Feinmobilität: die feine deutsche Art der Mobilität der Zukunft

Zum Thema Feinmobilität diskutierte der VCD Landesverband BW mit den Gästen Gabriele Steffen, ehemalige Erste Bürgermeisterin aus Tübingen, und Konrad Otto-Zimmermann vom Freiburger Kreativbüro The Urban Idea. 

Eine Arbeitsgruppe des VCD-Bundesverbandes hat in Zusammenarbeit mit der Vereinigung für Stadt-, Regional- und Landesplanung (SRL) e.V.  und Unterstützung von der Universität Kassel und dem Freiburger Kreativbüro The Urban Idea eine innovative Klassifizierung von Fahrzeugen nach Größe, Gewicht und Geschwindigkeit (GGG) entwickelt. Dabei wird die Räderwelt von fein bis grob, also von Rollschuhen und Tretrollern über Fahrräder und elektrischen Leichtfahrzeugen bis hin zu Geländewagen in sieben GGG-Klassen eingeteilt. Diese sind wie Kleidergrößen benannt: XXS, XS und S (zusammen Feinmobilität), M, L, XL und XXL. Die neue Klassifizierung der Fahrzeuge ist nun ein Vorschlag für Verwaltungen und Planer, Mobilität in Kommunen über das Verkehrsraum-Management neu zu steuern. Der Leiter der Arbeitsgruppe, Konrad Otto-Zimmermann, warf ein besonderes Schlaglicht auf die bisher wenig beachtete Gruppe der elektrischen Leichtfahrzeuge, also drei- und vierrädrige Gefährte mit zwei bis vier Sitzen mit in der genau die Gefährte zusammengefasst sind, die Feinmobilität ausmachen wie etwa Roller, Lastenräder, Elektro-Kleinstwagen. 

Während die Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen gegenwärtig das sogenannte Bemessungsfahrzeug für Pkw heraufsetzt und vergrößerte Stellflächen empfiehlt, um den Trend zu immer größeren Autos abzubilden, möchten der VCD und seine Partner den Kommunen und anderen Bauträgern ein Handwerkszeug dafür an die Hand geben, durch gestaffelte Stellplatzgrößen Anreize zur Nutzung feinerer Fahrzeuge zu setzen. Otto-Zimmermann plädierte für Mobilität mit menschlichem Maß; damit stellt er sich gegen den Fatalismus des Grobschlächtigen, indem er zeigt, wie sich Menschen Vehikel mit 160-fachem Volumen ihrer selbst und 30-fachem Gewicht für ihre Alltagsmobilität aussuchen – unökonomisch, unökologisch, geradezu asozial.

Gabriele Steffen ist seit Jahren in der Vereinigung für Stadt-, Regional- und Landesplanung (SRL) e.V. aktiv. Sie berichtete von einem Projekt über neue Transportformen für das Einkaufen in der Innenstadt gemeinsam mit dem genossenschaftlichen LöwenLaden in Tübingen. Die Frage war: Wie geht Einkaufen auch gewichtiger Dinge ohne Auto? Beeindruckend war der Fotokatalog mit vielen Einkaufssituationen. In Interviews und durch das Ausprobieren unterschiedlicher Modelle bei einem öffentlichen Aktionstag ermittelte die Initiative die Bedürfnisse, die dann der Auslobung eines Wettbewerbs zugrunde lagen. Zu den ausgezeichneten Beiträgen von feinen Fahrzeugen zum Einkaufen gehörte ein Trolley, der zweistöckig gebaut und vielseitig verwendbar mit Taschen aus Werbeplanen bestückt ist. Der Designpreis ging an eine Musikerin für ihren fahrbaren Koffer, der multifunktional als Einkaufstrolley, Sitz- bzw. Arbeitsplatz oder Fahrradanhänger dient. Den Innovationspreis erhielt die Idee, aus Bambusrahmen die verschiedensten Fahrzeuge herzustellen und dabei CO2-neutral mit nachwachsenden Rohstoffen in ein nachhaltiges Wirtschaften zu kommen. Die Erfahrung der überzeugten Urbanistin Gabriele Steffen wird in dieser Initiative sehr wertvoll sichtbar, die konkrete feine Handlungsvorschläge ausgearbeitet hat, um den öffentlichen Raum wieder den Menschen zurückzugeben. Gemeinsam fordern wir eine Abrüstung im Verkehr, da für die meisten Wege im Alltag eine sehr viel feinere Wahl der Verkehrsmittel möglich ist. 

 „In diesem Sinne werden wir den derzeitigen Trend brechen mit Handlungsleitfäden für die Politik und auch für die Menschen im Alltag“, so Marlis Heck, stellvertretende Landesvorsitzende des VCD in Baden-Württemberg. 

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