„Wir gehören alle dazu?“ – VEM stärkt internationale Friedensarbeit von Kirchen

Wie können Kirchen Ausgrenzung überwinden, Konflikte bearbeiten und sich wirksam für Menschenrechte einsetzen? Mit diesen Fragen beschäftigten sich 22 Teilnehmende aus acht Ländern bei einem internationalen Training der Vereinten Evangelischen Mission (VEM) vom 1. bis 11. Oktober in Negombo, Sri Lanka. Sie erprobten Methoden der Konfliktbearbeitung und entwickelten Aktionspläne für ihre Arbeit vor Ort. Langfristig wollen sie ihre Zusammenarbeit in einem internationalen Advocacy-Netzwerk fortsetzen.

Frieden braucht gleichberechtigte Zugehörigkeit

Sri Lanka bot einen besonderen Rahmen für das Training. Der Bürgerkrieg endete 2009, doch bis heute ist umstritten, wie an seine Opfer erinnert wird: Während tamilische Familien im Norden und Osten des Landes am 18. Mai der getöteten Zivilist*innen gedenken, begeht der Staat am 19. Mai den Tag der Kriegsheld*innen. Die unterschiedlichen Formen des Gedenkens spiegeln die anhaltenden Spannungen im Land wider.

Zum Auftakt zeichnete Pfarrer Suijthar Savanayagam, Generalsekretär des National Christian Council of Sri Lanka, die Entwicklung seines Landes seit der Unabhängigkeit 1948 nach. Dabei ging es um eine bis heute ungelöste Frage: Wie kann ein Land, das von unterschiedlichen ethnischen und religiösen Gemeinschaften geprägt ist, allen Menschen gleiche Rechte und gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen?

Zusammenleben im Alltag erlebt

Auch Beispiele aus dem Alltag zeigten, wie schwierig und zugleich wichtig das friedliche Zusammenleben verschiedener Religionen ist. In Negombo besuchte die Gruppe eine methodistische Gemeinde, eine Moschee, ein katholisches Meditationszentrum und einen buddhistischen Tempel. Die Begegnungen machten deutlich, dass interreligiöse Beziehungen und gegenseitige Unterstützung möglich sind, in einem Land, in dem bei den Anschlägen auf Kirchen und Hotels an Ostern 2019 zahlreiche Menschen getötet wurden. Danach gerieten muslimische Menschen unter Generalverdacht und wurden auch in Negombo angegriffen.

Ein Besuch im Tulana Research Centre nahe Colombo führte die Gruppe zu einem Mahnmal für die Opfer des Krieges. Eine Wand aus Menschenfiguren erinnert an die Toten, ohne ihre Namen oder ihre ethnische und religiöse Zugehörigkeit kenntlich zu machen. Die christliche Botschaft setzt dem die Zusage entgegen, dass Gott jeden Menschen beim Namen kennt (Jesaja 43,1). Daraus erwächst der Auftrag, niemanden zu vergessen.

Konflikte bearbeiten, Diskriminierung erkennen

Unter Anleitung von drei Fachpersonen aus Sri Lanka, Tansania und Deutschland beschäftigten sich die Teilnehmenden mit Konfliktanalyse, Mediation und dem Zusammenwirken verschiedener Formen von Diskriminierung. Mit dem „Theater der Unterdrückten“ des brasilianischen Theatermachers Augusto Boal erprobten sie, wie Menschen festgefahrene Konfliktsituationen verändern können.

Aus Erkenntnissen soll gemeinsames Handeln werden

Wie können Kirchen Menschenrechtsverletzungen wirksam entgegentreten? Zum Abschluss ermutigte der tansanische Theologe Lusungu Mbilinyi die Teilnehmenden, vorhandene Strukturen zu nutzen und sich auch auf internationaler Ebene für Menschenrechte einzusetzen. Entscheidend sei, die Handlungsmöglichkeiten im eigenen Land zu kennen und die eigene Stimme zu erheben.

Alle Teilnehmenden entwickelten einen konkreten Aktionsplan für ein Anliegen aus ihrem eigenen Umfeld. Die VEM will den Austausch durch digitale Advocacy-Treffen unterstützen, die alle zwei Monate stattfinden. Darüber hinaus wollen die Teilnehmenden ein internationales Netzwerk aufbauen, sich gegenseitig stärken und künftig auch gemeinsam über Ländergrenzen hinweg gegen Menschenrechtsverletzungen eintreten.

„Einfache Lösungen haben wir nicht gefunden, aber Verbundenheit und Hoffnung. Die Frage, wie alle dazugehören, stellt sich in jedem unserer Länder, auch in Deutschland. Gemeinsam und über Grenzen hinweg können wir mehr bewirken als jede und jeder für sich“, sagt Sarah Vecera, Referentin für Rassismuskritik und Intersektionalität der VEM, die das Training gemeinsam mit Suijthar Savanayagam und Lusungu Mbilinyi leitete.

Mehr dazu in der aktuellen Podcast-Episode von „Stachel und Herz“ der VEM.

Über Vereinte Evangelische Mission (VEM)

Die Vereinte Evangelische Mission (VEM) mit Büros in Wuppertal, Indonesien und Tansania ist eine internationale, gleichberechtigte Gemeinschaft von 39 Mitgliedern, darunter 32 evangelische Kirchen in Afrika und Asien sowie sechs deutsche EKD-Kirchen und den v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel. Die VEM verfolgt konsequent ein ganzheitliches Missionsverständnis. Dazu gehört, die Lebensumstände notleidender und benachteiligter Menschen unter Achtung ihrer persönlichen Würde und Berücksichtigung ihres kulturellen Kontexts zu verbessern.

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