Es dauerte einige Zeit, bis Maike Luise Petermann sich sicher war, welchen beruflichen Weg sie einschlagen möchte. Worauf es ihr ankommt, wusste die Abiturientin schon länger. „Den ganzen Tag im Büro zu sitzen, das wäre nichts für mich. Mir liegen praktische Tätigkeiten, und mir gefällt auch körperliche Arbeit.“
Petermann schaute sich mehrere Berufe an, unter anderem bei einem Steinmetz, einer Buchbinderei oder in einer Werkstatt, die sich auf den Ausbau von Campern spezialisiert hat. Ein Praktikum bei einer Kunstglaserei führte sie nach Rheinland-Pfalz. Schließlich entschied sie sich für das Raumausstatter-Handwerk und ihren heutigen Ausbildungsbetrieb, den sie während eines Schulpraktikums kennengelernt hatte. „Der Beruf ist einfach sehr abwechslungsreich“, sagt Petermann. Sie schätzt die zahlreichen Anforderungen, die Arbeit mit verschiedenen Materialien und natürlich auch die Resultate. „Am Ende des Tages sehe ich, was ich geschaffen habe. Das motiviert mich sehr.“
Im zweiten Ausbildungsjahr ist Petermann praktisch in allen Sparten des Berufs tätig. Sie polstert Stühle und Eckbänke, arbeitet im Nähatelier und ist auch beim Kunden vor Ort dabei, um Gardinen, Plissees, Rollos und Jalousien zu montieren oder Bodenbeläge zu verlegen. Letzteres hat es ihr besonders angetan. „Das mache ich am liebsten, weil man damit die größte Veränderung im Raum erzielen kann.“ Eine Arbeit, um die sie am liebsten einen Bogen machen würde, fällt ihr nicht ein. „Mir gefallen alle Tätigkeiten sehr gut.“
Ausbilder Thomas Reusch und sein Team sind begeistert von ihrer Auszubildenden. „Wir schätzen Maike sehr. Sie ist außerordentlich engagiert, interessiert und zuverlässig, sie verfügt über eine gute Auffassungsgabe mit und kann das Erlernte schnell in der Praxis umsetzen.“ Dies gelte auch für ihre überragenden Leistungen in Theorie und Praxis an der Berufsschule. Es passe einfach, so Reusch, fachlich und auch menschlich im Team.
Bis Petermann den Gesellenbrief erhalten wird, dauert es noch gut ein Jahr. Genau genommen sind es zwei Abschlüsse, die Petermann während ihrer Ausbildung erwerben wird. „Management im Handwerk“ heißt das Modell, das derzeit an der Kerschensteiner Schule in Stuttgart erprobt wird. Das Angebot für Auszubildende mit Fachhochschulreife oder Abitur vermittelt vertiefte betriebswirtschaftliche Kenntnisse und führt zum Abschluss „Managementassistentin im Handwerk“. Der zusätzliche Aufwand kann sich doppelt auszahlen, weil die Absolventen eine attraktive Zusatzqualifikation erwerben, die wiederum als vollständiger Teil der Meisterprüfung anerkannt ist.
Ihre aktuellen Pläne beschreibt sie so: „Ich möchte nach der Lehre auf jeden Fall im Beruf bleiben. Dann wird man sehen.“ Der Meistertitel sei ein Thema, aber das habe noch Zeit, sagt Petermann, die in ihrer Freizeit gerne singt und tanzt. Sie ist seit der Grundschule bei der Chorwerkstatt Neckartenzlingen aktiv und bei den Banater Schwaben in Wendlingen.
Ob Inneneinrichtung, Licht-, Sicht- und Sonnenschutz oder die Reparatur und Reinigung von Möbeln, Böden und Stoffen – Raumausstattermeister Thomas Reusch und sein Team entwickeln und realisieren Wohnideen. Das 1903 gegründete Unternehmen in Metzingen-Neuhausen verfügt über ein Nähatelier und eine Polsterwerkstatt. In der Ausstellung finden Kunden ein großes Sortiment an Stoffen und Bodenbelägen und viele Anregungen für Ihr Zuhause. Ausführliche Beratung, professionelle und zuverlässige Ausführung und ein umfassendes Serviceangebot, zu dem auch die Gardinenwäsche zählt, gehören zum Selbstverständnis des Familienbetriebs. Aktuell werden sechs Mitarbeiter, darunter zwei Meister, beschäftigt und zwei Nachwuchskräfte ausgebildet.
Zur Auszeichnung „Lehrling des Monats“
Die Auszeichnung wird seit Dezember 2014 vergeben. Vorgeschlagen werden können solche Auszubildende, die sich durch besonders gute Leistungen im Betrieb, in der Berufsschule und auch in der überbetrieblichen Ausbildung sowie ganz allgemein durch Lernbereitschaft, Zuverlässigkeit, Kundenorientierung, Teamfähigkeit und Belastbarkeit auszeichnen. Mit der Auszeichnung zum „Lehrling des Monats“ soll der Vorbildcharakter von jungen Erwachsenen hervorgehoben werden. Sie dient als Ansporn für andere, eine Ausbildung im Handwerk zu beginnen. Besonders gewürdigt werden kann darüber hinaus beispielsweise auch ein über die Ausbildung hinausgehendes ehrenamtliches Engagement. Kurzum: Gesucht werden junge Persönlichkeiten, die in besonderer Weise geeignet sind, Vorbild für andere Lehrlinge und „Werbeträger“ für eine handwerkliche Ausbildung zu sein. Im Bezirk der Handwerkskammer Reutlingen werden von den 14.000 Handwerksbetrieben zurzeit über 4.400 Lehrlinge ausgebildet.
Handwerkskammer Reutlingen
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