WWF-Studie: Weniger Fische durch wärmere Meere

Unsere Ozeane leiden zunehmend unter der globalen Erderhitzung und den steigenden Treibhausgasemissionen. Die Klimakrise gefährdet marine Ökosysteme und damit auch unsere Nahrungsversorgung. Eine neue WWF-Studie zeigt: Die Existenz vieler Küstenbewohner, die stark von der Fischerei abhängen, wird durch die Klimakrise bedroht. „In manchen Ländern bricht der Fischfang erheblich ein“, warnt Philipp Kanstinger, Fischereiexperte beim WWF Deutschland.

Die Studie zu den Auswirkungen der Klimakrise auf die Kleinfischerei kombiniert wissenschaftliche Klimamodelle mit sozialwissenschaftlichen Ansätzen. Sie beleuchtet vor allem die Anpassungsstrategien der Kleinfischer in Entwicklungsländern.

Je nach Spezies und Klima-Szenario werden sich laut der WWF-Studie die Fischbestände in den nächsten Jahrzehnten um mindestens 5 bis 20 Prozent verringern. „Die Erderhitzung hat erhebliche negative Folgen für den Großteil der Fischarten, die von Kleinfischern befischt werden. Dazu zählen Sardinen, Sardellen und Thunfisch. Selbst wenn die Erderhitzung auf 1,5 Grad begrenzt würde, sind die meisten der untersuchten Fischarten einem mittleren bis hohen Risiko ausgesetzt, vom Klimawandel beeinträchtigt zu werden“, berichtet Philipp Kanstinger. „Weniger Fisch bedeutet weniger Nahrung und Einkommen für die Menschen, die vom Fischfang leben. Dazu gehören vor allem die Kleinfischer, deren Fischerei die Hälfte der weltweiten Fischproduktion ausmacht.“


Am stärksten sind die Entwicklungsländer nahe dem Äquator betroffen. „Von den untersuchten Ländern wird es besonders hart die Philippinen treffen: Bei der traditionellen Thunfisch-Handleinenfischerei sind große Fangverluste zu erwarten, die sich nur schwer durch einen Wechsel auf eine andere Fischart kompensieren lassen. Verschwinden die Thunfische von der Küste des Inselstaates, mangelt es der Bevölkerung an einem wichtigen Nahrungsmittel und Einkommen“, warnt Kanstinger.

Die Fischer berichten schon jetzt von ungewöhnlich hohen Meerestemperaturen, Sturmfluten und sterbenden Korallenriffen. In allen drei Ländern waren die Fischer von rückläufigen Fangmengen betroffen, entweder aufgrund schrumpfender Fischbestände oder veränderter Fischwanderungen. Die Fische entfernen sich immer weiter von der Küste oder ziehen in tiefere Gewässer, wo sie für die Kleinfischer nicht mehr erreichbar sind.

Für eine Anpassung an die Klimakrise ist der Kleinfischereisektor noch nicht gerüstet. Der WWF hat deshalb gemeinsam mit den betroffenen Fischern spezifische Empfehlungen für ein besseres Fischereimanagement erarbeitet. Es sollte anpassungsfähiger, partizipativer, wissenschaftsbasierter und sozialer werden. Der WWF und die Fischer fordern zudem besseren Schutz vor illegaler Fischerei sowie Investitionen in die Sicherheit und Vernetzung der Fischer.

Bis 2050 wird die Weltbevölkerung weiter wachsen. Kanstinger mahnt: „Wir benötigen mehr Ressourcen als je zuvor. Dies lässt sich mit einem „Weiter wie bisher“ nicht bewältigen. Nur eine nachhaltige Bewirtschaftung der weltweiten Fischbestände sowie ein Übergang zu nachhaltiger und ressourcenschonender Aquakultur würden die Situation verbessern.“ Allerdings nur dann, wenn die Erderhitzung in Grenzen gehalten wird. „Insbesondere die entwickelten Industrieländer wie Deutschland sind in der Verantwortung, ihren CO2-Ausstoß stärker zu senken. Dazu gehört beispielsweise der schnellere Ausbau erneuerbarer Energien und die klimaneutrale Produktion in der Industrie. Wenn der CO2-Ausstoß unbegrenzt weitergeht, wird es zu einem Massensterben von Arten in den Ozeanen kommen. Viele marine Ökosysteme werden kollabieren. Bleiben wir untätig bei Fischerei und Klimakrise, werden Millionen Menschen ihre Existenz und Nahrungsgrundlage verlieren.“ 

"Es ist wichtig, dass sich Verbraucher in Europa für nachhaltigen Fisch und Meeresfrüchte entscheiden und generell weniger Fisch- und Fleischprodukte konsumieren", sagt Kanstinger. "Nur nachhaltige Fischerei und nachhaltige Aquakultur gewährleisten die Erhaltung der Ressource Fisch, die die Lebensgrundlage für 800 Millionen Menschen auf der ganzen Welt darstellt.“

Die vollständige Studie können Sie hier herunterladen.

Über Fish Forward

Das EU-kofinanzierte Fish Forward Projekt schafft Bewusstsein für nachhaltigen Fischkonsum. Fish Forward zielt auf Verhaltensänderung von Konsumenten und Unternehmen in Europa ab, die den globalen sozialen und ökologischen Herausforderungen für Meere und Menschen gerecht wird. Überfischung, illegale Fischerei und der Klimawandel betreffen vor allem Menschen in Entwicklungsländern. Sie fangen oder produzieren den Großteil des Fischs, den wir essen. Nachhaltiger Fisch unterstützt Meere und Menschen auf der ganzen Welt.

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