Marc Caretti, Senior Fondsmanager, Aktien Entwickelte Märkte
Marc Caretti ist seit mehr als 20 Jahren bei Raiffeisen Capital Management beschäftigt. Er ist Fondsmanager in der Abteilung Aktien Entwickelte Märkte, wo er europäische und globale Aktien managt. Er ist hauptverantwortlicher Fondsmanager des Raiffeisen-NewInfrastructure-ESG-Aktien.
FondsSuperMarkt: Was ist heute die zentrale Investmentidee hinter Ihrem Infrastruktur-Fonds, warum halten Sie dieses Thema gerade jetzt für interessant?
Marc Caretti: Der 2008 aufgelegte Infrastrukturfonds von Raiffeisen Capital Management wird seit Juni 2026 nach strengen ESG-Kriterien gemanagt und als Raiffeisen-NewInfrastructure-ESG-Aktien gezielt um digitale Infrastruktur erweitert. Die zentrale Investmentthese: Einerseits muss bestehende Infrastruktur modernisiert werden, andererseits entsteht mit Rechenzentren, Glasfaser, Halbleitern und Funktürmen die digitale Infrastruktur des 21. Jahrhunderts.
Diese beiden Welten wachsen zunehmend zusammen – vor allem durch den stark steigenden Strombedarf von KI und Digitalisierung. Laut Internationaler Energieagentur IEA müssten die jährlichen Investitionen in Stromnetze bis 2030 von rund 400 Mrd. USD auf etwa 600 Mrd. USD steigen.
Mit je rund 15 % in Energieversorgung/Netzen sowie Telekom/Digitaler Infrastruktur ist der Raiffeisen-NewInfrastructure-ESG-Aktien bereits heute in zentralen Engpass-Bereichen positioniert. Zusätzlich profitiert der Fonds von langfristigen Treibern wie Energiewende, Elektrifizierung, Erneuerung alternder Infrastruktur und dem Aufholbedarf in Schwellenländern.
Damit verbindet unser Fonds essenzielle Infrastruktur mit den Wachstumsfeldern der digitalen Transformation – ein langfristiger struktureller Investmenttrend statt eines kurzfristigen Modethemas.
FondsSuperMarkt: Wie definieren Sie das Anlageuniversum „Infrastruktur“ konkret und was zählt bewusst nicht dazu?
Marc Caretti: Der Fonds definiert Infrastruktur bewusst breiter als das klassische Bild von Mautstraßen und Versorgern. Zum Anlageuniversum zählen Unternehmen, die die physischen und digitalen Netze der modernen Wirtschaft bauen, ausrüsten oder betreiben – etwa in den Bereichen Energieversorgung und Stromnetze, erneuerbare Energien, Wasser- und Umweltinfrastruktur, Bau, Baustoffe und Ingenieurwesen, Transport, Telekommunikation, digitale Infrastruktur, Halbleiter sowie ausgewählte Industrie- und Technologieausrüster.
Ebenso wichtig ist die klare Abgrenzung: Nicht unter „New Infrastructure“ fallen für uns Themen wie Verteidigung/Rüstung, Atomkraft, Erdöl, klassische Öl- und Gasproduzenten, reine Rohstoffförderer oder aktuell auch Weltraum-Infrastruktur, sofern keine liquide und ESG-konforme Aktienauswahl besteht. Diese Trennlinie ist zentral für die Glaubwürdigkeit des Ansatzes: „Neue Infrastruktur“ bedeutet nicht „alles, was mit Anlagen zu tun hat“, sondern fokussiert auf zukunftsfähige Lösungen, die Wirtschaft und Gesellschaft resilienter, effizienter und nachhaltiger machen.
FondsSuperMarkt: Wenn Sie einem Anleger anhand eines einzigen Unternehmens aus Ihrem Portfolio erklären müssten, was Sie unter „neuer Infrastruktur“ verstehen: Welches würden Sie wählen und warum?
Marc Caretti: Als Beispiel würde ich American Tower Corp. wählen, das wir aktuell mit rund 1,1 % im Portfolio gewichtet haben. Das Unternehmen betreibt Mobilfunk-Sendemasten und weist damit typische Merkmale klassischer Infrastruktur auf – ähnlich wie bei Mautstraßen: langfristige Verträge, hohe Markteintrittsbarrieren und inflationsgeschützte Cashflows.
Gleichzeitig ist es das Rückgrat der gesamten mobilen und digitalen Konnektivität: Ohne Mobilfunkmasten funktionieren weder 5G-Netze noch IoT-Anwendungen oder mobile Cloud-Dienste. Es verbindet damit exakt jene zwei Welten, für die unser Fonds steht: „alte“ Infrastruktur-Ökonomie mit Toll-Road-artigen Erträgen trifft „neue“ digitale Nachfrage.
FondsSuperMarkt: Wie übersetzen Sie einen Infrastrukturtrend in eine konkrete Aktienauswahl?
Marc Caretti: Der Prozess lässt sich in Stufen beschreiben: Wir beginnen damit, Trends zu identifizieren, etwa den Ausbau der Stromnetze, das Wachstum von Rechenzentren oder den steigenden Bedarf an Wasserinfrastruktur. Als Nächstes zerlegen bzw. analysieren wir die Wertschöpfungskette: Wer verdient entlang dieses Trends tatsächlich Geld – sind es die Betreiber, die Ausrüster, Baustoffunternehmen oder spezialisierte Dienstleister? Dabei zeigt sich, ob sogenannte „Picks-and-shovels“-Unternehmen, also Zulieferer und Enabler eines Trends, robuster und besser planbar vom Investitionszyklus profitieren als einzelne Projektträger. Danach folgt die fundamentale Einzelanalyse mit Blick auf Auftragsbestand, Preissetzungsmacht, Bilanzqualität und Cashflow-Stabilität. Die ESG-Prüfung ist dabei kein nachgelagerter Filter, sondern von Anfang an integraler Bestandteil unserer Investmententscheidungen.
FondsSuperMarkt: Woran erkennen Sie ein Unternehmen, das langfristig vom Ausbau der Infrastruktur profitieren kann? Welche Eigenschaften sind für Sie besonders wichtig?
Marc Caretti: Zu den zentralen Eigenschaften zählen regulierte oder vertraglich abgesicherte Erlöse, etwa über lange Vertragslaufzeiten oder Konzessionen, sowie hohe Kapitaleintrittsbarrieren, da sich physische Netze und Anlagen nicht einfach duplizieren lassen. Wichtig sind außerdem Preissetzungsmacht bzw. inflationsindexierte Erlöse, ein gut planbarer Auftragsbestand, eine solide Bilanz und geringe Nachfrageelastizität – denn Strom, Wasser und Konnektivität werden auch in Abschwüngen gebraucht. Zusätzlich achten wir darauf, ob ein Unternehmen innerhalb eines Megatrends eine echte „Enabler“-Position einnimmt, strukturell oder regulatorisch unterstütztes Wachstum bietet und Kapital verlässlich allokiert.
FondsSuperMarkt: Welche Kriterien können dazu führen, dass ein Titel nicht ins Portfolio kommt, selbst wenn das Unternehmen wirtschaftlich attraktiv erscheint?
Marc Caretti: Auch ein wirtschaftlich attraktives Unternehmen fällt aus dem Portfolio, wenn es die ESG- oder SFDR-Kriterien verletzt, etwa aufgrund kontroverser Aktivitäten oder unzureichender Governance. Ebenso kann ein zu hohes politisches oder regulatorisches Risiko relevant werden. Weiters können unzureichende Liquidität oder Marktkapitalisierung für die Fondsgröße ungeeignet sein. Gerade bei Small- und Mid-Caps – rund 50 % der Titel liegen unter 20 Mrd. Euro Marktkapitalisierung – ist die Handelbarkeit ein hartes Kriterium. Entscheidend ist letztlich, dass Bewertung, fundamentale Aussichten, Nachhaltigkeitsprofil und Risikoprofil zusammenpassen.
FondsSuperMarkt: Schwellenländer spielen in Ihrem Fonds eine vergleichsweise wichtige Rolle. Warum sehen Sie dort besondere Chancen für Infrastrukturinvestments?
Marc Caretti: Rund 20 % des Fondsportfolios sind direkt in Schwellenländern investiert; wirtschaftlich dürfte der Anteil sogar höher liegen, da einige Unternehmen zwar in entwickelten Märkten notieren, ihr operatives Geschäft aber wesentlich in Emerging Markets haben. Der Investment-Case ist dort besonders stark, weil der infrastrukturelle Nachholbedarf im Verhältnis zum BIP deutlich größer ist als in Industrieländern. Urbanisierung, Bevölkerungswachstum und eine wachsende Mittelschicht treffen auf noch unzureichend ausgebaute Strom-, Wasser-, Verkehrs- und Telekomnetze. Dadurch entstehen für Infrastrukturbetreiber strukturell höhere und besser planbare Wachstumschancen. Zusätzlich können Schwellenländer durch den Aufbau neuer Infrastruktur teilweise technologische Entwicklungsschritte überspringen („Leapfrogging“) und profitieren gleichzeitig von vergleichsweise attraktiven Bewertungen gegenüber entwickelten Märkten.
FondsSuperMarkt: Die Energiewende ist ein wichtiger Treiber für Infrastrukturinvestitionen. Wo sehen Sie hier noch attraktive Chancen? Sind die Erwartungen der Börse bereits zu hoch?
Marc Caretti: Attraktive Chancen sehen wir derzeit vor allem bei Stromnetzen, Netzausrüstung, Speicherlösungen und der Digitalisierung der Netze. Diese Bereiche sind zentrale Engpässe der Energiewende, wirken im Vergleich zu bekannteren Solar- und Windthemen aber noch nicht vollständig eingepreist. Ohne den Ausbau der Netze lassen sich weder zusätzliche erneuerbare Energien anschließen noch die steigende Stromnachfrage durch E-Mobilität, Wärmepumpen und Rechenzentren bewältigen; Speicher, Flexibilitätslösungen und Smart-Grid-Technologien schaffen zusätzlich die notwendige Stabilität für ein zunehmend dezentrales Energiesystem. Skeptischer sind wir hingegen bei Teilen der Offshore-Wind-Branche sowie bei stark gehypten Nischen wie grünem Wasserstoff, deren Wirtschaftlichkeit erst noch breiter nachgewiesen werden muss. Aus unserer Sicht bieten die vermeintlich „langweiligen“ regulierten Netz-Assets derzeit das attraktivere Chance-Risiko-Verhältnis.
FondsSuperMarkt: Viele Infrastrukturunternehmen sind stark von staatlichen Regeln und politischen Entscheidungen abhängig. Wie berücksichtigen Sie dieses Risiko bei Ihren Investments?
Marc Caretti: Regulatorisches Risiko ist bei Infrastruktur Teil des Geschäftsmodells und wird daher bereits in der Titelauswahl berücksichtigt. Wir diversifizieren über unterschiedliche Rechtsräume, bevorzugen langfristig abgesicherte Erlöse und sind vorsichtig bei Unternehmen, deren Bewertung stark von einzelnen politischen Entscheidungen abhängt. Politisches Risiko wird nicht grundsätzlich gemieden, muss aber im Preis angemessen reflektiert sein.
FondsSuperMarkt: Für welche Anleger ist Ihr Fonds aus Ihrer Sicht besonders geeignet? Welche Rolle kann er in einem langfristig ausgerichteten Depot spielen? Eignet er sich eher als gezielte Beimischung zu einem breit gestreuten Aktienportfolio?
Der Raiffeisen-NewInfrastructure-ESG-Aktien könnte aus unserer Sicht eine gezielte thematische Beimischung zu einem breit gestreuten Aktienportfolio sein – nicht aus defensiven Überlegungen, sondern um zusätzliche strukturelle Wachstumschancen und Diversifikation zu erschließen. Klassische Weltaktienportfolios, etwa entlang des MSCI World, zeichnen sich heute durch eine sehr hohe USA-Gewichtung, eine hohe Konzentration auf den IT-Sektor, ein entsprechend hohes US-Dollar-Exposure und eine starke Fokussierung auf wenige Mega-Caps aus.
Genau hier setzt unser Fonds an: Er ist thematisch breiter über Infrastruktursegmente wie Energie und Netze, Bau und Ingenieurwesen, Telekommunikation und digitale Infrastruktur, Wasser und Halbleiter gestreut, stärker in Schwellenländern engagiert und weist auch im Größenprofil eine breitere Aufstellung auf – unter anderem, weil rund die Hälfte der Positionen eine Marktkapitalisierung von unter 20 Mrd. Euro hat.
Entscheidend ist, dass diese Diversifikation nicht mit Renditeeinbußen erkauft werden muss. Der Raiffeisen-NewInfrastructure-ESG-Aktien partizipiert an einem der größten strukturellen Investitionszyklen der kommenden Jahre und ergänzt diese Wachstumschance um eine klare ESG-Ausrichtung – eine Kombination, die ein klassisches Weltportfolio in dieser Form nicht bieten kann.
Herzlichen Dank für das Gespräch, Herr Caretti.
Fondsdetails: Raiffeisen-NewInfrastructure-ESG-Aktien (R) (A)
ISIN AT0000A09ZJ4
WKN A0Q4VC
Fondskategorie Aktienfonds Infrastruktur, Welt
Ausgabeaufschlag 0 % (FondsSuperMarkt-Rabatt 100%)
Ertragsverwendung Ausschüttend (jährlich)
Laufende Kosten (ohne Transaktionskosten) 2,13 % (21.09.2026)
Performance Fee –
Performance (seit Auflage) 252,34 % / 7,19 % durchschnittlich pro Jahr (21.09.2026)
Auflegung 05.08.2008
Fondsvolumen 464,68 Mio. EUR (31.08.2026)
Risikoklasse (SRI) 4 von 7
Über Raiffeisen Capital Management
Mit einem verwalteten Gesamtvolumen von 50 Mrd. Euro und einem Marktanteil von rund 19 % ist Raiffeisen Capital Management1 eine der führenden Fondsgesellschaften in Österreich. Mehr als 58 % des Gesamtvolumens wird nach strengen ESG2-Kriterien gemanagt. Der Asset Manager mit Sitz in Wien steht für die kontinuierliche Entwicklung herausragender Expertise in den Themen Nachhaltigkeit, globale Emerging Markets, europäische Anleihen sowie assetklassenübergreifende Konzepte. Aktienseitig erachtet Raiffeisen Capital Management auch 2026 die Emerging Markets als sehr interessante Anlageregion. Darüber hinaus legt die KVG ein Hauptaugenmerk auf Infrastruktur-Investments und Income-Fondslösungen, sowohl in Hinblick auf Multi-Assets-Portfolios als auch Dividendenfonds. 2025 feierte Raiffeisen Capital Management sein 40-jährige Bestehen!
Stand: September 2026 | 1 Raiffeisen Capital Management steht für Raiffeisen Kapitalanlage GmbH. | 2 ESG steht für Umwelt (Environment, E), Soziales (Social, S) und gute Unternehmensführung (Governance, G).
FondsSuperMarkt als Kernmarke der INFOS AG ist mit mehr als 24.000 angebotenen Fonds und ETFs und sechs Partnerbanken – darunter comdirect und FNZ Bank – eine der führenden Fondsplattformen im Internet. Rund 20.000 Kunden vertrauen bereits auf das Angebot des unabhängigen Vermittlers von Investmentfonds ohne Ausgabeaufschlag. Dabei richtet sich FondsSuperMarkt an Anleger, die kostenbewusste Selbstentscheider sind und bietet diesen neben einer einzigartigen Zahl von Fonds mit 100 % Rabatt auf den Ausgabeaufschlag u. a. umfangreiche Analysetools zur Fondsauswahl. Zu den dauerhaft günstigen Konditionen zählt neben dem komplett entfallenden Ausgabeaufschlag bei den meisten Fonds beispielsweise ein kostenloses Depot bei der FNZ Bank bereits ab einem Depotvolumen von 1.500 Euro. FondsSuperMarkt gehört zur Miltenberger Finanzgruppe, die aktuell Kundenvermögen von deutlich über einer Milliarde Euro betreut. Weitere Informationen unter www.fonds-super-markt.de. Stand: Juni 2026
FondsSuperMarkt
Engelplatz 59-61
63897 Miltenberg
Telefon: +49 (9371) 94867256
Telefax: +49 (9371) 9486710
https://www.fonds-super-markt.de/
Marketing und Presse
Telefon: +49 (9371) 9486720
E-Mail: jutta.kiffe@infos.com
![]()
