Afghanistan-Geberkonferenz muss mehr Mittel für Wiederaufbau und langfristige Entwicklungszusammenarbeit bereitstellen

Am 23. und 24. November werden sich Geberstaaten und Vertreter Afghanistans online und in Genf zu einer großen Afghanistan-Geberkonferenz treffen. „Auch wenn es zuletzt Friedensgespräche mit den Taliban gegeben hat, die verhalten Hoffnung auf ein Ende des Konflikts geben, braucht das Land noch viele Jahre massive Unterstützung aus dem Ausland“, betont World Vision Friedensexperte Ekkehard Forberg. „Viele Regierungen haben jedoch durchblicken lassen, dass sie ihre Hilfe für das Land am Hindukusch zurückfahren wollen. Dies darf nicht passieren. Die Geberkonferenz muss umfangreiche finanzielle Hilfen für den Wiederaufbau und langfristige Entwicklungszusammenarbeit bereitstellen.“ Die Kinderhilfsorganisation fordert zudem, dass die Geber alles dafür tun müssen, damit Kinder wieder Zugang zu Bildungsmaßnahmen bekommen.  Infolge der Auswirkungen durch die Pandemie ist dies für viele nicht mehr möglich und manche Eltern sind nun gezwungen, ihre Kinder zur Arbeit zu schicken.

Die Menschen in Afghanistan leben seit Jahrzehnten in einem der tödlichsten Krisen der Welt. Diese trifft besonders hart die schwächsten Mitglieder der Gesellschaft – die Kinder. Zwischen dem 1. Januar 2020 und dem 30. September 2020 meldete die UN-Unterstützungsmission in Afghanistan (UNAMA) 1.848 getötete oder verstümmelte Kinder. 2020 ist das 40. Jahr, in dem die Afghanen die physischen, psychologischen, politischen und finanziellen Auswirkungen des Krieges täglich erleben. Seit Beginn des Jahres 2019 wurden fast 400.000 Menschen durch den Konflikt innerhalb des Landes vertrieben. Die Folgen von Krieg, Unsicherheit, politischer Instabilität und Korruption haben zu erschütternder Armut und zum Fehlen oder Verfall selbst der grundlegendsten Infrastruktur, Dienstleistungen und Systemen geführt. Vor COVID-19 lebten bereits 93 Prozent der Afghanen von weniger als zwei US-Dollar pro Tag, und ein Viertel der nationalen Erwerbsbevölkerung war arbeitslos. Die Pandemie hat die Situation weiter verschärft. Auch die Ungleichheit der Geschlechter ist ein wesentlicher Grundfaktor der Fragilität in Afghanistan. Frauen und Mädchen sind nach wie vor weit verbreiteter Diskriminierung und Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt.


Die Pandemie hat auch Afghanistan nicht verschont. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums (MoPH) wurde bis Oktober 2020 bei über 40.000 Menschen in allen 34 Provinzen COVID-19 bestätigt. Aufgrund mangelhafter Ressourcen werden Infektions- und Todesfälle jedoch nur ungenügend erfasst. Die Zahl der Menschen, die aufgrund der Pandemie-Nebenwirkungen lebensrettende humanitäre Hilfe benötigen, hat sich von 9,4 Millionen im Dezember 2019 auf 14 Millionen bis Juni 2020 erhöht. In einer Umfrage, die von World Vision durchgeführt wurde, hat die Hälfte der befragten Familien angegeben, dass sie jetzt gezwungen seien, ihre Kinder zur Arbeit zu schicken oder Mädchen früh zu verheiraten, da COVID-19 ihre Lebensgrundlagen zerstört habe. Jüngste Studien zeigen, dass eines von drei Teenager-Mädchen in Afghanistan zur Kinderheirat gezwungen wird.  "Die Zahlen sind unglaublich alarmierend und beweisen, dass COVID-19 ein ‚Kippfaktor‘ ist, der arme Familien in lebensbedrohliche Situationen und zu verzweifelten Maßnahmen treibt. Wir fordern die Staats- und Regierungschefs der Welt eindringlich auf, dem Schutz der Schwächsten in Afghanistan, insbesondere der Kinder, Priorität einzuräumen", sagt Asuntha Charles, Länderdirektorin von World Vision Afghanistan. „Die führenden Politiker der Welt müssen zur Kenntnis nehmen, dass Kinder die Zukunft für Frieden, Erholung und Wohlstand in Afghanistan darstellen. Ein Versäumnis, angemessen in den Schutz und die Rechte aller Kinder in Afghanistan zu investieren, einschließlich einer qualitativ hochwertigen und relevanten Bildung, würde alle Bemühungen um einen nachhaltigen Wandel untergraben.“

World Vision hat sich verpflichtet, mit allen Mitgliedern der Gemeinschaften in Afghanistan zusammenzuarbeiten, um gefährdete Kinder zu schützen und ihre Grundrechte wiederherzustellen. „Die Herausforderungen für fragile Kontexte, die nun durch COVID-19 noch verschärft werden, erfordern einen neuen Ansatz. Möglichkeiten zur Verzahnung von humanitärer Hilfe, Entwicklung und Friedensförderung müssen von der Politik, Akteuren vor Ort und Unternehmen stärker berücksichtigt werden, um eine Zukunft für Kinder zu gewährleisten“, erläutert Forberg.

Die Kinderhilfsorganisation arbeitet seit 2001 in Afghanistan. Ihre Projekte kommen sowohl Gemeinden in ländlichen Gebieten als auch Binnenflüchtlingen zugute. Gute Erfahrungen mit der Verzahnung von humanitärer Hilfe, Entwicklungsarbeit und Friedensförderung hat sie unter anderem bei inklusiven Bildungs- und Wasserprojekten gemacht.

Über den World Vision Deutschland e.V.

World Vision wurde 1950 von Christen gegründet und zählt heute zu den größten Kinderhilfsorganisationen weltweit. Der Einsatz in rund 100 Ländern ist auf das Wohlergehen und die Rechte von Kindern ausgerichtet, die am stärksten unter Armut, Konflikten oder Ungerechtigkeiten leiden. Durch regionale Projekte der Entwicklungszusammenarbeit werden tausende Gemeinschaften dabei unterstützt, nachhaltige Verbesserungen für Kinder und ihre Familien herbeizuführen. Eine aktive Beteiligung von Kindern und Jugendlichen wird auf allen Ebenen gefördert. World Vision leistet mit Partnern wie Unicef, dem Auswärtigen Amt oder "Aktion Deutschland Hilft" auch lebensrettende Soforthilfe bei Katastrophen und stärkt die Selbsthilfekräfte krisengefährdeter Menschen. Mit einer weltweiten Kampagne setzt sich World Vision dafür ein, Gewalt gegen Kinder in jeder Form zu beenden. World Vision Deutschland e.V. wurde mehrfach für Transparenz ausgezeichnet.

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