Mit 15 erstmals selbst am Traktor-Steuer: individuell angepasster John Deere eröffnet Paul den Weg in den elterlichen Betrieb

Wochenlang hatte Paul diesem Tag entgegengefiebert. Schon bei seiner Ankunft im Paravan Mobilitätspark Aichelau wurde deutlich, wie groß seine Leidenschaft für John Deere ist: Die Räder seines Rollstuhls zieren Motive der grünen Traktoren, selbst seine Orthesen tragen das typische John-Deere-Design. Als der 15-Jährige schließlich den Schlüssel für seinen individuell angepassten Traktor entgegennimmt, erfüllt sich für ihn und seine Familie ein lang gehegter Traum. Für Paul ist der John Deere weit mehr als eine Arbeitsmaschine – er eröffnet ihm die Möglichkeit, den Traktorführerschein der Klasse „T“ auf seiner eigenen Maschine zu absolvieren und künftig im landwirtschaftlichen Betrieb seiner Eltern die Mitarbeiter zu unterstützen.

Individuelle Technik für den Arbeitsalltag

Künftig wird Paul im Milchviehbetrieb seiner Eltern eigene Aufgaben übernehmen und mit dem Traktor selbstständig zu den Feldern fahren. Der Betrieb bewirtschaftet rund 200 Hektar Fläche und hält rund 400 Milchkühe – Tendenz steigend. Für viele Jugendliche, die auf einem Bauernhof aufwachsen, ist das selbstverständlich. Für Paul war dieser Schritt jedoch erst durch eine individuell entwickelte technische Lösung möglich. „Damit ich auch selbst über die öffentliche Straße zum nächsten Feld fahren kann“, sagt Paul.

Die Anpassung musste weit über einen klassischen Fahrzeugumbau hinausgehen. Moderne Traktoren stellen mit ihrem hohen Einstieg, der Sitzposition und den Bedienkräften besondere Anforderungen. Ziel war es deshalb, Paul eine sichere und vor allem eigenständige Nutzung des Arbeitsgeräts zu ermöglichen.

Herzstück des Umbaus ist eine individuell angepasste Einstiegslösung. Über einen Stehlift mit getrennter Hydraulikeinheit kann Paul per Knopfdruck auf Einstiegshöhe fahren, auf den Fahrersitz umsetzen und die Plattform anschließend wieder absenken. Ein integrierter Notablass ermöglicht auch bei einem technischen Defekt eine sichere Absenkung der Plattform. Zusätzlich wurden Haltegriffe installiert. Auch die Bremsbedienung wurde an Pauls körperliche Voraussetzungen angepasst. Weil ihm die Kraft fehlte, die Bremse mit den Füßen zu betätigen, wurde sie nach oben verlegt und zusätzlich über einen separaten Hydraulikkreislauf abgesichert. Ein individuell gefertigtes Podest im Fußraum sorgt für eine ergonomische Sitzposition und ermöglicht Paul, den Traktor sicher und komfortabel zu bedienen.

„Bei solchen Projekten gibt es keine Standardlösung. Wir schauen uns genau an, welche Bedienelemente wie genutzt werden können und welche Anforderungen die Maschine im späteren Arbeitsalltag erfüllen muss“, erklärt Maurice Möritz, Paravan-Mobilitätsberater von Paul. „Jeder Umbau entsteht aus den individuellen Fähigkeiten und Anforderungen des Nutzers. Das Ergebnis ist eine Lösung, die genau zu ihm passt – wie hier bei Paul.“

Jede Maschinenanpassung beginnt mit den individuellen Fähigkeiten und Anforderungen des Nutzers. Gerade bei Arbeitsmaschinen reicht das Spektrum von mechanischen Anpassungen bis hin zu digitalen Fahr- und Lenksystemen wie Space Drive, mit denen sich auch Traktoren oder andere Maschinen individuell ausrüsten lassen. So entstehen Lösungen, die Menschen den Zugang zum Arbeitsleben ermöglichen oder sie langfristig im Beruf unterstützen. Die Anpassung von Arbeitsmaschinen und gewerblich genutzten Fahrzeugen gewinnt deshalb zunehmend an Bedeutung – ob in der Landwirtschaft, im Bau, Handwerk oder im kommunalen Bereich.

Mehr als ein Traktor

Mit der Übergabe des Traktors verändert sich nicht nur Pauls Mobilität, sondern auch sein Platz im Betrieb. „Für uns bedeutet das unglaublich viel. Paul kann jetzt Aufgaben selbst übernehmen, unsere Mitarbeiter unterstützen und ganz selbstverständlich im Betrieb mitarbeiten“, sagt Tobias Schlüter, Vater von Paul und Geschäftsführer der milk and more Schlüter GmbH. „Das entlastet unsere Arbeitsabläufe und vor allem wird er zu einem gleichberechtigten Teil unseres Familienunternehmens.“

Für Paul steht an diesem Tag jedoch etwas ganz anderes im Vordergrund. Er freut sich auf die ersten Fahrten über den Hof – und darauf, bald selbst mit anzupacken. „Endlich selbst Mais fahren und den anderen mal zeigen, wie es geht.“ Für Paul beginnt mit dem Traktorführerschein ein neuer Abschnitt. Er kann künftig selbst am Steuer sitzen und dort mitarbeiten, wo er schon lange mit anpacken möchte – im elterlichen Betrieb.

Über die PARAVAN GmbH

Die PARAVAN GmbH mit Sitz in Pfronstetten-Aichelau (Baden-Württemberg) ist Weltmarktführer für hoch individuelle behindertengerechte Fahrzeuglösungen. Rund 180 Mitarbeiter entwickeln und produzieren am Hauptstandort sowie in der Niederlassung Heidelberg innovative Mobilitätslösungen für Menschen mit körperlichen Einschränkungen – von Fahrzeugumbauten über Elektrorollstühle bis hin zur spezialisierten Fahrausbildung. Mit dem „Alles-aus-einer-Hand“-Konzept begleitet PARAVAN seine Kunden von der Beratung über den Fahrzeugumbau bis zur Fahrausbildung. Technologisches Herzstück ist Space Drive, ein digitales Drive-by-Wire-Fahr- und Lenksystem, das als weltweit erstes seiner Art über eine Straßenzulassung verfügt. Die Technologie ermöglicht selbst schwerstbehinderten Menschen, ein Fahrzeug eigenständig zu steuern.In über 25 Jahren Praxiseinsatz und mehr zwei Milliarden gefahrenen Straßenkilometern hat sich Space Drive weltweit bewährt. Neben der Behindertenmobilität nutzen zahlreiche Industriepartner das System als Technologieplattform für Entwicklungen im Bereich autonomes Fahren. www.paravan.de

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