Källenius fürchtet „richtig dicke Strafzahlungen“

Die Vorstandschefs der deutschen Autohersteller haben massive Kritik an den verschärften Klimazielen der EU ab 2030 und den Quotenvorgaben zum Absatz von Elektrofahrzeugen geübt. „Die regulatorische Landschaft in Europa hat uns keinen Rückenwind gegeben und droht uns, in der Wirtschaftshierarchie nach unten zu verschieben“, warnte Mercedes-Vorstandschef Ola Källenius am Mittwoch bei der Preisverleihung „Best Cars“ der Zeitschrift auto motor und sport in Stuttgart. „Das können wir nicht zulassen. Es kann nicht sein, dass wir nach Polen, nach China und die USA gehen müssen, um rentabel zu produzieren.“ Die Autoindustrie wolle auch in Deutschland weiterhin Autos bauen. Dafür müssten allerdings die Kosten nach unten gehen und Deutschland wieder wettbewerbsfähig werden. „Sonst fließt das wirtschaftliche Kapital in andere Regionen“, so Källenius. „Wir müssen aus der Komfortzone raus. Der Standort muss wettbewerbsfähig bleiben“, unterstrich auch VW-Chef Oliver Blume. „Manche Dinge gehen heute nicht mehr.“ Auch der neue Ministerpräsident Cem Özdemir unterstrich in einem Grußwort, dass „wir gerade massiv herausgefordert sind“. Deutschland müsse „alles tun, was den Standort attraktiver machen kann“. Er verwies auf das eigene Projekt, Berichts- und Dokumentationspflichten abzuschaffen.

Auf der Veranstaltung „Best Cars“ der Zeitschrift auto motor und sport im Neuen Schloss in Stuttgart wurden am Mittwoch die Siegermodelle der Leserwahl ausgezeichnet. Gäste auf dem Podium war neben Källenius und Blume der neue BMW-Chef Milan Nedeljković, Audi-Chef Gernot Döllner und Porsche-Chef Michael Leiters.

Besonders stark kritisierten Källenius und Blume die drastische Verschärfung der CO₂-Flottengrenzwerte in der EU ab 2030. „VW hat 27 Prozent Marktanteil in Europa an den Verkäufen von Elektroautos. Wir werden aber trotzdem Strafzahlungen leisten müssen. Da stimmt doch was nicht.“ Die Politik könne die Flottenvorgaben und Ziele nicht immer weiter nach oben schrauben, die Kunden zögen nicht mit. „Es sind die Kunden, die entscheiden, was gekauft wird“, so Blume. Auch Mercedes-Chef Källenius, zugleich Chef des Verbandes der europäischen Automobilhersteller ACEA, sieht die verschärften Flottengrenzwerte ausgesprochen kritisch. „Das können richtig dicke Strafzahlungen werden. Schlagen wir so die Chinesen?“

Diese Strafzahlungen schwächten die heimische Autoindustrie. „Wir sind für die Elektromobilität. Keine Industrie investiert so viel in die elektrische Mobilität.“ Zugleich müsse sich die Autoindustrie aber auch nach den Kundenwünschen richten. „Man kann die Veränderung nicht an den Kunden vorbei durchsetzen. Wir müssen nicht nur beim CO₂ runter, sondern auch wirtschaftlich erfolgreich sein.“

Die Vorgaben der EU sieht auch BMW-Chef Milan Nedeljković als gefährlich an. „Wir müssen aufpassen, dass die Rahmenbedingungen gut bleiben. Es gibt Leitplanken, die mittelfristig gefährlich für uns sind.“ Die E-Mobilität sei da und werde auch bleiben. „Die Frage ist aber die Geschwindigkeit. Der Kunde kauft und entscheidet. Wenn die Rahmenbedingungen flächendeckend nicht stimmen, wird der Kunde darauf nicht ansprechen.“

Mit Blick auf die Verschärfung der Flottengrenzwerte forderte Blume längere Übergangsfristen und Sonderregelungen etwa für elektrische Kleinwagen. „Kleine Elektroautos sind nicht sehr rentabel“, so der VW-Chef. Er forderte „Hypercredits“ für kleine Elektroautos. Källenius lobte in Stuttgart den Salini-Bericht von EU-Berichterstatter Massimiliano Salini, der für eine Aufweichung des Verbrenner-Aus eintritt und zahlreiche Erleichterungen vorschlägt, vor allem eine Absenkung der Reduktionsziele. „Der Salini-Bericht kommt einem pragmatischen Ansatz viel näher“, so Källenius. „Wir müssen ihn über die Ziellinie bringen. Das wird ein Stück harte Arbeit.“

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