Weltalphabetisierungstag 2022: Grundbildung und Alphabetisierung können Fachkräftemangel entgegenwirken

In Baden-Württemberg leben 800.000 gering literalisierte Erwachsene, deren Teilhabe am gesellschaftlichen Leben sowie am Arbeitsmarkt auf Grund zunehmender Digitalisierung immer schwieriger wird. Dies ist nicht nur ein Problem für die Betroffenen, sondern angesichts von Fachkräftemangel und den Transformationen auf dem Arbeitsmarkt wird es zunehmend auch ein gesellschaftliches Problem. Daher braucht es deutlich mehr Grundbildungs- und Alphabetisierungsangebote mit besserer öffentlicher Finanzierung, wie der Volkshochschulverband Baden-Württemberg anlässlich des Weltalphabetisierungstages am 8.September erklärt.

Grundbildung gewinnt an Einfacharbeitsplätzen durch die Digitalisierung und den großen Fachkräftebedarf zunehmend an Bedeutung. Neben den lebensweltorientierten Alphabetisierungs- und Grundbildungsangeboten, die die Volkshochschulen getreu dem Motto „Es ist nie zu spät, um Lesen und Schreiben zu lernen.“ anbieten, kann der Grundbildungsbereich – sofern er ausreichend gefördert wird – einen erheblichen Beitrag zur Bekämpfung des Fachkräftemangels leisten. Denn das breitgefächerte Angebot der Volkshochschulen umfasst neben der Möglichkeit den Schulabschluss nachzuholen, auch Angebote zu arbeitsorientierter Grundbildung. Laut der von der Universität Hamburg zweiten durchgeführten Level-One Studie 2018 („LEO 2018 – Leben mit geringer Literalität“) sind rund 6,2 Millionen der deutschsprachigen Bevölkerung in der Bundesrepublik gering literalisiert. 22,3% von den Betroffenen haben die Schule ohne Schulabschluss verlassen, 40,6% verfügen über einen niedrigen Abschluss.

„Die Transformationen auf dem Arbeitsmarkt sind im vollen Gange. Ein großes Hindernis stellt hierbei der Mangel an qualifiziertem Personal dar, dem nur durch geeignete Fort- sowie Weiterbildung begegnet werden kann. Volkshochschulen stehen für lebenslanges Lernen: Ihre Angebote fördern die berufliche, ökonomische sowie soziale Teilhabe an der Gesellschaft und leisten ebenso einen wichtigen Beitrag für den Arbeitsmarkt – zukünftig mehr denn je. Nur mit ausreichender Finanzierung und langem Atem kann diese herausfordernde Aufgabe angenommen werden.“, betont der Verbandsdirektor des Volkshochschulverbandes Dr. Tobias Diemer.

Ein (höherer) Schulabschluss ist in den meisten Fällen erforderlich, um eine Aus- oder Fortbildung beginnen zu können. Der Zweite Bildungsweg, der in Baden-Württemberg an vielen Volkshochschulen fest verankert ist, stellt für viele Menschen oft die einzige Möglichkeit dar, im Erwachsenenalter noch einen Schulabschluss zu erwerben, um danach einer qualifizierten Tätigkeit nachgehen zu können. Ein weiterer Bereich, den Volkshochschulen verstärken, ist die arbeitsorientierte Grundbildung, welche alle für die erfolgreiche Teilnahme an der Arbeitswelt erforderlichen Grundkompetenzen umfasst. Die Möglichkeiten zur Durchführung von Maßnahmen sind dabei vielfältig. Die Kooperationen z.B. mit Betrieben oder Jobcentern und Arbeitsagenturen sind dafür von großer Bedeutung.

Zum Volkshochschulverband Baden-Württemberg gehören 162 Volkshochschulen mit knapp 650 Außenstellen. Die Einrichtungen vor Ort bieten ein flächendeckendes Netz an vielfältigen Angeboten zur Allgemeinbildung, einschließlich der Bildung für nachhaltige Entwicklung, zur Gesundheitsbildung, in den Sprachen, zum Thema Integration und zur beruflichen Qualifizierung sowie in der Alphabetisierung und Grundbildung. Informationen über die Arbeitsfelder der Volkshochschulen finden Sie auf der Homepage des Volkshochschulverbandes Baden-Württemberg: www.vhs-bw.de.

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