Region der Lebensretter: Qualifizierte Ersthelfer per Smartphone-App alarmieren

Mit dem offiziellen Startschuss der „Region der Lebensretter“ ist im westlichen Mittelfranken ein neues Kapitel in der Notfallversorgung der Bevölkerung eingeläutet worden. Ab sofort können über die App qualifizierte Ersthelfer alarmiert werden, die einem Patienten mit Herzstillstand am nächsten sind. „Das Projekt ist ein Meilenstein im rettungsdienstlichen Geschehen – ein Vorhaben, das sehr vielen Menschen helfen kann, das aber auch auf die Unterstützung durch viele Menschen angewiesen ist“, betonte Landrat Dr. Jürgen Ludwig beim Auftakt. Initiiert wurde das Projekt vom Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung Ansbach, dessen Vorsitzender Dr. Ludwig ist und dem die Landkreise Ansbach und Neustadt/Aisch-Bad Windsheim sowie die Stadt Ansbach angehören.

Ziel sei es, Leben zu retten, wo jede Minute zählt, führte der Landrat aus: „Menschen in Not sind darauf angewiesen, dass der Rettungsdienst zur Hilfe eilt. Doch gerade bei Herzinfarkten überleben bislang nur rund zehn Prozent der Betroffenen. Genau hier setzen wir an.“ Das System sei vernetzt, lernfähig und offen für neue Entwicklungen, es beinhalte beispielsweise auch ein Verzeichnis von öffentlich verfügbaren Defibrillatoren. „Ich bin unglaublich dankbar, dass das Ganze auf so fruchtbaren Boden fällt. Über 400 Freiwillige haben sich bereits registriert und lassen sich rund um die Uhr alarmieren. Das zeigt, dass unsere Bevölkerung bereit ist, Verantwortung zu übernehmen“, so Dr. Ludwig.

Herzstück des Projekts ist eine digitale Alarmierungsplattform. Wer als Ersthelfer den Einsatz annimmt, wird über die App direkt an den Einsatzort geführt. Anhand des ausgewählten Verkehrsmittels berechnet die App auch die voraussichtliche Eintreffzeit und weist den alarmierten Helfern Aufgaben zu, etwa Herzdruckmassage, Defibrillator Holen oder Bereitstehen für den bald eintreffenden Rettungsdienst.

Wie Dr. Judith Joos, Geschäftsführerin des Vereins „Region der Lebensretter“ mit Sitz in Freiburg, erklärte, wurde das Konzept dort 2017 gestartet. Die durchschnittliche Eintreffzeit der Ersthelfer betrage nur etwas mehr als drei Minuten. Mittlerweile sind deutschlandweit rund 45.000 Freiwillige Teil des Netzwerks, das sich von Baden-Württemberg und Bayern aus weiter ausbreitet.

Auch aus Sicht der Integrierten Leitstelle ist das Projekt ein wichtiger Fortschritt. Stellvertretender Leiter Markus Seegert sprach von einer „großen Herausforderung angesichts des weitläufigen Einsatzgebiets vom Steigerwald bis zum Hesselberg“. Allein auf den Rettungswagen zu warten, reiche nicht aus. Wichtig seien deshalb auch die telefonische Anleitung von Anrufern zur Reanimation und die Einbindung der Feuerwehren in die Erstmaßnahmen. „Die App ist der perfekte Lückenschluss zwischen Laien und Profis. Je mehr Menschen sich registrieren, desto besser funktioniert das System“, appellierte Seegert.

Auch die Politik unterstützt das Vorhaben geschlossen. Ansbachs Oberbürgermeister Thomas Deffner nannte den Beitritt des Zweckverbands eine „klasse Sache“. Er betonte, wie wichtig es sei, die Hemmschwelle zur Ersten Hilfe in der Bevölkerung abzubauen. „Jeder kann helfen – darauf muss es hinauslaufen.“ Dr. Christian von Dobschütz, Landrat des Landkreises Neustadt/Aisch-Bad Windsheim, erinnerte daran, dass der Impuls zur Teilnahme bereits 2024 aus dem Neustädter Stadtrat kam. „Jetzt gilt es, aktiv Werbung zu machen – etwa bei den Feuerwehren.“ Er regte an, künftig auch Rufbusse mit Defibrillatoren auszustatten: „So hätten wir nicht nur stationäre, sondern auch mobile Lebensretter im Einsatz.“

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