E-Auto-Batterien: Nickel aus Indonesien statt Russland

 

E-Auto-Batterien: Nickel aus Indonesien statt Russland

Der Bedarf an Nickel für Kathoden wird sich bis 2030 vervielfachen. Bislang hängt die im Aufbau befindliche EU-Batterieindustrie von russischem Nickel ab. Aufgrund des Kriegs in der Ukraine steht Nickel aus Indonesien hoch im Kurs. Dort bedroht der Abbau allerdings Urwälder und isoliert lebende Indigene.

Joko Widodos Popularität beschränkt sich nicht auf sein Heimatland Indonesien, sondern hat mittlerweile auch westliche Regierungen erfasst. Der Präsident des größten südostasiatischen Landes war kürzlich zu Besuch in Deutschland, wo dieser gemeinsam mit Bundeskanzler Olaf Scholz die weltgrößte Industriemesse in Hannover eröffnete. Der deutsche Kanzler versprach bei der Eröffnungsrede, sich dafür einzusetzen, das zwischen Indonesien und der EU angestrebte Freihandelsabkommen, das seit 2016 verhandelt wird, bis Ende diesen Jahres über die Ziellinie zu bringen.

Eilig haben es Scholz und die EU wegen den reichen Nickelvorkommen, über die der Inselstaat verfügt. 1,6 Millionen Tonnen Nickel, fast die Hälfte der globalen Produktion, hat Indonesien 2022 gefördert. Auch die weltweit größten Nickelreserven befinden sich hier. Das Metall ist für die Autoindustrie und deren Elektrifizierung von hohem Interesse. In Batterien für Elektorautos ist Nickel Bestandteil der Kathode und sorgt bei geringeren Kosten für höhere Energiedichte, Speicherkapazität und Reichweite, laut dem Interessenverband Nickel Institute. Mit einem Anteil von rund zwei Dritteln ist derzeit allerdings die Stahlindustrie der größte Nickelverbraucher. Demgegenüber stehen rund zehn Prozent, die 2022 in die Batterieindustrie gingen. Doch mit dem Umstieg von Verbrenner- auf Elektroautos wird sich die Nickelnachfrage aus dem Batteriesektor laut Prognosen bis 2030 vervielfachen.

Protektionismus ärgert EU

Die Eile in der EU kommt allerdings wie so oft bei kritischen Metalle reichlich spät. Auch in Indonesien hat China seine Reviere schon längst abgesteckt. Die Nickelvorkommen Indonesiens konzentrieren sich auf den Inseln Sulawesi und Halmahera, wo eine Reihe von chinesisch-indonesischen Joint Ventures Nickel abbaut und in Nickelschmelzen vor Ort weiter verarbeitet. Um nicht in die Rohstofffalle zu tappen und nur billig das Erz zu exportieren, bemühte sich Indonesien schon 2009 darum, Nickel im Land weiterzuverarbeiten. Widodos Ziel ist es, eine eigene Batterieproduktion aufzubauen und letztendlich auch die Herstellung von Elektroautos in sein Land zu holen. Indonesien ist auf gutem Weg dorthin.

2014 erließ Indonesien dafür sogar ein Exportverbot für Nickelerze, was internationale Handelspartner vor den Kopf gestossen hat. Die Maßnahme traf auch China, das seit Jahrzehnten indonesisches Nickelerz für seine Stahlindustrie importierte. Doch die Chinesen nahmen es sportlich. Sie fügten sich und begannen mehrere Milliarden in indonesische Nickelschmelzen zu investieren. Die EU hingegen beschwerte sich bei der Welthandelsorganisation und klagte gegen die Exportbeschränkungen. Vor diesem Hintergrund sind Olaf Scholz’ Worte nicht sehr glaubwürdig, wenn er in seiner Eröffnungsrede in Hannover andeutet, dass Länder wie Indonesien wegen China viel zu wenig von ihren Rohstoffen profitierten und die EU das nun ändern wolle.

Indonesien kommt Europas Eile entgegen, denn der Inselstaat braucht Investitionen, um am Elektroauto-Boom mitzuverdienen. Widodos Industriestrategie samt protektionistischer Maßnahmen geht auf. Heute ist Indonesien nicht nur das größte Abbauland, sondern auch die Nummer eins bei der Raffinadeproduktion. Ein vielsagender Indikator für die voranschreitende Industrialisierung ist der Nickelverbrauch: Indonesien ist mittlerweile nach China auf Rang zwei der größten Nickelverbraucher – 2013 lag das Land im internationalen Vergleich noch auf den 15. Platz.

Menschenrechte: BASF zögert bei Indonesien-Projekt

Während seines Deutschlandbesuchs traf sich Widodo mit der Führungsriege von BASF und versucht die Umweltbedenken rund um den Nickelabbau auszuräumen. Der Chemieriese ist kurz davor einen 2,4 Milliarden Euro schweren Deal mit dem französischen Bergbauunternehmen Eramet zu unterzeichnen, um einen Nickel-Kobalt-Raffineriekomplex auf der Insel Halmahera aufzubauen. Das Projekt soll aus einer Anlage für Hochdruck-Säurelaugung (high-pressure acid leaching, HPAL) und einer Raffinerie für Basismetalle bestehen, die jährlich 67.000 Tonnen Nickel und 7.000 Tonnen Kobalt für die Batterieindustrie produzieren sollen. Losgehen soll es Anfang 2026. Die finalen Gespräche scheinen jedoch zu stocken. Grund könnte ein Bericht der NGO Survival Internationa sein, laut dem der Nickelabbau und dessen negativen Auswirkungen auf die Umwelt einen indigenen Stamm, das Volk der Tobelo Dalam, von denen einige kaum mit der Außenwelt in Kontakt stehen, bedrohe.

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Die Mine des Bergbauunternehmen Weda Bay Nickel (WBN) nahe des Industrieparks Weda Bay auf Halmahera ist seit 2019 in Betrieb. Eramet ist mit 39 Prozent an WBN beteiligt, Mehrheitseigentümer ist mit 51 Prozent das chinesische Stahlunternehmen Tsingshan. Die restlichen zehn Prozent gehören dem indonesischen Staat. Dass der Nickelabbau auf Halmahera Umweltprobleme und soziale Konflikte verursacht, dürfte für Eramet nicht neu sein. Die Franzosen sind seit 2006 an WBN beteiligt und bereits 2010 legte eine Gruppe indonesischer NGOs Beschwerde gegen das Vorhaben ein, weil es sich negativ auf die Umwelt und die Inselbewohner auswirken würde. Schon damals betonten die NGOs explizit die Risiken für die Tobelo Dalam, die von dem Unternehmen jedoch nicht ernsthaft genug berücksichtigt würden.

Darauf von Business & Human Rights Resource Centre angesprochen, antwortete BASF am 14. April, dass die von Survival International erhobenen Bedenken Teil der laufenden Risikoabschätzung und -bewertung seien. Der Konzern beruft sich auf sein Engagement für hohe ESG-Standards. Eine endgültige Entscheidung, die BASF für das Projekt noch nicht getroffen hat, wird diese Aspekte berücksichtigen, heißt es in dem Schreiben weiter. Eramet gibt an, mit dem im Wald lebenden Stamm, der von der 45.000 Hektar großen Konzession betroffen ist, seit Jahren in Kontakt zu stehen und zweifelt die Existenz gänzlich unkontaktierter Individuen an, die in oder nahe der Konzession leben sollen. Eramet habe Studien in Auftrag gegeben und einen Anthropologen engagiert, um eine friedliche und respektvolle Koexistenz sicher zu stellen.

Der US-E-Autohersteller Tesla, der in Indonesien eine Autofabrik plant, weil das Land große Mengen an günstigem Nickel bietet, ist ebenfalls in die Kritik geraten. Denn einige der Abbau- und Raffinerieprojekte haben die riesigen Mengen an Abraum und Raffinerieabfällen im Meer entsorgt. Eine umstrittene Praxis, die die Küstenökosysteme mit Schwermetallen belastet und die derzeit von Indonesien nicht mehr genehmigt werden. Offiziell hat die Regierung noch kein Verbot erlassen, wie es etwa Eramet fordert. Statt die Bergbauabfälle im Meer zu entsorgen will Eramet diese in trockenem Zustand an Land deponieren. Auch diese Methode birgt aufgrund des tropischen Klimas mit hohem Niederschlag, der spezifischen Topografie des Inselstaates sowie der hohen seismischen Aktivität in der Region Risiken oder entsprechend sehr viel höhere Kosten.

Volkswagen will in Indonesien mitmischen

Die Anziehungskraft indonesischen Nickels sowie Widodos Überzeugungskraft sind aktuell stärker als Umwelt- und Menschenrechtsbedenken. Nachdem sich der indonesische Präsident mit BASF-Vertretern getroffen hat, kam auch ein Termin mit VW zustande. Auch der VW-Konzern ist an indonesischem Nickel interessiert. Laut dem indonesischen Investmentminister will der deutsche Autobauer eine Batterieökosystem in dem südostasiatischen Land aufbauen und sich einem Konsortium anschließen, dem Ford, Vale sowie der chinesische Batteriemetallproduzent Zhejiang Huayou Cobaltangehören. Ford wiederum geriet dafür in seiner Heimat, wo der Inflation Reduction Act unter anderem Abhängigkeiten von China reduzieren soll, in die Kritik. Der Autobauer lizenziert für die Batterieproduktion in Indonesien nämlich chinesische Technologie von CATL.

BASF schielt jedenfalls aus einem guten Grund auf Indonesiens Nickel: Der Chemiekonzern betreibt im finnischen Harjavalta seit wenigen Monaten eine Anlage für die Herstellung von Kathodenvorprodukten. Das Nickel dafür liefert Nornickel Harjavalta, die finnische Tochter des russischen Bergbau- und Metallkonzerns Nornickel. Dessen Zentrale befindet sich in Norilsk, in der Arktis. In der einst „geschlossenen“ Stadt, die nicht auf dem Landweg erreichbar ist, wird das Metall bereits seit Stalins Zeiten abgebaut.

Nornickel: „Too big to sanction“

Zwar hat Großbritannien Wladimir Potanin, Mehrheitseigentümer von Nornickel und laut US-Angaben enger Putin-Vertrauter, im Juli 2022 auf die Sanktionsliste gesetzt, gegen Nornickel selbst jedoch wurden bisher keine westlichen Sanktionen verhängt. Dennoch wird das Geschäft für den Konzern im Westen immer schwieriger. Das staatliche finnische Bahnunternehmen VR hat seinen Liefervertrag mit Nornickel Ende 2022 auslaufen lassen und nicht erneuert. Und es kam bereits 2022 zu Lieferunterbrechungen. Ende Januar diesen Jahres berichtete die russische Nachrichtenagentur Tass, dass Norilsk Nickel Harjavalta einen neuen Vertrag mit einem finnischen Bahnunternehmen geschlossen hat, um das russische Nickel per Bahn nach Finnland zu transportieren. Der Name der Firma wurde nicht genannt.

BASF in Deutschland am Standort Schwarzheide herstellen will. Die Anlage ist Teil der Plan BASF-Strategie zum wichtigsten Lieferanten von Kathodenmaterial für die europäische E-Autoindustrie zu werden. Schwarzheide soll jährlich 400.000 vollelektrische Fahrzeuge mit Batteriematerialien ausstatten können. Doch der russische Bergbaukonzern Nornickel ist zentraler Bestandteil dieses Plans: 2018 ging der Chemiekonzern mit Nornickel eine Partnerschaft ein, die sich in Harjavalta manifestiert. Dort betreibt Nornickel in direkter Nachbarschaft zur BASF-Fabrik eine Metallraffinerie und beliefert den deutschen Konzern mit russischem Nickel. Benchmark Mineral Intelligence geht davon aus, dass BASF künftig für knapp 20 Prozent der europäischen Kathodenproduktionskapazitäten sorgen wird. Mit Nickel made in Russia.

Nornickel ist mit einem Fünftel der weltweiten Nickelproduktion der größte einzelne Förderer der Welt und macht Russland zum drittgrößten Nickelproduzenten der Welt, nach Indonesien und den Philippinen. Insbesondere die EU ist abhängig von Russland, um seine Batterieindustrie hochziehen, was auch der Grund sein dürfte, warum Nornickel bislang von westlichen Sanktionen verschont geblieben ist. „Too big to sanction“ lautet das Motto, das in finnischen Medien die Runde macht.

Philippinen überlegen Exportbeschränkungen

Das schwierige Umfeld und eine mögliche Ausweitung von Sanktionen auf Nickel aus Russland kommt auch dem zweitgrößten Nickelproduzenten der Welt, den Philippinen entgegen. Auch dieser Inselstaat will vom Elektroauto-Boom und der steigenden Nachfrage nach Nickel profitieren. Die neue Regierung unter Ferdinand Marcos Jr. will die von seinem Vorgänger eingeschlagene Richtung fortsetzen. Rodrigo Duterte hob im Dezember 2021 ein vier Jahre zuvor in Kraft getretenes Moratorium für den Nickelabbau auf. Die philippinische Regierung will ihren Bergbausektor bis 2027 verdreifachen. Das Land sprang in die Bresche als Indonesien ein Exportverbot auf Nickelerze verhängte und stieg zu Chinas Nickellieferanten Nummer eins auf. Doch auch auf den Philippinen würde man gerne mehr von der Wertschöfpungskette haben und überlegt nach dem Vorbild Indonesiens Exportbeschränkungen auf Nickelerze einzuführen.

Institut für seltene Erden und Metalle AG

ISE AG April 2023 

Über die Institut für Seltene Erden und Metalle AG

Das Institut für seltene Erden Elemente und strategische Metalle ermittelt seit 2011 Preise für alle seltenen Erden Elemente, deren Oxide, Basismetalle, Minormetalle, exotische Metalle und stabile Isotope. Aus dieser Datenbank erstellen wir für Sie Bewertungen und Bank-Audits für alle Metalle und Elemente dieser Gruppen. Wir analysieren Metalle auf höchsten technischen Niveau und vermitteln den Transport, die Lagerung und Versicherung von hochreinen Metallen. Seit 2018 betreiben wir eine Handelsplattform für seltene Erden und hochreine Metalle. Wir unterstützen bei der Monetarisierung von werthaltigen Metallen.

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