Brasiliens Ernte verzögert sich und stützt die Notierungen
Das Wetter ist nach Darstellung der ICO wieder zum wichtigsten Preistreiber geworden. Der Indikatorpreis war bis Anfang Juni 2026 gefallen und erreichte am 9. Juni mit 231,96 US-Cent je Pfund den niedrigsten Stand seit fast zwei Jahren. Anschließend stieg er den Angaben der Organisation zufolge innerhalb weniger Wochen um 17,4 Prozent auf 272,39 US-Cent.
Auslöser waren laut der Organisation überdurchschnittliche Niederschläge in den brasilianischen Anbaugebieten, die die Ernte verlangsamten, die Bohnenqualität beeinträchtigten und örtlich zu Ernteverlusten führten. Hinzu kam die wachsende Erwartung, dass sich das El-Niño-Ereignis zum Jahresende 2026 verstärkt.
„Wer Kaffee einkauft, kalkuliert derzeit gegen das Wetter in Südamerika. Das lässt sich nicht absichern, aber es lässt sich in der Sortenwahl und in der Zubereitung abfedern“, sagt Alexander Weipprecht, Geschäftsführer der Provimedia GmbH.
Deutsche Verbraucher greifen häufiger zur ganzen Bohne
Der deutsche Markt reagiert mit einer Verschiebung im Sortiment. Nach Angaben des Deutschen Kaffeeverbandes wurden 2025 hierzulande 193.800 Tonnen ganze Bohne verkauft, so viel wie nie zuvor. Gemahlener Kaffee verlor im selben Zeitraum an Boden, sein Absatz ging binnen zehn Jahren um rund 38 Prozent zurück.
Wer selbst mahlt, bestimmt Frische und Extraktion unmittelbar mit. Eine Auswahl an Probierpaketen mit ganzen Espressobohnen zeigt, wie unterschiedlich italienische Röstprofile im selben Zubereitungsverfahren schmecken.
Wie sich der Kaffeepreis je Sortengruppe entwickelt hat
Die vier Sortengruppen der ICO liefen im Juni 2026 auseinander. Der Marktbericht der Organisation weist für den Monatsdurchschnitt gegenüber Mai folgende Werte aus:
- Colombian Milds: plus 0,4 Prozent auf 324,60 US-Cent je Pfund.
- Other Milds: minus 2,4 Prozent auf 307,83 US-Cent je Pfund.
- Brazilian Naturals: minus 7,4 Prozent auf 272,01 US-Cent je Pfund.
- Robustas: plus 1,7 Prozent auf 169,39 US-Cent je Pfund.
Die Lagerbestände verschärfen die Lage zusätzlich. Die in den Vereinigten Staaten zertifizierten Arabica-Bestände sanken laut ICO im Juni 2026 um 13,3 Prozent auf 0,41 Millionen Sack, den niedrigsten Stand seit Februar 2024.
Was der Außer-Haus-Konsum über die Nachfrage verrät
Hohe Rohstoffkosten haben den Verbrauch in Deutschland bislang nicht gebremst. Nach Angaben des Deutschen Kaffeeverbandes lag der Außer-Haus-Konsum 2025 bei 125.500 Tonnen und damit auf dem höchsten je gemessenen Wert, nach 125.000 Tonnen im bisherigen Rekordjahr 2018. Der Röstkaffeeabsatz insgesamt sank leicht um 1,5 Prozent auf rund 456.000 Tonnen, während der Umsatz um 23,5 Prozent auf 8,98 Milliarden Euro stieg.
Der Pro-Kopf-Verbrauch liegt weiterhin bei rund 161 Litern im Jahr. Für den Handel heißt das im August 2026: Die Menge bleibt stabil, verschiebt sich aber zwischen Zubereitungsarten und Verkaufsorten, und genau dort entstehen die Unterschiede in der Marge.
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