Kirgisistan: Fünf Reformadventisten in Untersuchungshaft

Dabei handelt es ich um drei Männer und zwei Frauen. Sie werden wegen „Herstellung und Verbreitung extremistischer Materialien“ strafrechtlich verfolgt, berichtet die norwegische Menschenrechtsorganisation „Forum 18“ in Oslo.

Reformadventisten verboten, Pastor ausgewiesen

Die Glaubensgemeinschaft wurde von einem Gericht bereits im März 2025 in Kirgistan landesweit verboten. Der Leiter der „Wahren und Freien Reformadventisten“, Pastor Pavel Shreider, kam im November 2024 für neun Monate in ein Untersuchungsgefängnis. Er wurde am 10. Juli 2025 „wegen Anstiftung zur rassistischen, ethnischen, nationalen, religiösen oder regionalen Feindseligkeit“ zu drei Jahren Haft verurteilt. Der Richter ordnete die Abschiebung nach seiner Haftentlassung an. Am 25. März 2026 wurde Shreider aus der Haft entlassen, nachdem der Oberste Gerichtshof den Rest seiner Gefängnisstrafe in eine Geldstrafe in Höhe von drei Monatsgehältern umgewandelt hatte. Die Anordnung zur Abschiebung blieb bestehen.

Am 9. April 2026 wurde der 66-Jährige von der Geheimpolizei des kirgisischen Nationalen Sicherheitskomitees (NSC) an die Landesgrenze gebracht und nach Russland ausgewiesen. Shreider wurde in Kirgisistan geboren, besitzt aber die russische Staatsbürgerschaft. Pastor Shreiders Ehefrau Nelya war nicht zur Abschiebung verurteilt worden, verließ das Land aber am selben Tag (siehe auch APD-Meldung vom 4. Juni).

Laut „Forum 18“ könne der behördliche Umgang mit den Reformadventisten in Kirgisistan einen „besorgniserregenden Präzedenzfall“ schaffen. Denn die Polizei führt auch Untersuchungen gegen andere Mitglieder der Glaubensgemeinschaft durch.

Keine Zusammenarbeit mit dem Staat

Die Glaubensgemeinschaft der „Wahren und Freien Reformadventisten“ entstand in der Sowjetunion. Sie lehnt jegliche Zusammenarbeit mit der Regierung, wie Registrierung durch den Staat und Militärdienst, strikt ab. Mitbegründer war 1929 Wladimir Shelkov (1895–1980), der insgesamt 25 Jahre seines Lebens in sowjetischen Gefängnissen verbrachte und während der Haft in Tabaga bei Jakutsk in Nordostsibirien starb. Der Menschenrechtler Andrei Sakharov (1921–1989) zählte ihn zu den „größten christlichen Humanisten unseres Jahrhunderts“. Weitere Informationen zu den „Reformadventisten“ siehe in der APD-Meldung vom 21. Juli 2025.

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