Flippern zwischen Mond und Erde

An der Decke, hoch über den Köpfen, schwebt ein Astronaut der Apollo-11-Mission in voller Montur. Die robusten Sohlen seines Raumanzugs haben die Oberfläche des Mondes noch nicht touchiert, während sich die Besucher der Silverball-Lounge der Firma Trobau Wittlich GmbH & Co KG schon gelandet wähnen. Vor ihnen liegen – auf einer Fototapete – die Krusten und Krater des Erdtrabanten, und am Horizont sehen sie unseren Heimatplaneten aufsteigen. Leuchtend Blau und ziemlich weit entfernt.

„Wir wollten etwas Außergewöhnliches schaffen“, sagt Trobau-Geschäftsführer Ralf Kaiser, und das ist ihm mit der Gestaltung eines fensterlosen Raumes in seiner auf Trockenbau, Schall- und Brandschutz spezialisierten Firma auch gelungen. Mit einem aufwändigen Gesamtkonzept, an dem Trobau und Caparol entscheidenden Anteil hatten, setzte Objektdesignerin Michaela Kaiser das Thema Weltall in Szene. Nun geht von dem Gaming-Room mit Space-Charakter, einer Erweiterung der bisherigen Silverball-Lounge, die Faszination eines sternenfunkelnden Nachthimmels aus, verstärkt durch die Beleuchtung modernster Flipper-Automaten, die der Markt zu bieten hat – ein Dorado für die Fans des Geschicklichkeitsspiels.

„In meiner Jugendzeit standen die Geräte noch in fast jeder Gaststätte. Ich habe gern daran gespielt, und das ist bis heute so geblieben“, erzählt Ralf Kaiser. In den neunziger Jahren flaute das Interesse am Flippern wegen der aufkommenden Spielkonsolen und Videospiele merklich ab, doch die Durststrecke scheint inzwischen überwunden, und die Szene befindet sich wieder im Aufwind. Allerdings sind es vor allem Privatleute, die sich das Kultspielzeug zulegen. In den achtziger Jahren konnte man einen gebrauchten Flipperautomaten schon für etwa 400 Mark erwerben, heute muss man für fabrikneue Geräte 6.000 bis 10.000 Euro und mehr ausgeben.


 Mit seiner Sammlung von etwa 30 Flipperautomaten unterschiedlicher Motive aus der Film- und Musikwelt, darunter Ghostbusters, Stranger Things, Deadpool, Spiderman, Jurassic Park und AC/DC stellt Ralf Kaiser in der Silverball-Lounge viele Highlights zum Spielen zur Verfügung. Besonders stolz ist er auf seinen „Batman 66“, den die amerikanische Herstellerfirma Stern anlässlich ihres Jubiläums herausgebracht und nur 80 Flipperfans aus aller Welt zugeteilt hat. Kaiser ist einer von ihnen.

Nicht nur der Firmeninhaber selbst, auch seine Kunden und seine über fünfzig Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben Spaß daran, die Stahlkugel reaktionsschnell durch Einsatz der Flipperhebel im Spiel zu halten, die LED-Lämpchen in allen Farben aufleuchten zu lassen, nach ausgeklügelten Software-Vorgaben eine Mission zu erfüllen und Punkte zu sammeln.

Eigens für den zusätzlichen Gaming-Room hat das Team der Firma Trobau rund um die hauseigene Objektdesignerin Michaela Kaiser ein Deckensystem entwickelt, das es nun auch für Kunden zu kaufen gibt: eine mit praktisch jedem Motiv bedruckbare Decke aus Plexiglasplatten, aufgelegt auf einem speziell beschichteten Schienensystem und integrierter dimmbarer Beleuchtung. Im Zusammenspiel mit der Wandbeschichtung entsteht der Weltraum-Effekt. Für die Wände, so die Vorgabe der Trobau, sollte eine matte, vor allem aber auch stoßfeste Farbe zum Einsatz kommen, denn beim Flippern geht es oft temperamentvoll zu. Zudem sollte sie eine Tiefenwirkung erzeugen.

 Für Malermeister Eric Hermes von Hermes Farbdesign war der gleichmäßige Anstrich der vier Meter hohen Wandflächen in dem 100 Quadratmeter großen Raum eine Herausforderung. Nach der Vorbereitung des Hintergrunds mit Capaver AkkordVlies G130 AA und der Grundierung mit CapaSol wurden die Wände zweimal mit Caparol PremiumColor im Farbton Lavendel 35 beschichtet, rund um die Mond-Erde-Fototapete mit PremiumColor im Farbton Granit 0. Der Clou beim Schlussanstrich aber war Capadecor Diamonds Silber von Caparol. Diese brillant glitzernden Effektpigmente werden in die Farbe eingemischt und sollen möglichst gleichmäßig verteilt werden. Mit der Rolle alleine war die Applikation nicht möglich. Wegen der großen Wandflächen musste Malermeister Hermes auf das patentierte Nespri-System, ein nebelfreies Airlessspritzverfahren, zurückgreifen, um die Schlussbeschichtung mit PremiumColor und Capadecor Diamonds gleichmäßig auf die Wandflächen aufzubringen. Im Anschluss daran wurden sie sofort mit dem Caparol-Feinroller gleichmäßig in eine Richtung abgerollt, um den „Diamonds“- Effekt streifenfrei herzustellen.

 Jetzt aber funkeln die Wände, sobald sie richtig ausgeleuchtet sind, wie ein Sternenhimmel. „Das ist ein starkes Ergebnis, und das haben wir richtig gut hingekriegt“, freut sich Eric Hermes. An der Beleuchtung des Raums wurde lange getüftelt. Sie durfte nicht zu hell und nicht zu dunkel sein. Damit der Glitzereffekt zur Geltung kommt, wurden Flipper-Topper mit Wechselwirkung eingebaut. Die besondere Lichtstimmung sorgt bei den Teilnehmern des Flipper-Spielkreises, die sich im Trobau-Firmengebäude regelmäßig treffen, immer wieder für Begeisterung. Ralf Kaiser lädt dazu auch Neulinge ein, weil er sein Hobby gern mit anderen teilt. Manchmal veranstaltet er in seiner Silverball-Lounge Turniere für einen guten Zweck, etwa Tierschutz. Sein Weltraum ist offen für die Pinball Wizards.

Petra Neumann-Prystaj

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