten und vorbereiteten Konservativen zusammenzustellen, die vom ersten Tag an daran arbeiten, den Verwaltungsstaat (administrative state) zu dekonstruieren.“

Website: www.heritage.org

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