125 Jahre Straßenbahn in Freiburg

  • Am 14. Oktober 1901 fuhr die erste Tram durch Freiburg
  • OB Horn und VAG-Vorstände taufen neue Jubiläumsstraßenbahn und stellen Programm im Jubiläumsjahr vor
  • Auftaktfahrt nach Günterstal verbindet Geschichte und Gegenwart des Stadtbahnverkehrs

Mit einer besonderen Sonderfahrt haben die Freiburger Verkehrs-AG (VAG) und die Stadt Freiburg das Jubiläumsjahr „125 Jahre Straßenbahn in Freiburg“ eingeläutet. Vor 125 Jahren, am 14. Oktober 1901, nahmen die ersten Straßenbahnen ihren Betrieb zwischen dem „Rennweg“ und Günterstal auf. Auf einem Teil dieser historischen Strecke – vom Europaplatz zum Klosterplatz in Günterstal – fuhr nun am 5. Februar die neuste Straßenbahn der VAG.

Zum Einsatz kam die Bahn Nummer 325 vom Typ Urbos 100 – frisch beklebt im Design des Stadtbahnjubiläums. Das besondere an der Fahrt: Mit 42 Metern Länge verkehren die Urbos-Straßenbahnen im Regelbetrieb nicht auf dieser Strecke, da die Haltestellen dort zu kurz sind. Für den Jubiläumsauftakt ermöglichte die Betriebsleitung eine seltene Ausnahme.

Taufe der Jubiläumsbahn am Europaplatz

Am Europaplatz tauften Oberbürgermeister Martin Horn sowie die VAG-Vorstände Stephan Bartosch und Oliver Benz die Straßenbahn mit  Wasserfontänen in den Farben der fünf Freiburger Straßenbahnlinien.

Martin Horn betonte den hohen Stellenwert der Straßenbahn für Freiburg: „Die Straßenbahn ist aus Freiburg nicht mehr wegzudenken.“ Während viele andere Städte in den 1960er- und 1970er-Jahren ihre Straßenbahnen komplett stilllegten und sich ausschließlich aufs Automobil ausrichteten, habe es in Freiburg ein klares Bekenntnis zur Tram gegeben. „Die Stadt profitiert bis heute von dieser Entscheidung“, erklärte Horn. „Die Straßenbahnen leisten einen zentralen Beitrag für nachhaltige Mobilität in Freiburg. Ein großes Danke an alle Menschen, die das möglich machen.“

VAG-Vorstand Oliver Benz verwies auf die technische Entwicklung: „Wenn man die ersten Hobel mit den heutigen Fahrzeugen vergleicht, sieht man, wie stark sich der Stadtbahnverkehr verändert hat. Die Bahnen sind ruhiger, moderner, deutlich länger und bieten viel mehr Komfort für Fahrgäste.“

VAG-Vorstand Stephan Bartosch hob die Entwicklung des Netzes hervor: „Das Liniennetz der VAG ist seit den Anfangstagen von rund neun Kilometern auf heute mehr als 40 Kilometer angewachsen. Dieses Wachstum zeigt, wie wichtig die Straßenbahn für die Mobilität in Freiburg ist.“

Vergangenheit und Zukunft

Die Fahrt verband bewusst Vergangenheit und Zukunft: eine moderne Straßenbahn auf historischen Gleisen als Symbol für 125 Jahre Stadtbahn in Freiburg. Im Rahmen der Sonderfahrt stellten die VAG-Vorstände auch das Programm für das Jubiläumsjahr vor. Ein Höhepunkt: Am letzten Septemberwochenende laden die Freunde der Freiburger Straßenbahn (FdFS) gemeinsam mit der VAG zu einem großen Straßenbahnfest auf den historischen Betriebshof in der Urachstraße ein.

Zum Start des Jubiläumsjahrs pendelte der Triebwagen 56 aus dem Jahr 1927 zwischen Europa- und Klosterplatz. Am Klosterplatz hatte der Ortsverein Günterstal einen Umtrunk für Gäste der Feierlichkeiten organisiert.

Höhepunkte des Jubiläumsjahrs: 

  • Von März bis Oktober: Verschiedene Sonderfahrten auf den Spuren der Straßenbahngeschichte im historischen Triebwagen 56 aus dem Jahr 1927 durch Freiburg. Das ganze Jahr über: Führungen auf dem Betriebshof der VAG auf der Haid unter besonderer Berücksichtigung der Straßenbahngeschichte. Die Veranstaltungen und Gewinnspiele werden unter anderem über die Sozialen Medien der VAG (Instagram, Facebook und LinkedIn) angekündigt.
  • Ab dem 5. Februar: Der Online-Shop mit Pullis, Sonderdrucken und verschiedenen Artikeln im Jubiläumsdesign und anderen VAG-Designs ist online. Der Shop ist auf der Webseite der VAG (www.vag-freiburg.de) verlinkt.
  • Großes Jubiläumsfest auf dem Betriebshof Süd in der Urachstraße am Wochenende, 26. und 27. September – ein Event der Freunde der Freiburger Straßenbahn e.V. mit Unterstützung der VAG. Mit Foodtrucks, Foto- und Fahrzeugausstellungen, Sonderfahrten, Pendelverkehren zur Innenstadt, Musik, etc.
  • Auf dem VAG-Blog und auf den Social-Media-Kanälen berichtet die VAG über verschiedene Aspekte der Stadtbahngeschichte
  • Über das gesamte Jahr: Verschiedene Überraschungsaktionen für Fahrgäste im regulären Linienverkehr.
  • Virtuelle Betriebsführung: Auf der Webseite der VAG soll eine interaktive Karte aufbereitet werden, auf der die verschiedenen Abteilungen vorgestellt werden.
  • Die VAG nimmt ihre historische Verantwortung wahr und recherchiert umfassend über die Historie der damaligen städtischen Verkehrsbetriebe in der Nazizeit. Die Ergebnisse dieser Aufarbeitung präsentiert die VAG voraussichtlich im Laufe des Sommers.

12,5 Geschichten zu 125 Jahre Straßenbahn in Freiburg

  1. Strom und Straßenbahn kommen gleichzeitig
    Am 8. Mai 1899 beschloss der Stadtrat nicht nur, eine „zentrale Licht- und Kraftanlage“ zu bauen, sondern auch die Straßenbahn einzuführen. Freiburg bekam damit gleich zwei moderne Errungenschaften auf einmal: elektrisches Licht und elektrischen Schienenverkehr. Architektonisch lässt sich dieser Zusammenhang noch heute erkennen: Der historische Betriebshof in der Urachstraße und das E-Werk in der Eschholzstraße ähneln sich im Bau unverkennbar.
  2. Holzschlitten auf Rädern
    Die ersten Wagen sahen aus wie riesige Holzkisten und hießen schnell „Hobel“. Der Spitzname kommt nicht von den Fahrgästen, sondern vom Material – fast alles außer dem Fahrgestell bestand damals aus Holz. Manch Freiburger nennt die modernen Straßenbahnen auch heute noch „Hobel“.
  3. Cabrios für die Bürger*innen
    Zur Eröffnung 1901 setzte man auf Komfort – drei offene Beiwagen, die Sommer-Cabrios der Straßenbahn, fuhren Richtung Günterstal. Die Damen genossen frischen Fahrtwind, die Herren die Aufmerksamkeit. Aber schon 1918 war Schluss mit dem offenen Fahrspaß.
  4. Schienen durchs Stadttor
    Lange konnten die Straßenbahnen das Schwabentor nur einseitig durchfahren. Die auswärts fahrenden Wagen mussten einen Umweg machen. Freiburg hat mit dem Schwaben- und Martinstor zwei von vier Stadttoren Deutschlands, die tatsächlich von einer Straßenbahn passiert werden. Auch in Karlsruhe fahren Straßenbahnen durchs Stadttor – das Durlacher Tor.
  5. Strecke nach Günterstal wächst
    Ende der 1980er verlängerte die VAG die Strecke in Günterstal vom Klosterplatz zur Dorfstraße. So wurde die Linie 21 Richtung Schauinslandbahn besser angebunden. Auch das historische Wartehaus von 1901 zog um und steht heute an der neuen Endhaltestelle.
  6. Barrierefreiheit auf Schienen
    Seit Februar 2025 fahren alle Stadtbahnen mit mindestens einem barrierefreien Zugang. Während Freiburg so einen modernen Standard erreicht hat, müssen Fahrgäste in vielen anderen Städten noch bis in die 2030er Jahre auf einen ebenerdigen Zustieg warten.
  7. Sicher über die Gleise
    Schon vor der ersten Fahrt am 14. Oktober 1901 warnte eine Zeitung die Bevölkerung: „Beim Überqueren der Gleise immer auf die heranfahrende Bahn achten.“ Damals ein überlebenswichtiger Hinweis, heute eine Selbstverständlichkeit.
  8. Farbe bringt Orientierung
    1921 bekamen die Linien 1 bis 6 feste Farben. Nach einigen Jahren ohne Zuordnung blieben Grün und Blau bis heute den Linien 2 und 5 treu – ein kleiner, beständiger Farbtupfer in der langen Geschichte.
  9. Trotz Krieg auf den Schienen
    Im Zweiten Weltkrieg strich man aus Energiespargründen viele Haltestellen, etwa zwischen Siegesdenkmal und Klosterplatz. Viele Straßenbahnen wurden während des verheerenden Bombenangriffs am 27. November zerstört. Vollständig zum Erliegen kam der Stadtbahnverkehr allerdings nur vom 15. April bis 25. Mai 1945. 1950 fuhren alle Bus- und Straßenbahnlinien wieder uneingeschränkt.
  10. Sputnik auf Rädern
    Die GT4-Wagen waren anfangs eine Sensation: Gelenke, elektronische Türen und ein fester Schaffnerplatz. Wegen ihres futuristischen Designs nannten die Fahrgäste den Fahrzeugtyp aus dem Jahr 1959 nach dem berühmten Satelliten „Sputnik“ – der Name blieb populärer als die offizielle Typenbezeichnung.
  11. Kleine technische Revolution
    Die späteren GT8 „Typ Freiburg“-Stadtbahnwagen brachten die Kapazität von zwei Gelenkbussen in ein Fahrzeug. Die mittleren Drehgestelle kamen unter das mittlere Segment – eine ungewöhnliche Lösung. Modernen Niederflurwagen diente dies als Vorbild.
  12. Generalverkehrsplan sichert Zukunft
    1969 beschloss der Stadtrat den Ausbau zur Stadtbahn. Ohne diesen Schritt wäre die Straßenbahn stillgelegt worden. Heute verbindet sie fünf Linien mit 20 von 28 Stadtteilen und zeigt, wie historische Infrastruktur und moderne Mobilität zusammenpassen.

12,5.  Grün, Gras und Gleise
Die meisten Strecken in Freiburg verlaufen auf einem eigenen Gleiskörper, oft als Rasengleis. Vorrangschaltungen an Kreuzungen sorgen für schnelle Fahrten. Freiburgs Straßenbahn verbindet so Geschichte, Komfort und Effizienz. Und so hoch wie in Freiburg ist der Rasengleisanteil in keiner weiteren Stadt in Deutschland.

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