JK Capital Kommentar: US-Tamtam gegenüber China

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  • Ton gegenüber China verschärft sich weiter im US-Wahlkampf
  • Mit mehr Marktvolatilität ist zu rechnen

Ist Donald Trump ein Papiertiger? Das ist die wachsende Meinung in Asien, während wir Zeugen seiner täglichen Hetzrede gegen die chinesische Regierung werden, die mehr als alles andere einer Wahlstrategie ähnelt, um Joe Biden im November zu besiegen. Die wachsende Aggressivität gegenüber China, die in auffälligem Kontrast zu einer ausbleibenden Reaktion Pekings steht, lässt uns fragen, welche Maßnahmen Trump gegen China ergreifen könnte, um China so zu schaden, dass es den Forderungen Trumps nachgebe. Und was verlangt Trump von China überhaupt? Es ist alles andere als klar, abgesehen von der Reform seines politischen Systems, was offensichtliches Wunschdenken ist. 

Eine im Mai ergriffene Maßnahme zielte auf Huawei ab. Die gegen Huawei verhängten Sanktionen waren jedoch lange im Voraus angekündigt worden, sodass das Unternehmen genügend Zeit hatte, die US-Chips zu beschaffen, die es für die Herstellung von 5G-Telekommunikationsgeräten benötigt. Angesichts der Schäden, die China und die USA einander zufügen können – sollte China auf die Sanktionen gegen Huawei mit einem Verbot aller Exporte von US-Chips nach China reagieren – halten wir es für wahrscheinlich, dass eine Einigung erzielt wird, bevor Huawei die US-Lieferungen ausgehen. Die Tatsache, dass Huaweis Chiphersteller TSMC am gleichen Tag ankündigte, dass er in Arizona eine 12 Milliarden US-Dollar teure Fabrik zur Herstellung von Chips, einschließlich der höchstwahrscheinlich für Huawei bestimmten Komponenten, bauen werde, ist kein Zufall. Peking hatte monatelang damit gedroht, eine Liste „unzuverlässiger Unternehmen“ aufzustellen – also US-Firmen, die China gegebenenfalls auf eine schwarze Liste setzen könnte. Staatlich kontrollierte Zeitungen brachten bereits die Namen von Boeing, Apple, Cisco und Qualcomm in Umlauf.

Angesichts der Anfechtungen seitens der US-Regierung besteht Chinas Strategie interessanterweise darin, eine Politik der Offenheit gegenüber US-Unternehmen zu verfolgen. In der Tat werden ausländische Direktinvestitionen (ADI) der USA in China relativ systematisch genehmigt und sind mit etwa 15 Milliarden US-Dollar pro Jahr bemerkenswert stabil geblieben. Ein gutes Beispiel dafür ist Tesla, das im Oktober letzten Jahres seine 5-Milliarden-Dollar-Fabrik in Shanghai mit erheblichen finanziellen Anreizen durch die Stadtverwaltung von Shanghai eröffnete. Auf der anderen Seite sind die chinesischen ADI wenig überraschend von 46 Mrd. USD im Jahr 2017 auf 5 Mrd. USD im Jahr 2019 zusammengebrochen.

In der Hongkong-Frage, für die Peking diesen Monat beschloss, ein Gesetz zur nationalen Sicherheit zu verabschieden, war die Reaktion der Trump-Regierung ebenfalls sehr lautstark, aber ohne Substanz. Eine Bestrafung Hongkongs, wo 1.200 amerikanische Unternehmen tätig sind, und seiner 7 Millionen Einwohner, die, wenn überhaupt, mehr Opfer als Täter sind, würde Trumps eigentliches Ziel, nämlich China, verfehlen. Und ein direkter Schlag gegen China könnte für die USA nach hinten losgehen, sollte China gegen US-Interessen auf seinem Hoheitsgebiet vorgehen. Mit anderen Worten: China ist nicht Iran oder Nordkorea. China und die USA brauchen einander mehr als je zuvor. Deshalb schließen wir uns auch nicht der in diesen Tagen von den Medien verbreiteten Theorie eines neuen Kalten Krieges zwischen den beiden Ländern an.

Sollte Trump China wirklich schaden wollen, gibt es unserer Ansicht nach nur eine Möglichkeit: Ausschließung aller chinesischen Banken vom US-Dollarsystem. Dies hätte verheerende Auswirkungen auf China und die chinesische Wirtschaft. Es würde höchstwahrscheinlich eine globale Krise, wenn nicht gar einen echten Krieg auslösen. Solange die Hardliner in Washington diese „nukleare“ Option nicht einmal erwähnen, betrachten wir die anhaltende Anti-China-Rhetorik als nichts anderes als Wahlpolitik.

Mit anderen Worten: Je intensiver der US-Wahlkampf bis November wird, desto mehr Tamtam sowie Marktvolatilität erwarten wir. Nichtsdestotrotz wird der geopolitische Rahmen unseren grundlegenden Investitionsansatz weder beeinflussen, noch wird er uns von der makroökonomischen Analyse abbringen, die wir für jedes Land unseres Investitionsuniversums durchführen. Und an dieser Stelle ist die Erholung nach Corona im Gange. Die Autoverkäufe in China stiegen im April um 4,4 % gegenüber dem Vorjahr und dürften im Mai zweistellig gewachsen sein. Die Immobilienverkäufe gingen im April im Vergleich zum Vorjahr nur um 2,1 % zurück und lagen damit praktisch wieder auf dem Niveau des Vorjahres. Während des jährlichen Nationalen Volkskongresses kündigte China ein Konjunkturpaket in Höhe von 4 Milliarden RMB an, das das komplette Finanzpaket auf etwa 4 % des BIP erhöhen wird, ähnlich wie in der globalen Finanzkrise 2009. In seiner Abschlussrede machte Chinas Premierminister Li Keqiang deutlich, dass eine monetäre Förderung durch Zinssenkungen und ein beschleunigtes Kreditwachstum zu erwarten sei. Die Großbanken sind von der Zentralregierung aufgefordert, in diesem Jahr 40 % mehr Kredite an kleine und mittlere Unternehmen zu vergeben als im vergangenen Jahr.

Außerhalb Chinas wurden die Zinssätze im Mai in Korea um 25 Basispunkte (bis auf 0,50 %) und in Indien um 40 Basispunkte (bis auf 4 %) gesenkt. Wir waren überrascht von der Entscheidung der indonesischen Zentralbank, ihre Zinssätze trotz der Auswirkungen, die Corona auf die Wirtschaft hat, unverändert bei 4,5 % zu belassen. Dies war vielleicht der Grund für den starken Wiederanstieg der Rupiah. Im Mai legte die Währung gegenüber dem USD um 3,3 % zu. Damit betrug ihr Kursgewinn in den letzten zwei Monaten 10,7 %. 

Zahlenquelle: Bloomberg

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