Eine Studie mit dem Namen BALTIC unter Mitwirkung der Franz-Lust-Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Städtischen Klinikum Karlsruhe, an der knapp 10.000 Neugeborene beteiligt waren, die einer intensivmedizinischen Behandlung bedurften, kommt nun zu einem eindeutigen Ergebnis:
„Bei gewissenhafter Anwendung ist die standardmäßige Händedesinfektion den erweiterten Schutzvorkehrungen mit Händedesinfektion plus Handschuhen und Schutzkitteln hinsichtlich der Infektionsraten und Übertragungszahlen nicht unterlegen“, fasst Studienleiter Professor Dr. Christoph Härtel, Direktor der Kinderklinik am Uniklinikum Würzburg, die wissenschaftliche Untersuchung zusammen. „In der Studie ging es konkret um die Besiedelung von Frühgeborenen auf der Intensivstation mit so genannten gramnegativen Bakterien, die gegen die weit verbreitete Antibiotika-Gruppe Cephalosporine resistent sind.“
Während der Phasen mit Standard-Händehygiene-Desinfektion entwickelten laut Studie 0,5 Prozent der Frühgeborenen eine so genannte Blutstrominfektion mit den Bakterien, während der Phasen mit Händedesinfektion plus erweiterten Barriere-Vorsichtsmaßnahmen lag der Wert ebenfalls bei 0,5 Prozent.
„Das bedeutet, dass die übliche Händedesinfektion bei der Versorgung von besiedelten Säuglingen nicht ‚schlechter‘ ist“, betont Klinikdirektor Prof. Meyer, der als Ko-Autor an der Studie beteiligt war. „Die Daten und Untersuchungsergebnisse sind übertragbar auf unsere Früh- und Neugeborenen-Intensivstation und werden uns künftig helfen, große Mengen an Klinikmüll und damit auch hohe Beschaffungskosten einzusparen.“ Auf alle deutschen neonatologischen Intensivstationen hochgerechnet könnten das rund 4 Mio. Euro sein.
„Mit diesem Wissen werden wir noch stärker auf wissenschaftlich belegte Maßnahmen zur Infektionsprävention und -kontrolle setzen“, fährt Prof. Meyer fort. „Dadurch könnten personelle und materielle Ressourcen zielgerichtet eingesetzt werden, ohne unsere hohen Hygienestandards abzusenken.“
„Die Studie bestärkt uns darin, Schutzkleidung nur dann einzusetzen, wenn eine entsprechende Indikation, wie z.B. Schutz vor Kontamination der Arbeitskleidung besteht“, ergänzt Dr. Joachim Großmann, stellvertretende Leitung der Stabsstelle Krankenhaushygiene am Klinikum Karlsruhe. „Die sorgfältige Händedesinfektion bleibt aber weiterhin unverzichtbar. Gerade auch im Umgang mit Früh- und Neugeborenen ist sie die wirksamste präventive Einzelmaßnahme zum Schutz vor Übertragung von Krankheitserregern und kann dadurch das mögliche Infektionsrisiko deutlich senken.“
Die Multicenter Journal-Studie BALTIC wurde nun in der renommierten Fachzeitschrift „JAMA Network Open“ publiziert, wobei BALTIC für „Barrier Protection to Lower Transmission and Infection Rates With Gram-Negative Bacteria in Preterm Children“ steht. Eine Zusammenfassung der Studie ist hier zu finden.
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