Bei bestem spätsommerlichem Wetter hat die Hochschule Hannover die zweite Ausgabe ihres Festivals Liminale gefeiert. Nach der Premiere im vergangenen Jahr auf dem Faust-Gelände fand das Festival erstmals auf dem Campus Linden statt. Unter dem Motto „Engineering Future“ kamen Wissenschaft, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur zusammen, um zentrale Zukunftsfragen zu diskutieren und neue Ideen auszuprobieren. Die Leitfrage des Tages: „Wie kommen wir vom Reden ins konkrete Handeln?“ Die Liminale wurde von der Sparkasse Hannover, der GETEC Gruppe und enercity gefördert sowie von der VolkswagenStiftung unterstützt.
Näher an den Studierenden: Erfolgreiche Premiere am Campus Linden
„Wir wollten mit der Liminale ganz klar näher an unsere Studierenden heranrücken, und das ist uns sehr gut gelungen“, sagt Hochschulpräsident Josef von Helden mit Blick auf die vielen Studierenden unter den knapp 2000 Besuchenden. „Mit dem Umzug auf unseren Campus wollten wir das Festival noch stärker mit dem Hochschulleben verbinden und unseren Studierenden die Möglichkeit geben, sich unmittelbar einzubringen. Die große Resonanz zeigt, dass dieser Ansatz aufgegangen ist.“
Auf dem Programm standen knapp 25 Workshops, Keynotes und Diskussionsformate. „Für uns bedeutet Engineering Future, technologische Innovation und gesellschaftliche Entwicklung zusammenzudenken. Zukunft entsteht nicht allein durch neue Technologien, sondern dort, wo Menschen bereit sind, Veränderungen anzunehmen, kritisch zu hinterfragen und gemeinsam zu gestalten. Genau diesen Austausch wollen wir mit der Liminale anstoßen“, so von Helden.
Zukunft mit Fragezeichen: Debatten zwischen Energiewende und Hoffnung
Ob Künstliche Intelligenz, Energiewende, Geopolitik oder gesellschaftlicher Wandel: Die Zukunft wirft viele Fragen auf, die zu intensiven Diskussionen führten. Bestsellerautor und HAW-Professor Christian Stöcker, Shena Britzen, Leiterin des Wasserstoffprogramms bei Rheinmetall, und Andreas Schell, CEO von ib vogt und ehemaliger CEO der EnBW, diskutierten intensiv über Geopolitik sowie über Umsetzung und Resilienz der Energiewende. „Über eines sollten wir uns am Ende einig sein: Der Netzausbau in Deutschland muss zügig vorangetrieben werden, um zukunftsfähig zu sein und nicht den Anschluss zu verlieren“, resümierte Stöcker zum Abschluss der Debatte.
Einen anderen Blick auf die Herausforderungen der Gegenwart warf Greenpeace-Sprecherin für sozial-ökologische Gerechtigkeit Baro Vicenta Ra Gabbert. Ihr Auftritt widmete sich weniger konkreten Lösungen für die zahlreichen Krisen der Welt als den Fragen, wie sich angesichts dieser Herausforderungen Hoffnung und Zuversicht bewahren lassen. Dabei wurde deutlich: Wer Zukunft gestalten will, muss gesellschaftliche Verantwortung übernehmen und auch in Krisenzeiten handlungsfähig bleiben. „Das Gute an der Zukunft ist: Sie kommt sowieso. Wenn wir uns das erst einmal bewusst machen, können wir die Wahrscheinlichkeit erhöhen, in einer der lebenswerteren Zukünfte zu leben“, so Gabbert.
Künstliche Intelligenz im Fokus
Künstliche Intelligenz ist mittlerweile fester Bestandteil des Alltags vieler Menschen und wurde auch bei der Liminale aus ganz unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet. Beim interaktiven AI-Slam entstanden auf Zuruf aus dem Publikum und von Wissenschaftsminister Falko Mohrs kurzerhand Apps, Videospiel-Bösewichte wurden in ein laufendes Spiel eingebaut und Musikstücke komponiert, die HsH-Vizepräsident Fabian Schmieder anschließend vortrug. Alles entstand mithilfe von KI und live auf der Bühne.
Zum Abschluss des Festivals stand die Frage im Mittelpunkt, welche Rolle KI in der Musikbranche und im kreativen Prozess spielen kann. Darüber diskutierten Hip-Hop-Urgestein Smudo und Lokalmatador Mousse T. Kreativität sei ein kooperativer Prozess, der aus Emotionen entstehe – das könne eine KI nie erreichen, so Smudo. Musik von KI verstärke vielmehr die Sehnsucht nach „echter“ menschlicher Musik. Dennoch seien KI-Tools hilfreich, um den kreativen Prozess zu unterstützen und aufwendige Arbeitsschritte zu beschleunigen. „Musik lebt von der Imperfektion, das kriegt eine KI nicht hin“, unterstrich Mousse T.
Im Anschluss ging die Liminale nahtlos in die AStA-Party „Start of WiSe“ über und läutete gemeinsam mit den Studierenden das neue Semester ein.
Semesterstart mit Zukunftsmusik
„Die Neuauflage der Liminale war eine echte Ode an die Zukunft mit einem herausragenden Line-up. Unter dem Motto ‚Engineering Future‘ haben wir eindrucksvoll gezeigt, was möglich ist, wenn wir Veränderung annehmen und aus der momentanen Verzagtheit ins zukunftsgerichtete Handeln kommen“, sagt HsH-Vizepräsident Martin Grotjahn. „Besonders bewährt haben sich die Verlegung auf unseren Campus Linden und die Verknüpfung mit der etablierten AStA-Party ‚Start of WiSe‘. So konnten wir nicht nur die Zukunft, sondern auch den Semesterauftakt gebührend feiern!“
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