PAPILLONS feiern bewegende Premiere mit „heim-kehr“

Mit ihrer neuen Inszenierung "heim-kehr" berühren die PAPILLONS ihr Publikum auf eindrucksvolle Weise. Rund 80 Gäste erlebten am 18. Juni 2026 im Pflegewohnheim "Am Kreuzberg" eine Premiere zwischen Erinnerungen, Kindheit und Gegenwart – und feierten anschließend nicht nur das neue Stück, sondern auch zehn Jahre außergewöhnliche Theaterarbeit.

Eine Stille, die bewegt

heim-kehr beginnt ungewöhnlich: Elf alte Menschen sitzen regungslos auf der Bühne, schweigend auf ihren Stühlen. Vier Kinder stehen am Rand. Eine lange Sequenz in völliger Stille eröffnet die Inszenierung – ein Moment, der viele Zuschauerinnen und Zuschauer tief berührt und manche herausfordert. Denn Stille kann mitunter lauter sein als jedes gesprochene Wort.

„Ich will nach Hause.“ Diesen Satz sagen Menschen, die mit Demenz leben, häufig. Er steht für die Sehnsucht nach Geborgenheit, Sicherheit und Vertrautheit. „Die Kindheit rückt im Alter näher“, erklärt die künstlerische Leiterin Christine Vogt. Die Kinder schließen einen halbrunden, transparenten Vorhang und verwandeln die Bühne in ein Erinnerungshaus, auf dessen Oberfläche Bilder und Geschichten der Vergangenheit sichtbar werden.

Erinnerungen zwischen Schutz und Überleben

Das Publikum taucht in die Kindheitswelten der Akteur*innen ein. Persönliche Erinnerungsstücke wie der Hund Blacky, eine Lieblingsdecke, die ältere Schwester oder ein vertrautes Lied werden lebendig. Gleichzeitig finden auch schmerzhafte Erfahrungen ihren Platz – Flucht, Krieg und das Überleben während des Fliegeralarms.
Berührende Scherenschnitte der Kinder, eingespielte Tonspuren und die Livemusik von Annika Hein am Akkordeon verdichten diese Erinnerungsbilder zu einer atmosphärischen Collage.
Schauspieler Michael Hanemann und Akteurin Ursula Krupp ergänzen die Inszenierung mit Gedichten über Natur und Kindheit in den 1940er- und 1950er Jahren. Besonders eindrucksvoll wirken die Texte der verstorbenen Mitbewohnerin sowie renommierten Malerin und Dichterin Aldona Gustas:

Wo Märchen in Flüssen münden, dunkelt von Erinnerungen umzäunt mein Elternhaus.

Lebensfreude trotz schwerer Erinnerungen

Wer angesichts der Themen Krieg und Verlust eine bedrückende Aufführung erwartet, wird überrascht. Auf der Bühne stehen Gemeinschaft, Lebensfreude und Leichtigkeit im Mittelpunkt. Kinder und alte Menschen tanzen und singen gemeinsam, fröhliche Musik erklingt und Seifenblasen schweben durch den Raum.
Erst der Ruf zum Abendessen beendet die Reise in die Vergangenheit und holt die Akteur*innen zurück in ihre Gegenwart – in ihr letztes Zuhause, das Pflegewohnheim „Am Kreuzberg“.

Eine Premiere, die Diskussionen auslöst

Bei der anschließenden Premierenfeier wurde intensiv über das Erlebte gesprochen. Die Inszenierung wurde durchaus kontrovers diskutiert. Einige Gäste empfanden den Vorhang als trennendes Element.

„Ich möchte die Akteur*innen sehen, in ihr Erleben eintauchen und beobachten, wie sich Erinnerungen in ihren Gesichtern spiegeln“, formulierte ein Besucher seine Eindrücke.

Andere wiederum zeigten sich begeistert von Bühnenbild und Erzählweise. Dr. Sinja Meyer-Rötz, Pflegebeauftragte des Berliner Senats, besuchte die PAPILLONS erstmals und sagte: „Als Pflegebeauftragte stehe ich täglich in engem Kontakt mit Pflegebedürftigen und Angehörigen. Ich höre viele traurige und bedrückende Geschichten. Danke, liebe PAPILLONS, dass Sie uns mit einer solchen Leichtigkeit in Ihre Welt mitnehmen. Die Bilder dieses Abends nehme ich dankbar mit.“

Auch Schauspieler Christofer von Beau zeigte sich tief bewegt. Vor dem Besuch habe er Berührungsängste gehabt: „Ein Pflegewohnheim zu betreten bedeutet auch, in meine eigene Zukunft zu schauen. Will ich das?“ Nach der Aufführung überwog jedoch die Begeisterung: „Es ist großartig, was das Ensemble gemeinsam mit den Kindern leistet. Danke.“

Ehrung für Engagement und zehn Jahre PAPILLONS

Emotional wurde es auch bei den Grußworten von Lilith Langner, Vorständin der Stiftung Unionhilfswerk Berlin. Sie dankte dem Ensemble mit den Worten: „Ihr erlebter Schutz oder Ihre erfahrene Rettung in Grenzsituationen kann uns heute Mut machen.“ Zugleich überraschte sie das Publikum mit zwei besonderen Ehrungen. Claudia Blaich, die seit der Gründung der PAPILLONS vor zehn Jahren ehrenamtlich engagiert ist, erhielt für ihren langjährigen Einsatz die Verdienstmedaille in Bronze, überreicht vom Stiftungsratsvorsitzenden Dr. Georgi.

Anlässlich des Jubiläums übergab Lilith Langner außerdem einen liebevoll gestalteten Geburtstagkuchen aus der Patisserie der USE gGmbH sowie eine Karte mit allen Inszenierungen der vergangenen zehn Jahre. Bereits dieser Rückblick macht deutlich, mit wie viel Leidenschaft, Kreativität und Engagement Christine Vogt und die PAPILLONS in den vergangenen Jahren ein außergewöhnliches Theaterprojekt geschaffen haben.

heim-kehr ist weit mehr als eine Theaterinszenierung – es ist eine Einladung, Erinnerungen zu teilen, Generationen zu verbinden und dem Alter mit Offenheit, Würde und Menschlichkeit zu begegnen.

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