Schuppenflechte: Erscheinungsfreiheit ist das neue Behandlungsziel

Bei der Therapie der Schuppenflechte ist ein Umbruch im Gange: Eine weitgehende Erscheinungsfreiheit der Haut ist heute möglich. Dazu steht den Dermatologen eine immer breitere Palette an Therapiemöglichkeiten zur Verfügung. Diese zu kennen und zu nutzen, ist eine Herausforderung auch für Hautärzte. Das diesjährige Motto des Welt-Psoriasis- Tages "Be informed – mach dich schlau!" gilt deshalb für Ärzte, Patienten und die Öffentlichkeit gleichermaßen. Begleitet wird der Tag im Vorfeld von einer Teledermatologie- und Informationswoche für Patienten.

"Das Ziel einer Systemtherapie bei Schuppenflechte hat sich in den letzten Jahren verschoben und liegt inzwischen bei der weitgehenden Erscheinungsfreiheit und Wiederherstellung der Lebensqualität", erläutert Prof. Matthias Augustin anlässlich des diesjährigen Welt-Psoriasis-Tages. Der Direktor des Instituts für Versorgungsforschung in der Dermatologie und bei Pflegeberufen am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (IVDP) betont, dass heute eine Reduktion der für die Erkrankung charakteristischen roten und stark schuppenden Plaques um über 90 Prozent möglich ist. "Daran muss sich eine moderne Psoriasis-Therapie messen lassen", so Prof. Augustin. Dermatologen sprechen von einer PASI-Reduktion (Psoriasis Area and Severity Index) von über 90 Prozent bezogen auf den Ausgangswert. Der PASI misst die Ausdehnung der betroffenen Hautfläche und das Ausmaß der Krankheitsaktivität.

Für die Behandlung der Psoriasis und Psoriasis-Arthritis steht Hautärzten heute eine ganze Palette an zugelassenen Arzneimitteln zur Verfügung, neben topischen zurzeit allein 31 systemische Therapien, zu denen auch Biologika und Biosimilars zählen. "Diese Vielfalt überblicken oft nur spezialisierte Dermatologen", unterstreicht Prof. Augustin mit Blick auf das diesjährige Motto des Welt-Psoriasis-Tages. Die dermatologischen Experten für die Erkrankung sind in bundesweit 29 Psoriasis-Netzen (www.psonet.de) organisiert. Patienten finden hier Hautärzte, die eine leitliniengerechte Versorgung der Schuppenflechte garantieren.


"Entscheidend für Dermatologen bei der Verordnung einer modernen Psoriasis-Therapie ist", so Prof. Augustin, "dass die zugelassene Indikation für den Wirkstoff, das Wirtschaftlichkeitsgebot und die Leitlinien keine Gegensätze sein müssen, sondern ineinander spielen." Auch dies setzt ein hohes Maß an Wissen voraus. "Am Ende muss und kann für jeden Patienten die individuell beste Entscheidung in der Therapie mit Psoriasis- Arzneimitteln stehen", sagt Prof. Augustin. Das Nicht-Verordnen sei keine Option.

Neue Sichtweise: Gefäßentzündung in den Mittelpunkt rücken

Durchgesetzt in der Wissenschaft hat sich zudem die Ansicht, dass die Psoriasis keine reine Erkrankung der Haut ist. "Schuppenflechte ist eine klassische chronische Systemerkrankung", erläutert Prof. Ulrich Mrowietz vom Psoriasis-Zentrum Kiel am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein. Gleichzeitig fordert er einen neuen Blickwinkel auf die Erkrankung: "Wir müssen insbesondere die Gefäßentzündung stärker berücksichtigen.

Sie spielt bei der Psoriasis eine extrem wichtige Rolle und führt zu Atherosklerose und damit auch zu Herzinfarkt und Schlaganfall." Wer an Schuppenflechte leidet, hat aufgrund der Gefäßentzündung ohne Behandlung eine um durchschnittlich fünf bis sechs Jahre geringere Lebenserwartung.

Für nicht mehr zeitgemäß hält Prof. Mrowietz dagegen die frühere Vorgehensweise, auch bei ausgeprägter Schuppenflechte zunächst mit einer topischen Therapie zu beginnen, dann mit UV-Licht zu bestrahlen und, wenn das nicht hilft, als nächste Option eine "leichte" Systemtherapie einzusetzen. Auch mittelschwer betroffene Patienten profitieren bereits von einer frühen Systemtherapie. "Die Botschaft an den Patienten muss lauten: Wir Dermatologen können die Schuppenflechte kontrollieren bis hin zur Erscheinungsfreiheit.

Und wenn eine Therapie nicht erwartungsgemäß funktioniert, haben wir eine Alternative", so Prof. Mrowietz. Und natürlich gilt das auch für das rechtzeitige Erkennen und Behandeln einer Psoriasis-Arthritis.

Neben der Krankheitsaktivität muss eine optimale Psoriasis-Therapie auch die Lebensqualität berücksichtigen. Häufig erkennen Ärzte den Leidensdruck der Patienten nicht, den eine sichtbare Hauterkrankung auslösen kann. "Wichtige Parameter beim ganzheitlichen Krankheitsmanagement der Schuppenflechte sind Stigmatisierung, Krankheitserleben und Depression", betont Prof. Mrowietz. 20 Prozent der Menschen mit Schuppenflechte werden auch wegen einer Depression behandelt. Zu den Risikofaktoren der Schuppenflechte gehören auch Adipositas, Alkohol- und Nikotin-Abusus. Der spezialisierte Hautarzt managt als Gate-Keeper diesen ganzen Komplex, wenn er einen Psoriasispatienten versorgt.

Unkenntnis der Regeln führt zu Unterversorgung

Doch trotz aller Fortschritte bei der Therapie, bewegt sich der Versorgungsalltag bei der Schuppenflechte häufig immer noch im Spannungsfeld zwischen medizinischer Notwendigkeit und einer Reihe von Regeln, die beachtet werden müssen. Dazu zählen die Arzneimittelrichtlinie, die Regeln zum Off-Label-Use und die Kriterien für Wirtschaftlichkeitsprüfungen bei den Kassenärztlichen Vereinigungen (KV). Das bremst Dermatologen aus, das medizinisch Bestmögliche zu tun. Die Folge sind große Unterschiede bei der Biologika-Verordnung in den einzelnen Bundesländern. Wo strengere Repressalien durch die Prüfgremien drohen, werden kostenintensive Psoriasis-Therapien deutlich seltener verordnet, wie Daten aus der Versorgungsforschung belegen. "Auch mit Blick auf die Prüfverordnungen in den KVen gilt für uns Ärzte das Motto ‚Mach dich schlau!’", appelliert Hautarzt Dr. Ralph von Kiedrowski, Vorstandsmitglied des Berufsverbandes der Deutschen Dermatologen (BVDD), an Kolleginnen und Kollegen. "Aus Unkenntnis der Regeln folgen Unsicherheit und reflexartig das Nicht-Verordnen von Biologika", warnt Dr. von Kiedrowski.

Um mehr Regress-Sicherheit für Hautärzte und eine bessere Versorgung für Patienten zu erreichen, hat der BVDD den "Vertrag zur besonderen Versorgung in der Indikation Psoriasis" nach §140a des Sozialgesetzbuchs V abgeschlossen. Zurzeit nehmen acht Krankenkassen (TK, KKH, DAK, HEK, Novitas BKK, VIACTIV, pronova BKK, IKK classic) daran teil. Sie betreuen insgesamt 22,91 Millionen von insgesamt rund 73 Millionen gesetzlich Versicherten. In Deutschland sind etwa 2,4 Prozent der Bevölkerung, also rund 2 Millionen Menschen an Schuppenflechte erkrankt. Schätzungsweise 400.000 von ihnen leiden an einer mittelschweren bis schweren Form der chronischen Erkrankung.

Ziel des Vertrages ist eine leitliniengerechte verbesserte Versorgung von Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Psoriasis, bei denen eine Therapie mit einem Biologikum oder PDE-4-Hemmern angezeigt ist. "Außerdem erhält der behandelnde Hautarzt mit dem Vertrag einen besseren Schutz vor Regressen durch die gesetzliche Krankenversicherung, wenn er moderne Medikamente verordnet", erläutert Dr. von Kiedrowski. Ein hierfür erstmals in dieser Form entwickeltes Ampelsystem für Arzneimittel informiert die teilnehmenden Dermatologen unkompliziert und übersichtlich über den therapeutischen Nutzen sowie die Wirtschaftlichkeit der eingesetzten Arzneimittel. "Die Vereinbarung ist ein Meilenstein, damit erkennen die Krankenkassen heute den besonderen Versorgungsbedarf von Menschen mit einer mittelschweren bis schweren Psoriasis an", so Dr. von Kiedrowski.

Gleichzeitig fordert er Dermatologen auf, sich in den Vertrag einzuschreiben und ihre Patienten über das Angebot zu informieren.

Gut informiert – hohe Adhärenz

Wenn Patienten gut über ihre Psoriasis oder Psoriasis-Arthritis informiert sind, steigert das nicht nur ihre Adhärenz, sondern auch ihre Zufriedenheit. Darauf weist anlässlich des diesjährigen Mottos des Welt-Psoriasis-Tages der Geschäftsführer des Deutschen Psoriasis Bundes (DPB), Marius Grosser, hin. Er lädt Menschen mit Schuppenflechte ein, der Patientenselbsthilfe beizutreten. Denn: "DPB-Mitglieder sind besser informiert. In der sogenannten PsoPlus-Studie konnte nachgewiesen werden, dass nach den ersten zwölf Monaten Mitgliedschaft im DPB die Lebensqualität von Patienten und ihre jeweils subjektive Einschätzung des Therapienutzens deutlich gestiegen waren", erläutert Grosser.

Das unterstreicht die Bedeutung der Selbsthilfe als wichtigen Partner der behandelnden Ärzte. Der DPB-Geschäftsführer plädiert mit Blick auf die dermatologische Fachgruppe für einen regen Austausch: "Lassen Sie uns eng zusammenarbeiten. Informieren Sie Ihre Patientinnen und Patienten über die Angebote des DPB." Dazu zählen Informations- Materialien in leicht verständlicher Sprache, aber auch Workshops, Seminare sowie juristische und medizinische Beratung – und nicht zuletzt der Erfahrungsaustausch mit anderen Erkrankten.

Teledermatologie- und Informationswoche für Patienten

Der Berufsverband der Deutschen Dermatologen e.V. (BVDD), der Deutsche Psoriasis Bund e.V. (DPB), das bundesweite Ärzte-Netzwerk PsoNet und die Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG) laden anlässlich des Welt-Psoriasis-Tages gemeinsam zu einer Informationswoche ein. Im Zeitraum von Montag, den 26., bis Freitag, den 30. Oktober, bieten sie beim DPB eine gut erreichbare Telefonberatung sowie über die beiden teledermatologischen Internetplattformen "Derma2Go" und "OnlineDoctor" eine fachärztliche Auswertung von Hautbildern kostenfrei an. Weitere Informationen zur Telefonberatung, der teledermatologischen Aktionswoche und die Zugänge zu den Internetplattformen gibt es unter www.weltpsoriasistag.de und bei www.facebook.com/….

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„Be informed – mach dich schlau!”

Welt-Psoriasis-Tag 2020: Kostenfreie Informationswoche mit Telefonberatung und
Teledermatologie
26. bis 30. Oktober

Der Welt-Psoriasis-Tag 2020 wird in Deutschland gemeinsam durchgeführt vom Berufsverband der Deutschen Dermatologen e.V. (BVDD), dem Deutschen Psoriasis Bund e.V. (DPB), dem bundesweiten Ärzte-Netzwerk PsoNet und der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG).

www.weltpsoriasistag.de
www.facebook.com/weltpsoriasistag.de

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