Konstanz und Hartnäckigkeit zahlen sich aus

Die Organisatoren zur Kieler Woche nutzen die Möglichkeiten zum Segeln während der Regatten in den Olympia-Klassen voll aus. Vier Rennen gab es für das Gros des Feldes, das auf den Kursen der Außenförde anspruchsvolle Bedingungen geliefert bekam. „Der Wind war aber konstanter als gestern“, sagte Regatta-Organisationsleiter Dirk Ramhorst, der feststellen konnte, dass vor Kiel auch die Kette der medizinischen Versorgung reibungslos läuft. Ein 29er-Segler hatte sich auf dem Wasser eine Knöchelverletzung zugezogen und wurde an Land gebracht. Während er auf dem Weg ins Krankenhaus war, brachte ein Motorboot Skiff-Segler aus dem Organisationsteam zum 29er, um das Boot wieder in den Hafen zu segeln.

49er:
Nach einem verpatzten ersten Tag haben die deutschen WM-Medaillengewinner Erik Heil/Thomas Plößel (Silber 2019, Bronze 2020) den Druck auf sich selbst erhöht. Und unter Druck segeln sie nach einem eigenen Bekunden umso besser. Folgerichtig starteten die Olympia-Dritten von 2016 mit einem Sieg in den Freitag. Danach ging es aber wieder abwärts, so dass sie in der Gesamtwertung vor der Finalrunde auf Platz sieben liegen. Das Maß der Dinge bleibt der Olympiasieger von 2008 Jonas Warrer mit Vorschoter Jakob Precht Jensen. Die Dänen führen vor den Polen Lukasz Przybytek/Pawel Kolodzinski und Tim Fischer/Fabian Graf (Hamburg/Berlin). Auf Rang vier lauert die junge Crew Bart Lambriex/Pim van Vugt. Die Niederländer steuern seit vergangenem Jahr auf Erfolgskurs, haben ihr Land für Olympia qualifiziert und segelten zur WM 2019 auf Rang acht. Das Duo kann in der Vergangenheit auf höchste Erfolge auf getrennten Wegen vorweisen. Lambriex wurde 2016 Junioren-Weltmeister im 49erFX, van Vugt gewann im gleichen Jahr den WM-Titel der RS 500.

49erFX:
Der Fingerzeig für die deutsche Olympia-Teilnahme in Tokio weist deutlich auf Tina Lutz/Susann Beucke (Chiemsee/Strande). Das Duo, das bereits in der dritten Kampagne um einen Start bei den Spielen kämpft, agiert weiterhin beständig in der Spitzengruppe und liegt nach den sieben Rennen der Vorrunde auf dem zweiten Platz hinter den amtierenden Weltmeisterinnen Tamara Echegoyen/Paula Barcelo (Spanien) und vor den Italienerinnen Jana Germani/Giorgia Bertuzzi. Aber die nationalen Konkurrentinnen Victoria Jurczok/Anika Lorenz (Berlin) lassen nicht locker, zeigen, dass sie die Jagd auf Lutz/Beucke noch nicht aufgegeben haben. Mit einem Sieg zum Tagesabschluss schoben sie sich in die Top-Ten. Ab Samstag treffen die Spitzencrews direkt aufeinander. Sechs Rennen sind bis Sonntag in der Finalrunde geplant. „Wir spulen unsere Routinen ab, das klappt bisher sehr gut“, berichtet Susann Beucke und sieht noch Potenzial, sollte es in den kommenden Tagen gefordert werden: „Bisher haben wir defensiv agiert, können die Zügel noch anziehen. Aber in den kommenden Tagen gibt es wohl genug Wind für alle, da muss man keine Sperenzchen machen.“ Steuerfrau Tina Lutz setzt in der Olympia-Qualifikation darauf, dass es sich auszahlt, in den vergangenen Jahren trotz Niederlagen immer dran geblieben zu sein: „Hartnäckigkeit sticht Talent und Genie. Darauf hoffen wir. Wir haben uns festgebissen. Aber es kommen noch zwei Tage.“


Nacra 17:
Wechselhafte Rennen für die foilenden Katamaran-Piloten: Der Wind wechselte in Stärke und Richtung ebenso wie die Platzierungen der Athleten. Zunächst schien das Heimteam Paul Kohlhoff/Alica Stuhlemmer aus dieser Situation seinen Vorteil generieren zu können. Einem fünften Platz ließen sie ihren ersten Tagessieg folgen, standen damit vor dem Sprung an die Spitze des Zwischenklassement. Dann aber kamen sie zunächst aus dem Tritt, starteten zu passiv, kenterten auf dem Downwind-Kurs. Platz 19 war das Resultat im dritten Tagesrennen, bevor sie sich wieder erholten und mit Platz vier in der vierten Wettfahrt den zweiten Platz im Zwischenklassement sicherten. Die Italiener Ruggeri Tita/Caterina Banti verteidigten die Führung vor Kohlhoff/ Stuhlemmer und John Gimson/Anna Burnet (Großbritannien). Paul Kohlhoff gab sich selbstkritisch: „Wir sind nur zum Teil zufrieden. Für uns zählt die Serie, deshalb wären wir lieber zweimal Fünfter als einmal Erster und einmal 19.“ Für die kommenden Tage bleibt der Kieler aber zuversichtlich: „Wir können das kompensieren!“ Und auch die anderen Teams blieben nicht unverschont. Nach einem wilden Ritt zum Tagessieg in der dritten Tageswettfahrt fasste Anna Burnett, die Vorschoterin im britischen Team mit John Gimson, das Tagesmotto zusammen: „Die Winde sind nicht einfach. Und es ist nicht zu Ende, bevor es nicht zu Ende ist.“ Soll heißen: Aufstecken ist nicht, denn alle Top-Teams haben bereits Ausrutscher in der Liste. 

Finn:
Das Spitzentrio der Schwerathleten bleibt auf Kurs. Aber der Schweizer Nils Theuninck macht Druck auf die Top-Position. Mit zwei Siegen und einem zweiten Platz zog er nach Punkten mit Nicholas Heiner gleich. Der Holländer konterte durch einen Sieg in der letzten Tageswettfahrt und wahrte damit seine Führung vor dem Schweizer, der mit Platz zehn bei der EM gerade seine Zugehörigkeit zur erweiterten Weltspitze nachgewiesen hat. Auf Rang drei folgt Facundo Olezza Bazan. Der Argentinier nutzt die Möglichkeit, in Europa Wettkampfpraxis zu sammeln. Bei der EM segelte er gerade auf Rang sieben.

Laser Standard:
Seine Black-Flagg-Disqualifikation zum Ende des ersten Tages hat der Norweger Hermann Tomasgaard locker weggesteckt. Mit der Serie 1, 6, 1, 2 kämpfte sich der WM-Sechste an die Spitze des Feldes und hatte damit auch seinen Trainingspartner und Weltmeister Philipp Buhl fest im Griff. Buhl rutschte bei seinem Heimevent mit der Serie 6, 9, 3, 16 auf Platz sechs ab. Die weiteren Podiumsplätze im Zwischenklassement nehmen vor dem Beginn der Finalrunde der Brite Michael Becket und der Italiener Giovanni Coccoluto ein.

Laser Radial:
Konstanz ist der Schlüssel zum Erfolg. Und diese Konstanz beweist aktuell die erst 22-jährige Ungarin Maria Erdi. Die ehemalige U21-Weltmeisterin war bereits 2016 als damals 18-Jährige bei den Olympischen Spielen, verpasste dort das Medal Race und strebt nun nach mehr. Die Form scheint zu passen, denn mit der Serie 2, 8, 8, 7, 6, 3 hat sie noch keinen echten Ausreißer und macht als Zweitplatzierte Druck auf die führende Marit Bouwmeester (Niederlande): „Es ist wichtig, beständige Ergebnisse zu haben. Die Bedingungen waren nicht einfach. Man wusste nie, was passiert. Deshalb musste man geduldig sein und auf seine Chance warten. Das hat gut geklappt bisher“, sagte Erdi. Ihre Ziele für die Kieler Woche und die Olympischen Spiele sind die gleichen: „Ich will in die Top-Drei. Für eine Medaille in Tokio arbeiten wir.“ Weltmeisterin Marit Bouwmeester (1, 3, 6, 6, 12, 9) hat nur nach einen Punkt Vorsprung und atmete nach einem langen Tag auf See durch: „Vier Rennen waren ein ordentliches Stück Arbeit. Aber es ist gut, endlich wieder Rennen segeln zu können. Es ist die erste Regatta seit der WM im Februar.“ Die Olympiasiegerin von 2016 ist sich noch nicht sicher über ihre aktuelle Form: „Die Kieler Woche ist das Warm-Up für die Europameisterschaft im Oktober. Ich hoffe dort auf eine Medaille, aber natürlich fehlt uns die Vorbereitung.“ Derzeit auf Rang drei liegt die Dänin Anne-Marie Rindom. Einen Tag mit Aufs und Abs erlebte Svenja Weger (Kiel), die bei der WM im Februar als 13. beste Deutsche war und nun in der nationalen Ausscheidung um das Olympia-Ticket kämpft: „Es war heute nicht einfach. Wenn man die ersten Dreher nicht richtig erwischt, dann wird es schwer. Bei mir hat es in den ersten beiden Wettfahrten gut geklappt, danach hatte ich am Start zu viele Fehler. Aber insgesamt kann ich mit den Ergebnissen arbeiten.“ Weger hat sich mit der Serie 2, 2, 20, 16 am heutigen Tag auf Platz zwölf vorgearbeitet, ist damit zweitbeste Deutsche hinter Hannah Anderssohn auf Rang acht.

Formula 18:
Die Kombination zweier Hobie-16-Steuermänner scheint ein gutes Formula 18-Team zu ergeben. Cedric Bader (Frankreich), Europameister der Hobie 16 von 2016, und Nicolaj Björnholt (Dänemark), aktueller Vizeweltmeister der Hobie 16, sind in ihrer Stammklasse sonst harte Konkurrenten. Vor Kiel probieren sie es gemeinsam und beweisen, dass sie auch mit zwei Fuß mehr Bootslänge und einem großen Gennaker umgehen können. Das Duo sammelt vor Kiel Siege wie kein anderes Team in den neun Klassen auf den Dreiecksbahnen der zweiten Kieler-Woche-Hälfte. Sechs Siege und ein zweiter Platz in den sieben Wettfahrten ist die starke Bilanz das französisch-dänischen Duos. Die Konkurrenz mit Dirk Bleiker/Kilian Feindt (Lübeck) sowie den Finnen Mikko und Kirsikka Räisänen folgt im Respektsabstand auf den weiteren Rängen.

OK:
Ein neuer Stern scheint am Himmel der OK-Jollen aufzugehen. Der Däne Mads Bendix, ehemaliger Finn- und Laser-Segler, segelte im vergangenen Jahr zur EM während der Kieler Woche auf Platz sechs und hat jetzt die weltmeisterliche Konkurrenz mit vier Siegen und zwei zweiten Plätzen fest im Griff. Der dreimalige Weltmeister André Budzien (Schwerin) bleibt aber bis auf zwei Punkte dran, während Thomas Hansson-Mild (Schweden), Weltmeister von 2009, durch eine Frühstart-Disqualifikation schon sein Streichresultat mitschleppt.

29er:
Die maltesische Familie Schultheis hinterlässt zur Kieler Woche einen ganz starken Eindruck. Bei den 29ern verteidigt Richard Schultheis mit Vorschoter Max Kröner (München) die Führung. Härteste Verfolgerin nach zwei Tagen ist Antonia Schultheis mit Vorschoter Ole Ulrich (Hamburg). Dahinter folgen die Dänen Jens-Christian und Jens-Philip Dehn-Toftehöj. Wohin der Weg der Schultheis-Segler führen soll, zeigt Victoria Schultheis. Sie ist mit der Norwegerin Maren Edland bereits in der Olympia-Klasse angekommen, liegt bei den 49erFX auf Rang 28.

Segeln plus X mit Hygiene und Abstand
Neben Segelsport auf höchstem Niveau kennzeichnete bislang auch traditionell eine bunte Eventfläche in Schilksee die Kieler Woche. Anders in diesem Jahr. Im Mittelpunkt des Geschehens steht ausschließlich der Segelsport. Schilksee wird zu einer geschlossenen Gesellschaft ohne Eventareal. Das Hafengelände wird für die Öffentlichkeit abgesperrt. Die Aktiven sind mit Trainern und Organisatoren unter sich. Auf Veranstaltungszelte, die Sponsorenmeile und Verkaufsstände wird verzichtet. Das Regattahaus, der boot-Düsseldorf-Club als Check-In-Zelt, die Vaasahalle und das Areal rund um den Kieler Yacht-Club in Düsternbrook sind die Anlaufstellen an Land, ggf. wird die Bootshalle des KYC in Strande integriert. Die Aktiven, Organisatoren und Trainer erhalten Einlass-Tickets, die nur für bestimmte Areale gelten.

„Es sind enorme Herausforderungen, denen wir uns stellen, um den Seglerinnen und Seglern auch in diesem Jahr die Möglichkeit zu geben, Regatta zu segeln. Dabei steht die Gesundheit aller Beteiligten ganz klar im Vordergrund. Hygienevorschriften und Mindestabstandsregeln müssten eingehalten werden“, so der Organisationsleiter der Kieler-Woche-Regatten, Dirk Ramhorst. Zudem werden die Einreise-Vorschriften Einfluss auf die endgültigen Starterlisten nehmen.

Da das analoge Kieler-Woche-Erlebnis in Schilksee im Jahr der Pandemie also nicht stattfindet und Zuschauer vor Ort damit ausgeschlossen sind, legen die Veranstalter ein noch größeres Gewicht auf die digitale Öffentlichkeitsarbeit. Die Präsenz in den sozialen Netzwerken wird ausgebaut, und die Regatten werden den Segelfans in aller Welt umfangreich über Kieler-Woche-TV virtuell zugänglich gemacht. Für den TV-Bereich zeichnet die Landeshauptstadt Kiel verantwortlich und trägt die entsprechenden Kosten.

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