Jahrelang hatte er gehadert, war schon drauf und dran, alles hinzuschmeißen und das Handwerk eines Schreiners zu erlernen. „Bernstein“, sagt Mark Mast, „hat alles geheilt.“ Auch den Unterschied zwischen Jazz und Klassik, populärer und anspruchsvoller Musik: Alles floss bei ihm zusammen – und bei Mark Mast endlich auch.
Das entsprach ganz dem Naturell eines jungen Mannes, der bodenständiger nicht hätte aufwachsen können. 1963 wurde er in Baiersbronn-Mitteltal geboren, das Kind einer Waldbauernfamilie aus dem Nordschwarzwald, die später ein Sägewerk betrieb. Schon als 14-Jähriger wusste er, wie man Unimog und Gabelstapler fährt. „Ich bin zwischen Langhölzern groß geworden“, sagt er mit einem Lächeln.
Die göttliche Kraft, die darin steckt, die spirituelle Tiefe und Meditation, all das hat mich ergriffen. Mark Mast
Doch da war noch eine andere Leidenschaft, die er entdeckte: Der Großvater hatte der Dorfkirche in Mitteltal einst ein Harmonium gestiftet. Als diese dann eine Orgel bekam, erhielt die Familie Mast das Harmonium zurück. Es war das erste Tasteninstrument, in das der kleine Mark Mast griff.
Später lernte er Klavier, dann klassische Gitarre und schließlich Saxophon. Er schloss sich dem Trachtenblasorchester Mitteltal an und erlebte dort zum ersten Mal einen Menschen, der dirigierte. Er beobachtete ihn genau. Am Ende war der Sägewerkssohn so sehr von der Musik fasziniert, dass er sich für ein Studium in Heidelberg entschied.
Musikwissenschaften: Er war enttäuscht, „alles viel zu trocken“, stellt er rückblickend fest. Mark Mast sattelte um, verdingte sich als Straßenmusiker und Jazzpianist in Studentenkneipen und ergriff schließlich das Studium der „Schulmusik“. Künftige Musikpädagogen bekommen dabei eine umfassende Ausbildung in Komposition, Klavier, Gesang, musikalischer Leitung. Das Dirigieren machte er zu seinem Schwerpunkt – ohne sich wirklich vorstellen zu können, dass daraus ein Beruf wird: „Ich sah keine Perspektive.“
Und so liebäugelte er eben mit dem Schreinerhandwerk – bis zu jenem Tag, an dem ihm Bernstein begegnete. Beim Trampen in Heidelberg war ihm das Prospekt des „Schleswig-Holstein Musik Festivals“ in die Hände gefallen. Er machte sich auf den Weg, verbrachte dort eine Woche und besuchte die Orchesterakademie, die der Meister leitete.
„Ein Schlüsselerlebnis“, sagt er heute. Zu dem trug auch ein anderer Dirigent bei, der für ihn noch größere Bedeutung bekommen sollte: Sergiu Celibidache. Der Rumäne lebte seit langem in Deutschland, war künstlerischer Leiter der Münchner Philharmoniker und bot Mark Mast Privatunterricht an.
Fünf Jahre lang ging er bei Celibidache in die Lehre, besuchte seine Konzerte und entdeckte die Möglichkeiten der Musik für sich ganz neu: „Die göttliche Kraft, die darin steckt, die spirituelle Tiefe und Meditation, all das hat mich ergriffen“, sagt er heute.
Mark Mast war nun endgültig in der Welt des Dirigierens angekommen. 1994 gründete er die Bayerische Philharmonie für Nachwuchsmusiker, avancierte zum Gastdirigenten im In- und Ausland, arbeitete mit Musikgrößen wie Justus Frantz, August Everding und Konstantin Wecker zusammen. München war seine Wahlheimat geworden, den Schwarzwald hatte er nun endgültig hinter sich gelassen. „Für einen Symphoniker wie mich gab es da kein Betätigungsfeld“ – glaubte er jedenfalls.
Dann jedoch bekam er Post aus Freudenstadt. Ein Wettbewerb war ausgeschrieben worden für eine Veranstaltungsreihe zum 400-jährigen Jubiläum der Stadt 1999. Mark Mast war wie elektrisiert, die Chance der Rückkehr, sie war plötzlich gegeben.
Er dachte groß: Ein Festival sollte es werden, wie damals in Schleswig-Holstein. Mit einer Vielzahl von besonderen Spielorten – und zwar im gesamten Schwarzwald. Dazu eine musikalische Bandbreite, die mehr als reine Klassik war – ganz so, wie es Bernstein gelehrt hatte.
Zu seiner eigenen Verwunderung gewann er die Ausschreibung. Berührt ist er noch heute, wenn er in der Stadtkirche in Freudenstadt steht. Dieses außergewöhnliche Gotteshaus mit seiner markanten Winkelarchitektur – es wurde zur ersten Spielstätte des „Schwarzwald Musikfestivals“. Mast ging dabei über Grenzen, holte sich Sänger aus dem evangelischen und katholischen Kirchenchor, brachte eine Freudenstadt-Kantate zur Aufführung, die mit musikalischen Mitteln die Bombennächte des Aprils 1945 thematisierte.
Auch im Schwarzwald gehören Klöster zu den Spielstätten: der Festsaal in St. Blasien zum Beispiel oder die Augustinerkirche in Oberndorf. An rund 60 verschiedenen Orten war das Festival schon, von Ettlingen bis Waldshut, von Offenburg bis Rottweil. Selbst Fabrikhallen sind nicht tabu.
Seit 2008 ist Mark Mast auch Geschäftsführer des „Schwarzwald Musikfestivals“. Der Mann, der alle Fäden in der Hand hält. Eine gemeinnützige GmbH sorgt für die Grundlage. Ihr gehören die Städte Freudenstadt und Oberndorf, Baiersbronn, die Landkreise Calw, Rottweil, Freudenstadt, die Hochschwarzwald Tourismus GmbH, eine Fördergesellschaft sowie Mark Mast selbst an, für den das „Schwarzwald Musikfestival“ heute genauso eine feste Größe ist wie seine Bayerische Philharmonie.
Es lebt auch von Sponsoren, zu denen nicht zuletzt das renommierte Hotel Bareiss aus Masts Heimat Mitteltal zählt. Mit denen ist er sogar verwandt, sein Onkel heiratete einst die Schwester von Hermann Bareiss, ihre Nachfahren betreiben heute das Hotel Schwarzmatt in Badenweiler.
In Baiersbronn-Mitteltal kennt Mark Mast fast jeder. „Der Mark macht’s“, heißt es da nur. Die vielen Ms, sie sind sein Markenzeichen. Mark Mast, Musiker aus Mitteltal und München. Er mag es einfach, alles unter einen Hut zu bringen. Die integrative Vielfalt ist auch das, was er am „Schwarzwald Musikfestival“ liebt. „Und vielleicht klappt es ja eines Tages mit einer Schwarzwälder Philharmonie“, denkt er in die Zukunft. Oben auf der Schwarzwaldhochstraße, inmitten der grandiosen Natur, das hätte was.
Weitere Informationen:
Alle Infos zum „Schwarzwald Musikfestival“ unter Telefon 07441/520-4200, www.schwarzwald-musikfestival.de
Text: Andreas Steidel
Fotos: Andreas Steidel, Chanda Rule, Steven Haberland, Bayerische Philharmonie, Jörg Bongartz, Klaus Manns, Gregor Hohenberger, Anna Fiolka, Christophe Urbain
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