Yan Chmarau arbeitet mit Video, Fotografie, Skulptur, Installation und internetbasierten Plattformen und sammelt gefundenes Material von verlassenen Social-Media-Profilen, Secondhand-Plattformen, Verwertungs- und Ersatzteilangeboten sowie Dinge, die im öffentlichen Raum zurückgelassen wurden. Ihn interessiert Material, das bereits aufgeladen und ambivalent ist; er bringt es in unerwartete Zusammenhänge, um sichtbar zu machen, was darin bislang latent geblieben war. Seine Arbeiten untersuchen, wie alltägliche, intime und widersprüchliche Fragmente des Lebens im Lauf der Zeit neue Bedeutungen und Eigenschaften annehmen, die von denjenigen, die sie hervorgebracht haben, ursprünglich nicht beabsichtigt waren.
Für seine Diplomarbeit Changing into Winter Tyres sammelte Yan Chmarau über mehrere Jahre hinweg Videos von verlassenen Profilen auf „Vkontakte“, dem größten russischen Netzwerk, sowie YouTube und entwickelte aus diesem Archiv einen Film. Die Arbeit beschäftigt sich mit Jugend, riskantem Verhalten, dem frühen Internet und der Idee einer „unrealized future“.
„Für mich ist der DAAD-Preis natürlich eine Anerkennung meiner Arbeit. Ich glaube, jeder Künstler und jede Künstlerin erlebt Phasen, in denen man an sich selbst und an der eigenen Arbeit zweifelt. Gerade in solchen Momenten kann eine solche Anerkennung sehr motivierend sein und einem das Vertrauen geben, weiterzuarbeiten. Vielen Dank für dieses Vertrauen.“ (Yan Chmarau)
Der Preis ist mit 1.000 Euro dotiert und wird vom Deutschen Akademischen Austauschdienst vergeben.
Als Gegenentwurf zur traditionellen Akademie wurde die weißensee kunsthochschule berlin 1946 gegründet. Aus der Lehre und Idee des Bauhauses hervorgehend, zeichnet sich die Hochschule durch ihr einzigartiges Profil aus: Sie bietet mehr als 800 Studierenden aus dem In- und Ausland ein einjähriges interdisziplinäres Grundlagenstudium. Den künstlerisch-gestalterischen Grundlagen folgen Diplomstudiengänge in der Freien Kunst sowie Bachelor- und Master-Studiengängen im Design. Das klassenfreie System wird flankiert von der vertiefenden, forschungsbasierten Lehre in Theorie und Geschichte. Abschließen können Studierende in den Studienrichtungen Bildhauerei, Bühnen- und Kostümbild, Malerei, Mode-Design, Produkt-Design, Textil- und Flächendesign und Visuelle Kommunikation. Komplettiert wird das Lehrangebot von den zwei weiterbildenden Masterstudiengängen Kunsttherapie und Raumstrategien.
Die Designstudiengänge arbeiten in zahlreichen überregionalen Forschungs- und Kooperationsprojekten an zukunftsweisenden und innovativen Gestaltungsprozessen und Lösungsansätzen zu den Themen Klima, Umwelt, Nachhaltigkeit, Textil, Mode, Wohnen und Mobilität. Angesichts der Optimierung unserer Lebens- und Arbeitswelt und einer radikalen Kultur des Algorithmus adressieren die Freien Künste gesellschaftliche, kulturelle und kunstimmanente Themen, produzieren widerständiges Denken und entwickeln alternative Strategien und Visionen. Durch Förderinitiativen für Alumni, dazu gehören Existenzgründung, das Atelierprogramm und Stipendien der Mart Stam Gesellschaft, eröffnet die Hochschule beste Voraussetzungen für den Übergang vom Studium in den Beruf. Sie trägt damit maßgeblich zur Stärkung des kreativen Nachwuchses bei und zur Entwicklung der Kunst- und Kulturlandschaft der Wissenschaftsstadt Berlin.
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