Historischer Meilenstein für grenzüberschreitende Mobilität im Eurodistrikt

Im Rahmen eines Festaktes am 1. September 2020 weihten der Ortenaukreis, die Region Grand Est, das Departement Bas-Rhin, der Gemeindeverband Canton d’Erstein und der Eurodistrikt Strasbourg-Ortenau gemeinsam die erste öffentliche grenzüberschreitende Regionalbuslinie zwischen Erstein und Lahr ein.

Mit einer symbolischen Jungfernfahrt fuhren die politischen Vertreter in zwei Bussen von Deutschland (Rathaus Kürzell) und von Frankreich (Rathaus Gerstheim) aus zu der eigens eingerichteten Sonderhaltestelle „Rheinblick – Vue sur le Rhin“ am Rheinübergang Nonnenweier / Gerstheim. Nachdem der Eurodistrikt Strasbourg-Ortenau auf dieser Strecke seit drei Jahren einen grenzüberschreitenden Sonderlinienverkehr für Arbeitnehmer betrieben hatte, wurde dank dieser Vorbereitung mit einer nunmehr öffentlichen Linie für alle Bürgerinnen und Bürger ein großer Schritt weiter gegangen. Einstimmig unterstrichen Frank Scherer, Eurodistrikt-Vizepräsident und Landrat des Ortenaukreises, Evelyne Isinger, Delegierte für grenzüberschreitenden Transport bei der Region Grand Est, Laurence Muller-Bronn, Vizepräsidentin des Departement Bas-Rhin und Bürgermeisterin von Gerstheim, Stéphane Schaal, Präsident des Gemeindeverbands Canton d’Erstein und Markus Ibert, Oberbürgermeister der Stadt Lahr, im Rahmen der Feierlichkeiten die besondere Bedeutung dieser Einweihung:

Mit dem neuen Busangebot schließen die Projektpartner eine grenzüberschreitende ÖPNV-Lücke im Raum Erstein-Lahr, um so nicht nur den deutsch-französischen Pendlerverkehr, sondern zukünftig auch den grenzüberschreitenden Tourismus- und Freizeitverkehr in der Region zu erleichtern und zu stärken. Die Einweihung der neuen deutsch-französischen Linie ist damit krönender Abschluss und verdienter Erfolg der seit mehreren Jahren vom Eurodistrikt Strasbourg-Ortenau intensiv betriebenen Mobilitätsinitiative für eine engere und umweltgerechtere Verzahnung des grenzüberschreitenden öffentlichen Nahverkehrs auf seinem Gebiet. Zugleich ist die Buseinweihung auch der Start in eine neue Ära: Fortan als INTERREG-Projekt, getragen von der Region Grand Est, wird die neue Buslinie als Linie 280 in das Busverkehrsnetz Fluo67 der Region Grand Est integriert, gut vertaktet mit den jeweiligen nationalen Bus- und Zugnetzen. Die Fahrtenpaare wurden im Vergleich zum Sonderlinienverkehr des Eurodistrikts verdoppelt und für einen Zeitraum von zunächst zwei Jahren wird die neue Linie sechsmal täglich (Mo-Sa) auf ihrer grenzüberschreitenden Strecke zwischen dem Bahnhof Erstein und dem Bahnhof Lahr hin- und herpendeln.


Gemeinschaftlich finanziert wird das grenzüberschreitende Pilotprojekt neben der INTERREG-Förderung durch den Ortenaukreis, die Region Grand Est, das Departement Bas-Rhin und den Gemeindeverband Canton d’Erstein. Anteilig dem Streckenverlauf trägt der Ortenaukreis dabei 60 %, die Region Grand Est 28 % und das Departement Bas-Rhin sowie der Gemeindeverband Canton d’Erstein jeweils 6 % der Betriebskosten. Der Eurodistrikt ist auch im INTERREG-Projekt weiterhin Partner und übernimmt die Kommunikation.

Politische Statements der Kooperationspartner 

Frank Scherer, Landrat des Ortenaukreises und Vizepräsident des Eurodistrikts Strasbourg-Ortenau, betonte den besonderen Erfolg der neuen Busverbindung und begrüßte den deutsch-französischen Schulterschluss, mit dem das Leuchtturmprojekt zu einem erfolgreichen Abschluss gebracht wurde: „Mit der ersten öffentlichen Buslinie zwischen Lahr und Erstein setzen wir einen historischen Meilenstein für die grenzüberschreitende Mobilität im Eurodistrikt Strasbourg-Ortenau“, so Scherer erfreut. „Die vergangenen Monate haben uns schmerzhaft bewusst gemacht, dass die uneingeschränkte Mobilität über Grenzen hinweg und die Freiheit, die mit ihr für jeden Einzelnen einhergeht, unschätzbar wichtige Errungenschaften der europäischen Integration sind, die nicht selbstverständlich sind und die es deshalb zu schützen und weiterzuentwickeln gilt! Die Öffnung dieser Buslinie für die gesamte Bevölkerung des Eurodistrikts Strasbourg-Ortenau ist deshalb ein Jubel-Tag für uns“, betonte der Landrat, der sich bei allen Finanzierungspartnern und Unterstützern für den geleisteten „Kraftakt“ bedankte. Die öffentliche Buslinie sei nach der Tram-Eröffnung Strasbourg-Kehl ein wichtiger Schritt im grenzüberschreitenden öffentlichen Nahverkehr, „dem weitere folgen müssen, wenn wir es mit der Verkehrswende wirklich ernst nehmen wollen, wenn wir weiter zusammenwachsen wollen und wenn wir junge Menschen für diesen Weg begeistern wollen.“ Scherer kündigte zudem an, dass dank einer vom Verkehrsministerium Baden-Württemberg vorgesehenen Änderung des ÖPNV-Gesetzes, die künftige Aufgabenübertragung von grenzüberschreitenden Verkehren vom Ortenaukreis auf den Eurodistrikt kurz bevorstünde. „Hierfür setze ich mich schon seit Jahren ein und nachdem es dieses Anliegen sogar in den Aachener Vertrag geschafft hat, kommt jetzt Bewegung in die Sache“, freute sich Scherer.

Auch Jean Rottner, der Präsident der Region Grand Est, unterstrich die grenzüberschreitende Bedeutung des Gemeinschaftsprojekts: „Die grenzüberschreitende Mobilität ist ein essenzielles Thema für die Region Grand Est und ein wichtiger Bestandteil unserer strategischen Ausrichtung. In diesem Bereich treibende Kraft zu sein und die verschiedenen Hindernisse für die Einführung einer öffentlichen Buslinie zwischen Erstein und Lahr zu beseitigen, ist ein konkreter Ausdruck unseres Willens und unseres Engagements, das uns mit unseren deutschen Nachbarn verbindet. Unser Ziel ist, möglichst eng und nah an den Bedürfnissen der Bürger mit den französischen und deutschen Kommunalbehörden und dem Eurodistrikt zusammen zu arbeiten, um die Mobilität in einem zunehmend vernetzten europäischen Raum zu stärken.“

Frédéric Bierry, Präsident des Conseil Départemental du Bas-Rhin, pflichtete ihm bei: „Diese grenzüberschreitende Buslinie zeugt auch von dem besonderen Engagement des Elsass und des Departements Bas-Rhin, einen 360° umfassenden, grenzüberschreitenden Raum zu schaffen. Die Mobilität der Bewohner beider Rheinseiten zu erleichtern ist eine Notwendigkeit, wenn wir im Einklang mit dem Alltag unserer Mitbürger sein wollen. Daher ist es uns wichtig, unsere Mittel und Möglichkeiten zusammenzulegen, um gemeinsam ein konkretes, bürgernahes Europa zu schaffen. Mit dieser Partnerschaft stärken wir die besondere Position des Rheintals als Laborregion für eine neue Etappe in den deutsch-französischen Beziehungen und der europäischen Einigung.“  

Laurence Muller-Bronn, Vizepräsidentin des Conseil Départemental du Bas-Rhin und Bürgermeisterin von Gerstheim, betonte die Wichtigkeit dieser neuen Verbindung, die die langjährigen, täglich lokal gelebten Beziehungen über den Rhein hinweg in einzigartiger Weise stärkt: „Vor drei Jahren als Testphase eingeführt und zunächst angepasst an die Arbeitszeiten der Grenzgänger, steht die Linie nunmehr mit einer höheren und regelmäßigeren Taktung allen Bürgerinnen und Bürgern offen und wird somit noch stärker den Bedürfnissen der Einwohner des Gemeindeverbands Canton d’Erstein gerecht.“

Mit Blick auf die lokale Ebene bekräftige Stéphane Schaal, Präsident des Gemeindeverbands Canton d’Erstein: „Das ist ein wichtiger Schritt vorwärts für unsere lokale Mobilität und eine schöne Verbindung zwischen unseren beiden Bevölkerungen, so wie wir sie ebenfalls mit unserem Vis-à-Vis-Projekt, der Umweltverbundbrücke zwischen Ottenheim und Gerstheim, stärken möchten, von der auch die Buslinie Erstein-Lahr profitieren würde.“

Mit ihm überein stimmte auch sein Amtskollege, der Lahrer Oberbürgermeister Markus Ibert: „Heute ist es endlich soweit: Der Eurodistriktbus Erstein – Lahr ist zum Regelbetrieb übergegangen. Damit können Franzosen und Deutsche ab sofort bequem und sicher den Rhein überqueren und Europa konkret "erfahren". Und wir alle können uns darüber freuen, dass Lahr und Erstein aber auch Frankreich und Deutschland – gerade in Corona-Zeiten – wieder ein bisschen näher zusammenrücken. Was ich nicht unerwähnt lassen und mit einem Dank an alle Beteiligten verknüpfen will ist, dass der Freude heute großes Engagement vieler Personen und Institutionen auf beiden Rheinseiten vorausgegangen ist. Gerade europäische Projekte benötigen einen langen Atem. Gerade uns in Erstein, Lahr und Umgebung, die wir seit Jahrzehnten im Zweckverband Vis-à-vis gemeinsam auf eine neue Rheinquerung bei Ottenheim und Gerstheim hinarbeiten, ist dies mehr als klar. Ich werte den heutigen Tag als gutes Vorzeichen und hoffe, dass wir auch unser zweites großes Projekt in nicht allzu ferner Zukunft im Rahmen einer Feierlichkeit einweihen werden."  

Datenblatt: Öffentliche grenzüberschreitende Buslinie Erstein-Lahr (Linie 280)

Wesentliche Realisierungsetappen

2015:
Eine vom Eurodistrikt Strasbourg-Ortenau in Auftrag gegebene Mobilitätsstudie bewertet eine grenzüberschreitende Busverbindung Erstein-Lahr als machbar und prioritär, um das grenzüberschreitende ÖPNV-Angebot im südlichen Eurodistrikt zu verbessern.

2017:
Am 1. April 2017 führt der Eurodistrikt Strasbourg-Ortenau als Besteller und Hauptfinanzierer das Pilotprojekt „Sonderlinienverkehr für grenzüberschreitende Arbeitnehmer“ zwischen Erstein und Lahr für ein Testphase von zwei Jahren ein. Partner sind das Département du Bas-Rhin und der Gemeindeverband Canton d’Erstein mit einer finanziellen Beteiligung in Höhe von je 15% der Kosten.

Angepasst an die Schichtzeiten der großen Produktionsfirmen im Raum Erstein-Lahr werden zwei Fahrtenpaare täglich angeboten.

2018:
Der Sonderlinienverkehr wird auf drei Fahrtenpaare täglich ausgeweitet.

Zwei vom Eurodistrikt durchgeführte Umfragen (Zufriedenheitsumfrage unter den Busnutzern + Bedarfsumfrage bei den Unternehmen) ergeben ein positives Feedback und den Wunsch auf eine Ausweitung des Busangebots.

Der Eurodistrikt gibt daraufhin eine unabhängige Potentialstudie bei dem Ingenieursbüro Transport Technologie-Consult Karlsruhe GmbH (TTK) in Auftrag, die ein deutliches Potential für eine öffentliche Linie Erstein-Lahr mit höherer Taktung aufzeigt.

2019:
Verlängerung der zweijährigen Testphase um ein weiteres Jahr.

Die Region Grand Est wird ebenfalls Partner des Sonderlinienverkehrs mit einer finanziellen Beteiligung in Höhe von 15% der Kosten.

Vor dem Hintergrund der TTK-Potentialstudie einigen sich die politischen Vertreter des der Region Grand Est, des Ortenaukreises, des Departement Bas-Rhin, des Gemeindeverbands Canton d’Erstein, sowie des Eurodistriktes im Oktober auf die Einrichtung einer öffentlichen grenzüberschreitenden Buslinie zwischen Erstein und Lahr ab September 2020 sowie auf die Vorbereitung eines INTERREG-Antrags. 

2020:
Bewilligung des INTERREG-Antrags eingereicht durch die Region Grand Est.

Am 1. September 2020 wird die öffentliche grenzüberschreitende Buslinie Erstein-Lahr – die neue Linie 280 – mit einer Jungfernfahrt zum Rheinübergang Nonnenweier / Gerstheim eingeweiht.

Projektträger und -partner
Region Grand Est (Träger), Ortenaukreis, Departement du Bas-Rhin, Gemeindeverband Canton d’Erstein, Eurodistrikt Strasbourg-Ortenau, Land Baden-Württemberg (assoziierter Partner).

Projektlaufzeit
Die öffentliche Buslinie Erstein-Lahr wird für eine Testphase von zunächst zwei Jahren (01.09.2020 – 01.09.2022) eingeführt und kann zweimal um je ein weiteres Jahr verlängert werden. Das INTERREG-Projekt läuft bis Ende Juni 2023.

Finanzierung
Dreijähriges INTERREG-Projekt in Höhe von max. 1.052.131 € (davon 50% Förderung durch das Programm INTERREG V Oberrhein).

Analog des grenzüberschreitenden Streckenverlaufs (40% der Fahrstrecke auf französischem und 60% der Fahrstrecke auf deutschem Boden) erfolgt die gemeinschaftliche Finanzierung der Betriebskosten wie folgt:
– Ortenaukreis 60 %
– Region Grand Est 28 %
– Département du Bas-Rhin 6 %
– Gemeindeverband Canton d’Erstein 6 %

Fahrstrecke und Zeiten
Grenzüberschreitende Strecke zwischen dem Bahnhof Erstein und dem Bahnhof Lahr mit insg. 13 Stopps, davon 4 auf französischem und 9 auf deutschem Boden.

Sechs Fahrten täglich, Mo-Sa, ausgenommen an Tagen, die in Deutschland UND in Frankreich frei sind.

Eingliederung in das Busnetz der Region Grand Est
Im Rahmen einer öffentlichen Ausschreibung, integriert in die Ausschreibung für Busverkehre der Region Grand Est, wurde das französische Busunternehmen Josy Schwanger SAS ausgewählt, das neben der Bereitstellung des Linienverkehrs auch für die Verkaufsabwicklung, die Fahrkartenkontrollen, die Information der Fahrgäste und das Erfassen der Fahrgastzahlen zuständig sein wird.

Die neue öffentliche Linie wird fortan als Linie 280 in das Busnetz Fluo67 der Region Grand Est (Betreiber) integriert.

Tarife und Fahrkarten
Der grenzüberschreitende Bus 280 verkehrt in zwei unterschiedlichen Tarifsystemen (TGO + Fluo67).

Im Sinne einer einfach handhabbaren Regelung werden die Fahrkarten gegenseitig anerkannt, entscheidend für den jeweiligen Fahrpreis ist der Ort der Ausstellung der Fahrkarte. Das Fahrkartensystem an Bord des Busses ist technisch so ausgerüstet, dass Fahrkarten beider Tarifsysteme ausgestellt werden können.

Im Rahmen des INTERREG-Projekts wird eine Weiterentwicklung des Tarifsystems in Abhängigkeit des Bedarfes vorgesehen.

Die Bustickets sind im Bus zu erwerben.
Das Fahrkartenangebot ist vorerst auf Einzeltickets und Monatsabos begrenzt.
Ab Frankreich: Einzelticket = 2,50 € / Monatsabo = 52,50 €
Ab Deutschland: Einzelticket = 2,65 € / Monatsabo = 50,20 €

Firmenkontakt und Herausgeber der Meldung:

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