Ein Jahr nach Nachhaltigkeitsversprechen: BlackRock mit $85 Mrd in Kohlefirmen investiert

  • BlackRocks Kohlerichtlinie betrifft nur 17% der Kohleindustrie
  • Vermögensverwalter hält Anteile an 199 Kohlefirmen in Höhe von $85 Mrd
  • Richtlinie erlaubt Investments in 333 Kohlefirmen auf der Global Coal Exit

Vor einem Jahr kündigte der US-Investor BlackRock an, Nachhaltigkeit zum Fokus seines Geschäftsmodells machen zu wollen. Eine aktuelle NGO-Studie zeigt nun jedoch, dass diese Versprechungen das Geschäft des größten Vermögensverwalters seitdem kaum beeinflusst haben. Insgesamt verwaltet BlackRock derzeit Firmenanleihen und Aktien im Wert von 7,8 Billionen US-Dollar und ist damit der größte Vermögensverwalter der Welt.

Die Analyse der französischen Organisation Reclaim Finance und der deutschen Organisation urgewald kommt zu dem Ergebnis, dass BlackRocks Richtlinie von Januar 2020 nur 17% der globalen Kohleindustrie ausschließt. Ein Jahr nach der Ankündigung nicht mehr in Firmen mit „hohem Risiko in Sachen Nachhaltigkeit“ zu investieren und Produzenten von Kraftwerkskohle Kapital zu entziehen, [1] hält BlackRock weiterhin Anteile an Kohlefirmen im Wert von mindestens 85 Milliarden US-Dollar. [2]


Die Untersuchungen der NGOs zeigen, dass BlackRock sogar weiterhin in Firmen investiert ist, die den Bau neuer Kohlekraftwerke planen. BlackRocks Investments in Kohlefirmen mit Expansionsplänen, zum Beispiel in den japanischen Energielieferanten Sumitomo oder den koreanischen Kraftwerksbetreibers KEPCO, liegen bei insgesamt mehr als $24 Milliarden. Die Kohlefirmen, in die BlackRock investiert ist, haben Expansionspläne von insgesamt 241GW.

Bei der Untersuchung wendeten die Autor*innen BlackRocks Divestment-Kriterien auf die 935 Kohlefirmen auf der Global Coal Exit List an. Die in dieser Liste aufgeführten Unternehmen umfassen 88% der weltweiten Kraftwerkskohleproduktion und 85% der Kohlekraftwerkskapazität.

Ein Jahr nach Larry Finks Ankündigung Nachhaltigkeit zum Fokus des Geschäftsmodells zu machen, droht das Versprechen des Investmentriesen nach kaum mehr als reinem Greenwashing auszusehen. Wenn Fink BlackRock wirklich zum Vorreiter statt zum Außenseiter in Sachen Klimaverantwortung machen will, müssen grünen Worten grüne Taten folgen und die unfassbare Finanzkraft des Vermögensverwalters in eine nachhaltige Zukunft gelenkt werden. Nachdem 2020 das heißeste Jahr seit Beginn der Temparaturaufzeichnung war, ist das absolut Mindeste, was BlackRock jetzt tun muss, endlich ein für alle Mal aus der Kohle auszusteigen,“ sagt Lara Cuvelier, Sustainable Investment Campaignerin bei Reclaim Finance.

Was sind die größten Schlupflöcher der Kohlerichtlinie?

BlackRocks Richtlinie ignoriert den emissionsreichsten Teil der Kohleindustrie und erlaubt dem Vermögensverwalter Investments in über 300 Firmen auf der Global Coal Exit List. Kohlekraftwerksbetreiber, die nicht nur Kohle abbauen, sondern diese auch verbrennen, um daraus Strom zu generieren, landen nicht auf BlackRocks Ausschlussliste. Dies bedeutet, dass BlackRock weiterhin in Kohleriesen, wie zum Beispiel den indischen Kohlekraftwerks- und Kohlehafenbetreiber Adani und Europas größte CO2-Produzenten PGE und RWE investiert bleiben kann. RWEs Pläne erst ab 2028 mit der Schließung von Kohlekraftwerken zu beginnen, war für den französischen Investor Amundi so problematisch, dass dieser im Juni 2020 öffentlich seine Bedenken darüber aussprach, dass RWEs Geschäftsmodell nicht mit dem Pariser Klimaabkommen kompatibel sei. [3]

Kohle-Expansionisten, also Firmen, die der Klimakrise zum Trotz weiterhin den Bau neuer Kohlekraftwerke planen, werden von BlackRocks Richtlinie ebenfalls nicht ausgeschlossen.

BlackRocks Ausschlusskriterium nennt einen Schwellenwert von 25% Kohleanteil beim Umsatz. Hierbei fallen jedoch diversifizierte Firmen durchs Raster, die neben Kohle auch andere Rohstoffe abbauen und daraus Umsatz generieren. Bergbaufirmen, die wie Glencore und BHP Dutzende Millionen Tonnen von Kohle im Jahr abbauen, sind von BlackRocks Ausschlusskriterien nicht betroffen, da der Kohleanteil ihres Umsatzes insgesamt unter 25% liegt.

Für den Öl- und Gasbereich hat BlackRock gar keine Ausschlusskriterien auf Firmenebene. Firmen, die wie ExxonMobil, Chevron, Shell oder Total weltweit die meisten neuen Bohrprojekte mit fatalen Folgen für die Umwelt, Menschen und Tiere vor Ort vorantreiben, befinden sich daher nach wie vor im Portfolio des US-Vermögensverwalters.

Der volle Report ist unter dem folgenden Link verfügbar: https://reclaimfinance.org/site/wp-content/uploads/2021/01/OneYearOnBlackRockStillAddictedToFossilFuels.pdf

„Um die Kohleindustrie effektiv auszuschließen, sollten zuerst alle Firmen verbannt werden, die neue Kohleinfrastruktur planen. Außerdem müssen mindestens Firmen mit einem Kohleanteil am Umsatz von 20% und einem Kohleanteil an der Stromproduktion von 20% ausgeschlossen werden. Letztlich sollte BlackRock ein Ausstiegsdatum für alle Kohleinvestments definieren, das Schwellenwerte von <5% verlangt,“ sagt Katrin Ganswindt, Finanz-Campaignerin bei urgewald.

Passive Investments machen Großteil der klimaschädlichen Investments aus

Einer der größten Haken an BlackRocks Nachhaltigkeitsrichtlinie ist, dass sie sich nur auf aktive Investments bezieht, die nur etwa ein Drittel des Geschäfts des Vermögensverwalters ausmachen. [4] Etwa 5,1 Billionen der insgesamt 7,8 Billionen US-Dollar mächtigen Anlagen, die BlackRock verwaltet, sind passiv verwaltete Investments.

Im Kampf gegen klimaschädliche Investments ist das ein großes Problem, da Vermögensverwalter durch automatisch generierte Fonds Aktien aller öffentlich gelisteten Firmen, darunter auch Kohle- und anderen fossilen Firmen, erwerben und ihre Anteile je nach Kurslage automatisch erhöhen. [5] Zudem nehmen Mega-Vermögensverwalter wie BlackRock oder auch Vanguard bei passiv verwalteten Fonds selten ihre Rolle als Aktionäre mit Einfluss auf das Management der individuellen Firmen wahr. Dies macht die großen Vermögensverwalter zum letzten Zufluchtsort für Kohleproduzenten und andere fossile Firmen. [6]

ESG-Fonds sind keine Lösung

Sogenannte Nachhaltigkeits-Fonds werden von Vermögensverwaltern seit geraumer Zeit vermehrt angepriesen. Bei diesen „grünen Fonds“ sollen besonders klimaschädliche Firmen und teilweise auch Waffenproduzenten ausgeschlossen werden. BlackRock hat für seine ESG (Environmental, Social and Corporate Governance)-Fonds spezielle “Baseline Screens” definiert [7]. Dies sind spezifische Voruntersuchungen, die Firmen mit einem Umsatz aus zum Beispiel Kohle, Ölsanden, Schusswaffen oder Tabakprodukten über 5% „soweit möglich“ aus Investments ausschließen sollen.

Es ist jedoch nicht klar, wie genau BlackRock diese Ausschlusskriterien in der Praxis umsetzt und warum diese Kriterien nur für ESG-Fonds gelten sollen und nicht auf BlackRocks gesamtes Geschäft angewandt werden.

BlackRock versagt als Aktionär bei Abstimmungen zum Klimaschutz

Im Verlauf des Jahres 2020, also nach dem öffentlichen Versprechen Nachhaltigkeit zum Fokus des Geschäftsmodells zu machen, hat BlackRock als Anteilseigner gegen 88% der vorgebrachten Klimaresolutionen gestimmt. [8] Dieser Schnitt ist schlechter als im Jahr 2019 vor BlackRocks Nachhaltigkeitsankündigung. [9]

Im Herbst 2020 hat sich BlackRocks Stimmverhalten in Sachen Klimaverantwortung etwas positiver entwickelt. Im Oktober drängte BlackRock den australischen Energieproduzenten AGL seine Kohleminen zu schließen. BlackRock stimmte zudem für eine Resolution, die sich auf die Paris-inkompatiblen Firmenpraktiken des Bergbaukonzerns BHP bezog. Im Dezember 2020 erkannte BlackRock in einem öffentlichen Schreiben an, wie groß der Einfluss von Aktionärsstimmen auf das Verhalten eines Konzerns ist. [10]

Dennoch bleiben BlackRocks Versprechen seine Verantwortung als Anteilseigner vor allem in der Klimakrise ernst zu nehmen zu vage und zahnlos. Eine robuste Engagement-Richtlinie sollte klar darstellen, dass BlackRock Firmen aus seinen Investments ausschließen wird, wenn sie keine klaren Schritte für den Ausstieg aus Kohle und anderen fossilen Energieträgern vorlegen und BlackRocks andere Anforderungen als verantwortungsvoller Anteilseigner nicht erfüllen.

Was würde BlackRocks Richtlinie wirklich effektiv machen?

Die folgenden Kriterien sollte BlackRock anwenden, um Kohle wirklich endgültig aus seinem gesamten Geschäft auszuschließen.
• Die aktuelle Kohlerichtlinie bezieht sich nur auf aktiv verwaltete Fonds. BlackRock sollte jedoch auf alle Teile seines Geschäfts, also auch passiv verwaltete Fonds eine Kohlerichtlinie mit starken Ausschlusskriterien anwenden
• BlackRock sollte dem Vorbild von Crédit Agricole, AXA und anderen fortschrittlicheren Finanzinstitutionen folgen und alle Kohleminen- und Kohlekraftwerksentwickler aus seinen Portfolios ausschließen
• BlackRock sollte mindestens Firmen mit einem Kohleanteil am Umsatz von 20% und einem Kohleanteil an der Stromproduktion von 20% ausschließen, um auch Stromerzeuger wie RWE zu divestieren
• BlackRock sollte ein Ausstiegsdatum für alle Kohleinvestments definieren, das Schwellenwerte von <5% verlangt
•  BlackRock sollte absolute Schwellenwerte einführen, wie sie von der Global Coal Exit List definiert wurden um alle großen Betreiber von Kohleminen und Kohlekraftwerken auszuschließen

Notizen:
[1] https://www.blackrock.com/corporate/investor-relations/blackrock-client-letter
[2] Basierend auf Recherchen von Profundo für urgewalds Global Coal Exit List, Stand 31.10.2020: https://coalexit.org/
[3] https://reclaimfinance.org/site/2020/06/26/amundi-actionnaires-electricien-rwe-demande-direction-accelerer-sortie-charbon/
[4] https://s24.q4cdn.com/856567660/files/doc_financials/2020/Q3/BLK-3Q20-Earnings-Release.pdf
[5] https://www.economist.com/special-report/2020/11/12/passive-attack
[6] https://sunriseproject.org.au/wp-content/uploads/2020/01/Sunrise-Project-Report-The-Passives-Problem-and-Paris-Goals.pdf
[7] https://www.blackrock.com/corporate/literature/publication/blackrock-baseline-screens-in-europe-middleeast-and-africa.pdf
[8] https://shareaction.org/wp-content/uploads/2020/11/Voting-Matters-2020.pdf
[9] https://www.ft.com/content/7a80f33b-a0ed-4dea-b2d3-ce56381f4084
[10] https://www.ft.com/content/d47a23bb-5c50-4aa6-adde-de0113395827

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Telefax: +49 (2583) 4220
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Ansprechpartner:
Katrin Ganswindt
Kohle-Campaignerin
Telefon: +49 (30) 284822-71
E-Mail: katrin@urgewald.org
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