Staatliche Förderprogramme hemmen Ausbreitung von Cloud-Computing

Unternehmen betrachten Investitionen in Sachkapital und Cloud-Computing als Substitute und investieren verstärkt in Sachkapital, wenn sie Zugang zu staatlicher Investitionsförderung haben. Programme zur Förderung von Investitionen in Zukunftstechnologien sollten deshalb um digitale Dienste erweitert werden, um auch die Unternehmen zu erreichen, die zunehmend mit immateriellen Gütern wirtschaften. Dies ist das Ergebnis einer aktuellen Studie des ZEW Mannheim in Kooperation mit der OECD. „Es besteht die Gefahr, dass der Staat unbeabsichtigt die Verbreitung von Cloud-Computing verlangsamt – mit weiteren negativen Folgen für die Verbreitung von anderen datengetriebenen Technologien, die von Cloud-Computing abhängen, wie beispielsweise Big-Data-Anwendungen“, mahnt Studien-Mitautor Steffen Viete an, Wissenschaftler im ZEW-Forschungsbereich „Digitale Ökonomie“ und Mitarbeiter im Stab des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung.

Staatliche Programme fördern nach wie vor besonders Investitionen in Sachkapital

An Cloud-Computing knüpfen sich in wirtschaftlicher Hinsicht große Hoffnungen, sowohl bei der Schaffung von Arbeitsplätzen als auch mit Blick auf die Gründung neuer Unternehmen. Um die digitale Transformation voranzubringen, setzen Regierungen daher europaweit Förderprogramme auf. Existierende Förderprogramme unterstützen allerdings nach wie vor oft Investitionen in physisches Kapital und nicht die Nutzung digitaler Dienste. Daher stellt die Studie die Frage, ob diese Instrumente die digitale Transformation von Unternehmen durch die Nutzung von Cloud-Diensten befördern, oder im Gegenteil der Verbreitung von Cloud-Computing entgegenwirken.
 Anhand von Firmendaten aus Deutschland und Großbritannien untersucht die ZEW-Studie die Wirkungen zweier unterschiedlicher Investitionsförderungen auf die Neigung von Firmen, Cloud-Computing zu nutzen: die steuerliche Förderung „Annual Investment Allowance“ in Großbritannien, sowie Investitionszuschüsse im Rahmen der „Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ in Deutschland. „In beiden Fällen trug die staatliche Förderung dazu bei, dass Unternehmen weniger geneigt waren, Cloud-Computing zu nutzen“, so Raphaela Andres, Wissenschaftlerin im ZEW-Forschungsbereich „Digitale Ökonomie“. Wie die Studie zeigt, führte das britische Programm dazu, dass die geförderten Unternehmen insgesamt 64 Prozent mehr investierten. Die Investitionen zum Erwerb von Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) nahmen um 34 Prozent zu, die zum Erwerb von Hardware um 31 Prozent. Hingegen sank bei den Unternehmen die Neigung, Cloud-Dienste zu nutzen, um 12 Prozent. In Deutschland zeigt sich ein ähnliches Bild.


Digitale Transformation findet vermehrt durch Nutzung digitaler Dienste statt

In den vergangenen zehn Jahren hat sich der Zugang von Unternehmen zu digitalen Technologien grundlegend gewandelt. So hat sich der Anteil der Unternehmen, die kostenpflichtige Cloud-Computing-Dienste einsetzen, in den Jahren 2014 bis 2018 in Deutschland von 11 Prozent auf 22 Prozent verdoppelt. Um von der Digitalisierung zu profitieren, mussten Unternehmen anfangs vor allem in eigene Software und Hardware investieren. Mittlerweile greifen sie indes zunehmend auf die Dienste von Cloud-Computing-Anbietern zurück, um Daten zu speichern und zu verarbeiten. Diese Anbieter machen Unternehmen eine IT-Infrastruktur – Speicherplatz, Rechenleistung oder Softwareanwendungen – über das Internet zugänglich. Wichtigste Voraussetzung ist dabei, dass das Unternehmen Zugang zu schnellem Breitbandinternet hat, damit es die Anwendungen des Cloud-Computing auch wirklich nutzen kann. 

Über ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung GmbH Mannheim

Das ZEW in Mannheim forscht im Bereich der angewandten und politikorientierten Wirtschaftswissenschaften und stellt der nationalen und internationalen Forschung bedeutende Datensätze zur Verfügung. Das Institut unterstützt durch fundierte Beratung Politik, Unternehmen und Verwaltung auf nationaler und europäischer Ebene bei der Bewältigung wirtschaftspolitischer Herausforderungen. Zentrale Forschungsfrage des ZEW ist, wie Märkte und Institutionen gestaltet sein müssen, um eine nachhaltige und effiziente wirtschaftliche Entwicklung der wissensbasierten europäischen Volkswirtschaften zu ermöglichen. Durch gezielten Wissenstransfer und Weiterbildung begleitet das ZEW wirtschaftliche Veränderungsprozesse. Das ZEW wurde 1991 gegründet. Es ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Derzeit arbeiten am ZEW rund 190 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, von denen rund zwei Drittel wissenschaftlich tätig sind.

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