Wenn der Funken überspringt: Lina Hain hat im Metallbau Passion und Erfolg gefunden

In manchen Berufen sind Frauen im Handwerk fest etabliert. In anderen weiterhin eher die Ausnahme. Zum Beispiel im Metallbau. Eine hat sich in die Männerdomäne gewagt: Lina Hain. Und das nicht irgendwie, sondern mit Nachdruck. Ihre Meisterprüfung legte die 23-Jährige aus Rödersheim-Gronau vor der Handwerkskammer Mannheim Rhein-Neckar-Odenwald mit Bravour ab. Sie war Gewerksbeste unter den 17 Absolventinnen und Absolventen ihres Jahrgangs – darunter nur zwei Frauen.

Leistung macht Mut

Der Weg ins Handwerk war für Lina Hain eine persönliche Kehrtwende: „In den letzten Jahren meiner Schulzeit waren meine Noten nicht wirklich gut, was irgendwann sehr demotivierend war“, berichtet sie. „Als ich mich dann für die Ausbildung zur Metallbauerin entschieden hatte, habe ich bereits nach kurzer Zeit festgestellt, dass ich in diesem Beruf sehr gut bin. Das hat mich nach den vielen demotivierenden Schuljahren wieder sehr motiviert und mir viel Selbstbewusstsein gegeben.“ Die Erfahrung, im Handwerk Stärken entfalten zu können, sei für sie entscheidend gewesen, anschließend die Meisterqualifikation zu erwerben.

Mit Interesse gelingt alles

Gerade jungen Frauen möchte Hain vermitteln, dass technische Handwerksberufe keine Geschlechterfrage sind. Wer sich für praktische Arbeit interessiert, könne hier eine solide und zugleich vielfältige berufliche Perspektive finden. „Wenn du Freude daran hast anzupacken, kein Problem damit hast, auch mal dreckig zu werden und Abwechslung magst, dann bist du im Handwerk genau richtig“, sagt sie. Dass sie in ihrer Meisterklasse eine von nur zwei Frauen war, beschreibt sie als besondere Situation, aber nicht als Hinderungsgrund: Entscheidend seien einzig Interesse und Leistungsbereitschaft.

Ein Vorbild für andere

Aus Sicht der Handwerkskammer Mannheim Rhein-Neckar-Odenwald ist das Engagement von Frauen im Handwerk, wie es der Weg von Lina Hain zeigt, von großer Bedeutung. „Frauen sind für das Handwerk im Kammergebiet eine wichtige Zielgruppe – sowohl in der Ausbildung als auch auf der Ebene der Meisterqualifikation“, betont Alexander Dirks, Leiter des Geschäftsbereichs Meisterprüfung. „Gerade in technischen Gewerken wie dem Metallbau ist der Frauenanteil noch gering. Wenn Frauen hier den Meistertitel erlangen, übernehmen sie eine Vorbildrolle und zeigen nachfolgenden Generationen, welche Möglichkeiten das Handwerk bietet.“ Die Kammer beobachtet, dass sich immer mehr junge Frauen auch für traditionell männlich geprägte Berufe interessieren, und unterstützt diesen Trend durch Beratung und Information.

Als Meisterin selbst ausbilden

Für Hain selbst steht die Arbeit mit jungen Menschen im Mittelpunkt ihrer Zukunftspläne. Mit der Meisterqualifikation hat sie die Berechtigung erworben, selbst auszubilden und Fachkräfte von morgen zu qualifizieren. „Ich habe beruflich mehr Möglichkeiten in der Zukunft und bin durch den Meistertitel natürlich auch finanziell besser aufgestellt“, sagt sie. „In Zukunft würde ich meinen Meistertitel gerne nutzen, um junge Menschen auszubilden und ihnen das Handwerk näherzubringen.“ Der Meistertitel eröffne zusätzlich die Option, später einen eigenen Betrieb zu führen oder verantwortliche Positionen im Unternehmen zu übernehmen.

Am Ende belohnt der Meisterbrief

Die Vereinbarkeit von Beruf, Weiterbildung und Privatleben sieht Hain als Herausforderung, aber nicht als unüberwindbares Hindernis – auch das sei eine Botschaft, die gerade für junge Frauen wichtig sei. Während der Meistervorbereitung arbeitete sie weiter im Beruf. „Wenn Freunde, Familie und der Betrieb mitziehen und einen unterstützen, ist es ein weniger großes Problem, alles unter einen Hut zu bekommen“, sagt sie. Die Freizeit sei zwar eingeschränkt, entscheidend seien jedoch Durchhaltevermögen und Disziplin. Das Bewusstsein, dass die Mehrbelastung zeitlich begrenzt ist und neue Perspektiven eröffnet, helfe beim Durchhalten.

Sehen, was man geschaffen hat

Im Arbeitsalltag schätzt Lina Hain besonders die Mischung aus körperlicher Tätigkeit und sichtbaren Ergebnissen. „An meinem Beruf schätze ich am meisten die Abwechslung im Alltag und dass man am Ende des Tages eindeutig sieht, was man mit seinen Händen geschaffen hat“, sagt sie. Positiv hebt sie den Zusammenhalt in der Meisterklasse hervor: Man habe sich gegenseitig unterstützt und gemeinsam auf die Prüfungen hingearbeitet. Das zeige, dass die Meisterfortbildung nicht nur eine fachliche, sondern auch eine soziale Komponente hat.

Mit ihrem Werdegang steht Lina Hain exemplarisch für Frauen, die im Handwerk Talent und berufliche Erfüllung gefunden haben. Sie macht deutlich, dass gerade technische Gewerke auch für Mädchen und junge Frauen attraktive Perspektiven bieten – von der Ausbildung über den Meistertitel bis hin zu eigenen Führungs- und Ausbildungsaufgaben.

Informationen zur Ausbildung im Handwerk bietet die Kammer auf www.handwerk-das-isses.de. Fragen zur Weiterbildung zum Meister beantwortet der Geschäftsbereich Meisterprüfung, E-Mail: meisterpruefung@hwk-mannheim.de.

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