Behandlungsrückgang in Saarland-Kliniken 2022 noch größer als in den ersten beiden Pandemiejahren

Die Zahl der somatischen Krankenhaus-Fälle im Saarland ist 2022 im Vergleich zum Jahr 2019 um 18 Prozent gesunken – und damit noch stärker als 2020 und 2021 (beide minus 16 Prozent). Bei den psychiatrischen Fällen ist ein Rückgang 2022 gegenüber 2019 von ebenso 18 Prozent zu verzeichnen. Das zeigt eine Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO).

„Die Corona-Pandemie hatte die saarländischen Kliniken auch im dritten Jahr der Pandemie fest im Griff – aber aus anderen Gründen als in den ersten Infektionswellen der Jahre 2020 und 2021“, sagt Dr. Martina Niemeyer, Vorstandsvorsitzende der AOK Rheinland-Pfalz/Saarland – Die Gesundheitskasse. „Die Rückgänge der Krankenhausfallzahlen im vergangenen Jahr waren nicht mehr durch die Freihaltung von Kapazitäten für schwer erkrankte Corona-Patientinnen und -patienten bedingt, sondern vor allem durch die starken Personalausfälle aufgrund der durch die Omikron-Variante verursachten Infektionswellen des Jahres 2022.“

Weiter starke Einbrüche bei den Diagnosen und Behandlungen

Die Aufschlüsselung der Zahlen nach Behandlungsanlässen bis Oktober 2022 zeigt: Die stärksten Einbrüche gab es erneut bei den sogenannten ambulant-sensitiven Diagnosen, die sowohl im Krankenhaus als auch von entsprechend qualifizierten niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten adäquat behandelt werden können. So waren bei Bluthochdruck (minus 48 Prozent) sowie der chronischen Lungenerkrankung COPD (minus 36 Prozent) die größten Rückgänge gegenüber dem Vergleichsjahr 2019 zu verzeichnen, gefolgt von Diabetes und Rückenschmerz (beide minus 22 Prozent). „Schon in den ersten beiden Jahren der Pandemie gab es Rückgänge in vergleichbarer Größenordnung. Corona wirkt sich hier offensichtlich beschleunigend im Sinne der in Deutschland dringend gebotenen stärkeren Ambulantisierung aus. Bei einzelnen Diagnosen dürfte angesichts der großen und anhaltenden Einbrüche auch der Abbau von Überversorgung eine Rolle spielen.“

Absoluter Spitzenreiter ist indes die planbare Mandel-OP mit minus 54 Prozent. Eine Ursache könnte sein, dass die Hygieneregeln während der Pandemie das Auftreten von Mandelentzündungen verringert haben. Doch die Rückgänge könnten auch auf einen Abbau von Überversorgung hindeuten.

Stark ist auch der Rückgang bei der operativen Entfernung von Darmkrebs (minus 33 Prozent) und der planbaren Hüftgelenksimplantationen (minus 25 Prozent).  Anlass zur Sorge gibt dabei der deutlich stärkere Einbruch bei den Darmkrebs-Operationen. Das könnte mit dem reduzierten Umfang der Darmspiegelungen zu tun haben, die bereits frühere Auswertungen des WIdO festgestellt haben.

Auffällig ist auch der anhaltende Rückgang der Fallzahlen bei den Herzinfarkten und Schlaganfällen, der in den WIdO-Daten bis Oktober 2022 zu sehen ist: Die Herzinfarkt-Behandlungen sind gegenüber 2019 um 18 Prozent zurückgegangen, die Schlaganfall-Behandlungen um 12 Prozent. Damit gab es bei diesen Notfällen sogar noch stärkere Rückgänge als im ersten und zweiten Pandemie-Jahr. Die Daten deuten darauf hin, dass die Rückgänge bei den leichteren Infarkten und Schlaganfällen höher sind. Offenbar sind insbesondere Menschen mit milderen Symptomen weniger im Krankenhaus behandelt worden. „Es gilt weiterhin der eindringliche Appell, bei diesen Notfällen unbedingt und ohne Zögern den Rettungsdienst zu alarmieren“, so Niemeyer.

Anteil der schweren Covid-19-Erkrankungen deutlich gesunken

Das WIdO hat in seiner Auswertung auch die Entwicklungen bei den stationär behandelten Patientinnen und Patienten betrachtet, die wegen Covid-19 im Krankenhaus waren. Im Zuge der Omikron-Wellen hat der Anteil der Patientinnen und Patienten, die nicht primär wegen Covid-19 im Krankenhaus waren, aber diese Diagnose auch aufwiesen, im Jahr 2022 deutlich zugenommen. Für einen konsistenten Vergleich über die Pandemiewellen hinweg ist die Auswertung daher auf Patientinnen und Patienten beschränkt worden, bei denen Covid-19 der primäre Behandlungsanlass war. Der Vergleich der bisherigen Pandemiewellen zeigt, dass der Anteil der schweren Erkrankungen in den beiden Omikron-Wellen des Jahres 2022 deutlich gesunken ist. So sank der Anteil der beatmeten Patientinnen und Patienten in der sechsten Pandemiewelle von Juni bis September 2022 auf 10 Prozent. Zum Vergleich: In der ersten Welle Ende 2020 waren es noch 28 Prozent.

Sterblichkeit bei beatmeten Covid-19-Patienten unverändert hoch

Auch die Sterblichkeit lag zuletzt in der Omikron-Welle mit 16 Prozent deutlich niedriger als in den Anfangspandemiewellen 2020 / 2021 mit je 29 Prozent. Allerdings bleibt die Sterblichkeit bei den beatmeten Patientinnen und Patienten unverändert hoch: Sie liegt in der sechsten Pandemiewelle bei 48 Prozent. Von den beatmeten Patienten sind 60 Prozent Männer. Auffallend ist die kontinuierlich abnehmende Beatmungsdauer. Waren es in der sechsten Pandemiewelle Mitte 2022 nur noch fünf Tage, so waren es in den ersten Pandemiewellen durchschnittlich dreimal so viele. „Die Daten spiegeln wider, dass die Omikron-Variante des Coronavirus glücklicherweise seltener zu schweren Krankheitsverläufen führt als die Vorgänger-Varianten“, erläutert Niemeyer die Ergebnisse.

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