Der zunächst noch als Einbaum bezeichnete Teil eines Holzstamms aus einer mehr als 200-jährigen Eiche konnte nach der Bergung inzwischen in der Archäologischen Staatssammlung München aufwändig konserviert werden und soll nach der Entnahme aus dem Konservierungsbad dort im Museum im Original für die Öffentlichkeit ausgestellt werden.
Begleitende holzanatomische Analysen durch das Labor der Denkmalpflege in Thierhaupten bei Augsburg und das Pfahlbaumuseum Unteruhldingen am Bodensee zeigten, dass das Fragment wohl ehemals zu einem größeren Boot von mindestens 10 Meter Länge, mit einem Durchmesser von etwa 11o cm und einer Bordwandhöhe von mindestens 40-50 cm gehört haben müsste. Der Heckbereich fehlt. Eine Maulartige Öffnung am Bug, eine rechteckige Öffnung am Bootsboden und sogenannte Sacklöcher in der erhalten gebliebenen Bordwand deuteten auf eine seitliche Ansetzung langer Bretter zu Erhöhung des Freibords hin. Solche Konstruktionen sind archäologisch von ähnlichen Schiffen aus Italien oder von der Nordsee bei Dover in Großbritannien bekannt. Einfachere Einbaum-Boote konnten am Federsee und am Bodensee als Fortbewegungsmittel der Stein- und Bronzezeit bereits in größerer Zahl ausgegraben werden. Sie unterscheiden sich jedoch durch eine einfachere Bauart und Form von diesem besonderen Stück und waren wohl nur im Uferbereich einsetzbar.
Im Forschungsinstitut am Pfahlbaumuseum Unteruhldingen entstand unter der Heranziehung von ethnologischen und archäologischen Vergleichsbeispielen sowie weiteren Hinweisen zu konstruktiven Elementen aus Pfahlbausiedlungen ein erster Rekonstruktionsvorschlag für einen experimentellen Nachbau. Beteiligt waren Spezialisten der Universitäten Wien, München, Tübingen im Fachbereich Ur- und Frühgeschichte und die Vereinigung EXAR Experimentelle Archäologie in Europa.
Das Schiff Bayerns soll in einem ersten Versuch als Piroge rekonstruiert werden. Ein in der ganzen Welt bekannter Schiffstyp bei dem die Seitenwände eines Kieles durch einfache Planken erhöht werden, um das Wasserfahrzeug seetüchtiger zu machen. Versuche mit einfachen Einbäumen auf langen Strecken den Bodensee bei Wellengang zu überqueren scheiterten bislang in allen Fällen aufgrund des geringen Freibords kläglich. Ob das Uhldinger Experiment eines Nachbaus des Bronzezeitschiffs glücken und ob der Kahn auch bei Wind und Wetter einsetzbar sein wird, werden die experimentellen Rekonstruktionen nach Abschluss zeigen – so Museumsdirektor Prof. Dr. Gunter Schöbel von der Universität Tübingen. Teilfinanziert wird das Projekt aus Mitteln des UNESCO Welterbefonds Baden-Württemberg.
Die erste Experimentierwoche unter Publikumsbeteiligung zum Zuschauen, inklusiv einer Erklär- und Mitmachstation für Kinder, findet vom 10. – zum 14. August 2026 am Ufer des Pfahlbaumuseums am Bodensee statt. Eine erste Wasserung und Ausfahrt sind nach Abschluss des Projektes für Sommer 2027 vorgesehen.
02.08.2026 Pfahlbaumuseum/G. Schöbel
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