150 Jahre Adventisten in Deutschland: Der Deutsche Verein für Gesundheitspflege e.V. (DVG)

 

Der DVG fördert die Gesundheit auf Basis eines ganzheitlichen Menschenbildes.

Im Juli 1899 beschloss die Konferenz der deutschen Adventisten die Gründung einer Missions- und Industrieschule und eines Sanatoriums, da „das völlige Evangelium die Gesundheit des Leibes sowie auch des Geistes in sich fasst“. Im September wurde mit der so genannten „Klappermühle“ ein Grundstück von 139 Morgen (knapp 35 Hektar) erworben und auf Antrag in „Friedensau“ umbenannt (siehe APD-Meldung vom 24. April). Als rechtliche Grundlage wurde ein Verein gegründet, der im April 1900 beim Königlichen Amtsgericht Loburg unter dem Namen „Deutscher Verein für Gesundheitspflege e.V. zu Friedensau, Kreis Jerichow 1“ (DVG) angemeldet wurde.

Ein ganzheitlich ausgerichtetes adventistisches Zentrum

Der Name des Vereins sollte einen klaren inhaltlichen Hintergrund verdeutlichen. Mit dem Beginn der Missionsschule wurde u.a. eine Nährmittelfabrik errichtet, die den Schülern die Möglichkeit gab, einer bezahlten Arbeit nachzugehen. Mit dem Bau des Sanatoriums wurde auch eine Krankenpflegeschule eingerichtet, in der junge Frauen eine fundierte medizinische Ausbildung erhielten. Gleichzeitig entstand die Friedensauer Schwesternschaft, die eine eigenständige Berufstätigkeit ermöglichte. Außerdem wurde ein Seniorenheim eröffnet und die Zeitschrift Gute Gesundheit ins Leben gerufen. Innerhalb weniger Jahre entstand ein ganzheitlich arbeitendes adventistisches Zentrum (siehe auch APD-Meldung vom 22. April).

Ortswechsel und Wachstum

Wegen der schlechten Verkehrsanbindung Friedensaus wurden die Standorte der Nährmittelfabrik und des Sanatoriums jedoch unattraktiv. 1914 zog das Nährmittelwerk nach Hamburg um und entwickelte sich später unter dem Namen „DE-VAU-GE Gesundkostwerk GmbH“ zu einem modernen Großbetrieb. Das Sanatorium wurde 1919 nach dem Kauf einer Immobilie in Berlin-Zehlendorf, dem heutigen Krankenhaus Waldfriede, aufgelöst und die Friedensauer Schwesternschaft mit der Krankenpflegeschule dem Krankenhaus Waldfriede angegliedert. Weitere Schwesternheime entstanden in Berlin, Breslau, Wiesbaden, Chemnitz, Lichtenstein/Sa. sowie das Kurhaus „Wittelsbach“ in Bad Aibling (heute Sitz eines Seniorenheims des Advent-Wohlfahrtswerks) und das Obdachlosenasyl „Friedensheim“ in Berlin. Alle Einrichtungen waren als eigenständige Vereine innerhalb des DVG organisiert.

Die Zeit der Weltkriege

Im Ersten Weltkrieg wurde Friedensau zum Lazarett, in dem auch die Friedensauer Schwestern aufopferungsvoll Dienst taten. Unter den neuen rechtlichen Möglichkeiten der Weimarer Republik versuchte die adventistische Kirchenleitung, den Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts (K.d.ö.R.) zu erlangen, was jedoch aus verschiedenen Gründen scheiterte. Im Jahre 1933 wurden die recht komplizierten Strukturen des DVG aus Furcht vor einem Verbot durch das NS-Regime in drei Teile gespalten. Das DE-VAU-GE Gesundkostwerk in Hamburg war zu diesem Zeitpunkt bereits ein eigenständiges Unternehmen. Die damalige adventistische Kirchenleitung der Siebenten-Tags-Adventisten für Mitteleuropa (Mitteleuropäische Division) beauftragte das Gesundkostwerk, „sowohl in Angelegenheiten der Gesundheitsreform als auch in Bezug auf unsere Glaubensgrundsätze an maßgebenden Stellen aufklärend zu wirken“. Weil das Gesundkostwerk aber weder finanziell noch personell in der Lage war, die „Aufklärungsarbeit für eine naturgemäße Lebensweise“ zu leisten, wurde in der Kirchenverwaltung eine eigenständige Abteilung unter dem Namen DVG gegründet, die in und mit den Gemeinden arbeiten sollte. Hier liegen die Wurzeln des heutigen DVG. Das DE-VAU-GE Gesundkostwerk Deutschland GmbH ist seit 1976 in Lüneburg ansässig und inzwischen ein kirchenunabhängiges, selbstständiges Unternehmen.

Einschränkungen in der DDR

Die Nachkriegsjahre und die Teilung Deutschlands brachten neue Herausforderungen. Da der Deutsche Verein für Gesundheitspflege e.V. beim Amtsgericht Loburg eingetragen war, konnte er nur für die sowjetische Besatzungszone zuständig sein. Um auch in der DDR rechtlich unabhängig zu bleiben, wurde der DVG in die „Anstalten der Gemeinschaft der Siebenten-Tags-Adventisten in der DDR“ überführt. Die Einschränkungen in der Diktatur der DDR machten die Missions- und Gesundheitsarbeit nicht einfach, aber die adventistischen Kirchengemeinden fanden immer wieder Wege, diesem Auftrag gerecht zu werden. Sehr aktiv war auch die Friedensauer Schwesternschaft. Über die jeweiligen Bezirksschwesternschaften bestand eine enge Verbindung zu den regionalen Kirchenleitungen (Vereinigungen) der Adventisten.

Erfolgreiche Programme in der BRD und nach der Wiedervereinigung

In der BRD nahm der DVG ab 1953 seine Arbeit wieder auf und wurde 1967 in das Vereinsregister beim Amtsgericht Darmstadt eingetragen. Es wurden Tagungen und Arbeitskreise organisiert, die sich mit den Problembereichen Alkoholkonsum, Drogenkonsum, Ernährung und Rauchen befassten. 1966 startete der DVG den sogenannten „5-Tage-Plan“, der in der Bundesrepublik einen ungeahnten Erfolg hatte und über Jahre hinweg eine der wirksamsten Methoden zur Raucherentwöhnung war. 1969 fand der erste Internationale Ärztekongress der Adventisten statt, der sich als wiederkehrende Veranstaltung etablierte und ab 1997 zum DVG-Gesundheitskongress wurde, der zuletzt 2024 stattfand. 1970 entstand die anspruchsvolle Ausbildung zum DVG-Gesundheitsberater, die bis heute ganzheitliche Gesundheitsförderung auf biblischer und aktueller wissenschaftlicher Grundlage zum Inhalt hat. 1984 wurde die erste DVG-Regionalgruppe gegründet, der vor allem nach der Wiedervereinigung Deutschlands zahlreiche Neugründungen folgten. 1988 wurde die DVG-Zentralstelle in Ostfildern bei Stuttgart gegründet. Anfang 2026 zog sie nach Darmstadt um und befindet sich auf dem Campus des adventistischen Schulzentrums Marienhöhe. 2006 startete an vielen Orten in Deutschland, Österreich und der Schweiz die Vortragsreihe „Gesundheit ganzheitlich – 12 Gebrauchsanleitungen für ein glücklicheres Leben“ mit über 66.000 Gästen.

Die Grundlage der Arbeit des DVG

Die zwölf Grundprinzipien der ganzheitlichen Gesundheit – Wasser, Optimismus, Beziehungen, Ernährung, Ruhe, Integrität, Bewegung, Vertrauen, Sonne, Luft, Mäßigkeit, Prioritäten – bilden die Grundlage der DVG-Arbeit auf allen Ebenen (näheres dazu unter https://dvg-online.de/der-dvg/ganzheitliche-gesundheit/). Seminare, Publikationen, Ausbildungen, Gesundheits-Expos u.a. nehmen immer den ganzen Menschen in den Fokus und wollen helfen, das Verhalten, aber auch die Verhältnisse, zu verbessern. Die aktive Mitgliedschaft in Verbänden wie beispielsweise dem Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband, bestärkt das Leitwort: „Adventisten sind positive Menschen und Hoffnungsträger, auch in schwerer Zeit.“ In diesem Sinne ist der DVG seit 125 Jahren ein wichtiger Hoffnungsträger. Weitere Informationen über die Arbeit des DVG gibt es unter www.dvg-online.de.

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