NRW-Initiative „Außerfamiliäre Hofnachfolge“ nimmt Arbeit auf

Zahlreiche existenz- und zukunftsfähige landwirtschaftliche Höfe werden aufgegeben, weil ein Hofnachfolger oder eine Hofnachfolgerin aus der Familie fehlt. Gleichzeitig suchen viele junge Landwirtinnen und Landwirte nach ihrer Ausbildung einen Hof, um sich eine unternehmerische Existenz aufzubauen. Doch wie kommen diese zueinander?

Ein Netzwerk aus sieben Verbänden bzw. Organisationen* der Landwirtschaft gab am Dienstag in Wiblingwerde im Sauerland auf dem Betrieb von Dominick Hannuschke und Sarah Krämer den Startschuss für eine neue Initiative für Bauernhöfe in NRW. Hubertus Beringmeier, Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes (WLV), skizzierte die Problemlage: „Einen über Generationen gewachsenen Bauernhof aufzugeben, weil kein Nachfolger da ist, ist eine schreckliche Sache für die Eigner. Die Flächen sind leicht zu verpachten, aber die Seele des Betriebes stirbt. Gleichzeitig sucht ein gut ausgebildeter Berufsnachwuchs, der zunehmend nicht mehr aus einer Bauernfamilie stammt, eine eigenständige Zukunft als Landwirt. Wir wollen helfen, Bauernhöfe als Ganzes zu erhalten, Hofabgeber und Hofsucher zusammenzubringen und sie auf dem Weg in die Selbständigkeit zu begleiten.“

Der Weg in diese Selbständigkeit ist ein langwieriger Prozess. Ganz unterschiedliche Parteien wie Pächter, Verpächter, Banken, Landwirtschaftsverwaltung oder Finanzamt und nicht zuletzt die Persönlichkeiten der beteiligten Personen spielen in den Übergabeprozess hinein. Um Hofsucher und Hofabgeber gut begleiten zu können, hat die Initiative keine offene Hofbörse, sondern eine Vertrauensstelle gegründet. Die Vertrauensstelle dient als „Dreh- und Angelpunkt“ der Initiative. Hier wird eine diskrete und seriöse Kontaktaufnahme gewährleistet und der Hofnachfolgeprozess begleitet. Die Vertrauensstelle wird bei der Landwirtschaftskammer NRW angesiedelt.


Die Landjugendorganisationen sprechen als Teil der Initiative eher die Seite der Hofsucher an, also die jungen Landwirtinnen und Landwirte. Dazu organisieren sie einen „Nachfolgeclub“, der mindestens einmal im Jahr Informationsveranstaltungen durchführt. Im engeren Sinne interessierte Personen können sich in eine bei den Landjugendorganisationen geführte Vermittlungsliste aufnehmen lassen. Für diese Personen wird ein Profil mit eigenen Wünschen, Zielen und Erwartungen erstellt.

Die Seite der Nachfolgesucher wird von den Landfrauen- und Landwirtschaftsverbänden angesprochen. Diese stellen den Kontakt zur Vertrauensstelle her. Die Vertrauensstelle ergründet die Absichten, Ziele und Wünsche des Nachfolgesuchers. Erst wenn die Vertrauensstelle aussichtsreiche Übereinstimmungen zwischen Nachfolgesuchern und Hofsuchern feststellt, stellt sie einen Kontakt zwischen beiden her und begleitet den Nachfolgeprozess.

*Beteiligte Verbände und Organisationen:

•     der Ring der Landjugend in Westfalen-Lippe,

•     die Landesarbeitsgemeinschaft der Landjugend Nordrhein,

•     der Westfälisch-Lippische Landfrauenverband,

•     der Rheinische Landfrauenverband,

•     der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband,

•     der Rheinische Landwirtschafts-Verband und

•     die Landwirtschaftskammer NRW

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