Rund 1,3 Millionen Erwachsene in Deutschland erfüllen die Kriterien einer glücksspielbezogenen Störung, weitere rund 3,1 Millionen zeigen riskantes Glücksspielverhalten. Glücksspielprobleme können zu Verschuldung, psychischen Belastungen und Konflikten in Familien und sozialen Beziehungen führen. Gleichzeitig nehmen nur wenige Betroffene professionelle Hilfe in Anspruch.
Der hohen gesundheitlichen und sozialen Belastung steht ein erhebliches Werbeaufkommen gegenüber: 2025 wurden in Deutschland mehr als 620 Millionen Euro für Glücksspielwerbung ausgegeben. Glücksspielwerbung begegnet Menschen unter anderem im Fernsehen, bei Sportübertragungen, in sozialen Medien und im öffentlichen Raum.
„Glücksspiel wird häufig als harmloser Zeitvertreib oder als Teil von Unterhaltung und Sport dargestellt. Die Risiken von Kontrollverlust, Verschuldung und Abhängigkeit geraten dabei leicht aus dem Blick. Umso wichtiger sind wirksame Schutzmaßnahmen und ein verantwortungsvoller Umgang mit Werbung“, sagt Sandra Wendl, Suchttherapeutin und regionale Leitung im Blaukreuz-Zentrum München.
Werbung erreicht auch junge Menschen
Besonders kritisch ist aus Sicht des Blauen Kreuzes die starke Sichtbarkeit von Glücksspiel im Umfeld des Sports und in sozialen Medien. Kinder und Jugendliche können dadurch mit Glücksspielwerbung in Kontakt kommen, auch wenn sie selbst nicht an entsprechenden Angeboten teilnehmen dürfen. Auch junge Männer gehören zu den Gruppen, bei denen glücksspielbezogene Probleme häufiger auftreten. Menschen in finanziell oder psychisch belastenden Lebenssituationen können ebenfalls besonders gefährdet sein. Glücksspiel darf daher nicht als Möglichkeit dargestellt werden, finanzielle Probleme zu lösen oder schnell zu Geld zu kommen.
Schutz konsequent umsetzen
Mit dem Glücksspielstaatsvertrag bestehen umfangreiche Regelungen zum Spieler- und Jugendschutz. Gleichzeitig stellen insbesondere die Verbreitung von Werbung, soziale Medien und illegale Online-Angebote die Umsetzung vor Herausforderungen.
Das Blaue Kreuz fordert deshalb:
- ein Verbot von Glücksspielwerbung, insbesondere in sozialen Medien und im Umfeld des Sports;
- konsequentes Vorgehen gegen illegale Online-Glücksspielangebote;
- mehr unabhängige Prävention und Aufklärung;
- eine verlässliche Finanzierung und den Ausbau von Beratungs- und Therapieangeboten.
„Glücksspielprobleme können Menschen und ihre Familien massiv belasten. Spielerschutz muss deshalb im Alltag wirksam sein und Betroffene tatsächlich erreichen. Dafür braucht es klare Regeln, konsequente Kontrollen und ausreichend finanzierte Hilfsangebote“, fordert Ulrike Schweitzer, Suchttherapeutin der Fachstelle Sucht des Blauen Kreuzes in Hagen.
Hilfe für Betroffene und Angehörige
Eine Glücksspielstörung ist eine ernsthafte Erkrankung – aber sie ist behandelbar. Betroffene und Angehörige sollten sich frühzeitig Unterstützung holen. Hilfe bieten unter anderem „Check dein Spiel“, die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) sowie örtliche Suchtberatungsstellen, darunter die Fachstellen Sucht des Blauen Kreuzes. Darüber hinaus gibt es stationäre und ambulante Rehabilitationsangebote sowie verschiedene Möglichkeiten für eine therapeutische Behandlung. Viele Angebote sind kostenlos und anonym.
Aktionen des Blauen Kreuzes am 30. September
Die Fachstellen Glücksspielsucht des Blauen Kreuzes Deutschland beteiligen sich am Aktionstag. Darüber hinaus wird unter @blaueskreuzdeutschland in den sozialen Medien über Glücksspiel und Suchtgefahren informiert.
München: Die Fachstelle Glücksspielsucht des Blaukreuz-Zentrums München bietet von 16:30 bis 17:00 Uhr einen kostenlosen Online-Impulsvortrag mit Suchttherapeutin Sandra Wendl an. Themen sind unter anderem Warnzeichen einer Glücksspielstörung, mögliche Folgen und Hilfsangebote. Die Teilnahme ist anonym und ohne Anmeldung möglich: https://freifunk.blaues-kreuz.de/20260930AktionstagGSS Weitere Informationen: www.blaues-kreuz.de/bkz-muenchen
Hagen: Die Fachstelle Sucht des Blaukreuz-Zentrums Hagen informiert mit einem Infostand in der Volmegalerie in der Hagener Innenstadt über die Risiken des Glücksspiels. Passantinnen und Passanten werden eingeladen, typische Glücksspielwerbung kritisch zu hinterfragen und eigene Anti-Werbeslogans zu entwickeln. Weitere Informationen: www.blaues-kreuz.de/bs-hagen
„Hinter jeder Glücksspielstörung können schwere persönliche, finanzielle und familiäre Belastungen stehen. Wir dürfen die Folgen nicht aus dem Blick verlieren“, sagt Gerlinde Reif, Suchttherapeutin der Fachstelle Sucht des Blauen Kreuzes in Hagen.
Seit über 140 Jahren hilft das Blaue Kreuz Deutschland Menschen mit Suchterkrankungen und Angehörigen. In über hundert fachlichen Angeboten und an mehr als 360 Standorten der Sucht-Selbsthilfe begleiten wir suchtgefährdete und suchtkranke Menschen sowie Angehörige dabei, suchtfrei zu leben. Mit blu:prevent engagieren wir uns innovativ in der Suchtprävention und stärken die Persönlichkeit von Kindern und Jugendlichen.
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